Neulich bei If You’re Feeling Sinister: Belle & Sebastian in der Kölner Stadthalle Mülheim



Wie gesagt, mein Freund war gleich zwei Abende hintereinander in Köln, um dabei zu sein, wie eine seiner Lieblingsbands zwei ihrer Alben komplett spielte. Hier kommt also Teil 2.

Du hast Dir ja gleich zwei Tickets für Belle & Sebastian an aufeinander folgenden Abenden gegönnt. Hat man bei zwei Auftritten hintereinander dann auch zweimal dieselbe Vorband?

Wenn die Hauptband an zwei Abenden dieselbe ist, dann kann das auch die Vorband sein, oder? Sandra Zettpunkt wurde erneut von Raymond McGinley begleitet und da mir viele Lieder vom Vorabend bekannt vorkamen, war die Setliste vermutlich identisch. Was auch kein Wunder wäre, denn als Music For Your Heart hat sie nur ein Album, „Turning Marvel“, herausgebracht - und das vor vielen vielen Jahren. Bezüglich der Aufnahmen wunderte sie sich im Nachhinein darüber, dass sie ihren Produzenten McGinley damals nicht gefragt hatte, ob er auf dem Album auch mitspielen wollte, schließlich sei er ja als Gitarrist nicht allzu schlecht.



Gab es denn zumindest andere Geschichten als am Vorabend?

Ja. Sie erzählte, dass sie vor Monaten per E-Mail gefragt wurde, ob sie den Support für Belle & Sebastian übernehmen wolle und hatte dies ursprünglich für einen Scherz gehalten, da sie seit 18 Jahren als Singer/Songwriterin im Ruhestand gewesen sei. Erst auf Anraten des Teenage Fanclub Gitarristen und gegen den Ratschlag ihres Mannes habe sie zugesagt, da Frauen ihres Alters in der Popmusik leider nur eine sehr kleine Rolle spielen würden.

Zwischendurch gab es, wie am Vorabend, immer wieder kleine Anekdoten, die sie auf englisch als „humbug stories“ bezeichnete, zum Besten. So erzählte sie, dass sie als Hamburgerin ihren Vater gefragt habe, ob er in jungen Jahren denn die Beatles live gesehen habe. Und er berichtete, dass die Auftritte der Beatles nichts Besonderes gewesen seien, weil sie ja ständig gespielt hätten. So sei er jeden Abend hingegangen, „but not for the music, but for girls to shag and for boys to fight“. 



Gab es eigentlich neben Dir (und der Band) auch viele andere Konzertgäste, die beide Abende hintereinander besuchten?

Drei andere Besucher waren mit persönlich bekannt und an beiden Abenden mit dabei. Sechs weitere waren nur bei einem der beiden Auftritte. Vielleicht kann dieses Verhältnis für den Gesamtschnitt stehen. Man muss auch berücksichtigen, dass der Besuch beider Auftritte pro Person stolze 110 Euro gekostet hat.


Abgwesehen von diesen zwei Abenden hintereinander - wie oft hattest Du Belle & Sebastian vorher bereits live gesehen?

Ich habe Belle & Sebastian 1998 bei ihrem ersten Deutschlandkonzert gesehen, wir sind damals mittags mit dem Auto nach München und nachts zurück gefahren, isgesamt 1000 km. Auch bei ihrem zweiten Auftritt in Deutschland, beim Haldern Festival 2002, und ihrer ersten Tournee hier (2004) war ich dabei. Danach habe ich sie, wenn ich mich nicht verzählt habe sechs weitere Male gesehen, so dass ich nun auf insgesamt 11 Konzerte von Belle & Sebastian komme.



Zu "Tigermilk" hatte es ja  - vom Band - einen einführenden Vortrag des ehemaligen Bassisten gegeben. War dieser heute wieder am Start?

Diesmal übernahm im einführenden Video Ciara MacLaverty das Wort, die damals die Freundin von Stuart Murdoch war und es auf das ikonische Plattencover von „If You’re Feeling Sinister“ geschafft hatte. Sie erzählte unter anderem, wie seltsam es für sie gewesen sei, sich plötzlich selbst in den Plattenläden zu sehen. Dann betraten auch schon die Bandmitglieder die Bühne, um mein Lieblingsalbum von ihnen komplett zu spielen.



Wie wurde am zweiten Abend der Auftakt gestaltet?

Stuart begrüßte uns diesmal auf deutsch: „Willkommen zur zweiten Aufnahme-Session von Belle & Sebastian. Viel Glück!“ Im Hintergrund wurde zwischen den Songs nicht wie am Vorabend ein Tonstudio eingeblendet sondern ein großer Saal, vermutlich einer der zur Hyndland Parish Church gehörte, in der Belle & Sebastian damals probten, da ihr Sänger dort als Hausmeister tätig war. 

Das Glück war den Schotten aber nicht hold, denn den zweiten Song, „Seeing Other People“, mussten sie abbrechen, da es Probleme mit Stevie Jacksons Gitarrenverstärker gab. Stuart fragte Sarah Martin, ob sie denn mit der Seilbahn gefahren sei und war überrascht, dass dies nicht umsonst möglich ist. Sarah erwiderte, dass sie aber immerhin nicht - wie Bus & Bahn - gestreikt habe. Stuart ergänzte, dass dafür die Gitarre hier streiken würde. Irgendwann ging es aber weiter, und Stuart kündigte den „Take two“ für dieses Lied an und sagte, dass es sich eher wie die damaligen Recording Sessions anfühle, und nicht wie ein Konzert vor 2000 Zuschauern.



Aber sonst war sicher vieles genauso wie am Vorabend arrangiert, oder?

Wie am vorherigen Abend gab es zu jedem Song vorbereitete Animationen, die Figuren aus den Songs oder Textzeilen visualisierten. Zum Beispiel wurden in Form eines View-Masters, einem Kult-Spielzeug der 80er Jahre, wieder Bilder der sehr jungen Band gezeigt, oder Bilderrahmen mit wechselnden Grafiken zu Fauna und Flora beim Song „Mayfly“ oder sehr schöne Animationen zu „The Fox In The Snow“. Nach diesem Lied sah man dann wieder die Schallplatte von „If You’re Feeling Sinister“, die umgedreht und erneut abgespielt wurde. Stuart ergänzte: „We made it safely to side two of the LP.“



Was ist noch passiert?

Zum letzten Song des Albums erfuhren wir, dass er auch wirklich als letztes komponiert und aufgenommen wurde. Was für ein Glück, dass es „Judy And the Dream Of Horses“ noch auf „If You’re Feeling Sinister“ schaffte! Gegen Ende setzte Stuart - und ich glaube, dass ich das früher auch schon gesehen hatte - einen Kunststoff-Pferdekopf auf. Danach war leider schon Schluss und klar, dass „If You’re Feeling Sinister“ noch besser ist als das im selben Jahr veröffentlichte „Tigermilk“. Wie am Vorabend gab es auch hier nach der Darbietung des Albums einen Abspann, in dem sich Belle & Sebastian bei allen, die damals irgendwie an dessen Entstehung beteiligt waren, bedankten. 



Wie ging der Auftritt im Anschluss weiter?

In der Umbaupause wurde der Gitarrenverstärker von Stevie ausgetauscht und man bedankte sich bei Raymond McGinley, da dieser seinen Amp zur Verfügung gestellt hatte. Danach war es wieder Zeit für „Fan Favourites“ und Traditionen: Stevie durfte „Chickfactor“ singen (was er auch wirklich nicht besonders gut machte), Sarah war bei „I Didn’t See It Coming“ tonangebend und zu „The Boy With The Arab Strap“ kamen wieder zahlreiche Zuschauer zum Tanzen auf die Bühne. Waren es am Vorabend noch rund 15, begrüßte und verabschiedete Stuart diesmal an die 40 Tanzwütigen und wunderte sich über diese bisher größte Anzahl auf dieser Tour. „The Boy With The Arab Strap“ sollte übrigens die einzige Dopplung an den beiden Abenden bei insgesamt 37 gespielten Liedern bleiben. 


Hatte die Band an diesem Abend auch neue Fotos von Köln zu bieten?

Gut, dass du fragst! Denn mit dieser Tradition wurde tatsächlich gebrochen. Es wurden keine Fotos von den Unternehmungen von Stuart & Co. gezeigt, obwohl das sonnige Wetter der Band sicherlich einen schönen Tag in Köln beschert hatte. Aber die Stadthalle in Köln-Mühlheim wurde erneut von Stuart gelobt: „A groovy venue, it’s so Belle & Sebastian!“.



Wurde Dein im ersten Bericht geäußerter Wunsch nach Songs von EPs erfüllt?

Glücklicherweise wurde er erfüllt, obwohl du meinen Konzertbericht noch gar nicht veröffentlicht hattest! Zuerst gab es „Dog On Wheels“ und dann auch noch „Lazy Line Painter Jane“ - diese beiden Lieder wären sehr sehr hoch auf meiner persönlichen Wunschliste gewesen. 


Wie endete das Konzert?

Zum Schluss gab es noch eine ausführliche Vorstellung von Crew und Band, da es sich um das letzte Europakonzert dieser Tour handelte. Leider wollten Belle & Sebastian dieses nicht mit zwei weiteren Zugabensongs feiern wie am Abend zuvor, obwohl ich den Eindruck hatte, dass Stuart Murdoch noch etwas ausgelassner war und zum Beispiel auf das Gitter vor der Bühne kletterte und dort sang. Daher gab es noch einen Fanwunsch, der nicht besonders einfallsreich war, aber zumindest zum Wetter passte („Another Sunny Day“). Stuart wählte jemanden aus dem Publikum aus und fragte, woher dieser komme. Die Antwort, Düsseldorf, wurde natürlich von den Kölnern entsprechend begleitet. Stuart kommentierte, dass er von der Sache zwischen Köln und Düsseldorf wisse, aber „this is the night when Düsseldorf and Cologne come together!“. 

Wenn nicht an diesem Abend, mit dieser Band und diesem Album - wann dann?



Setliste:

The Stars of Track and Field
Seeing Other People
Like Dylan in the Movies
The Fox in the Snow
Get Me Away From Here, I'm Dying
If You're Feeling Sinister
Mayfly
The Boy Done Wrong Again
Judy and the Dream of Horses
Me and the Major

Dog on Wheels
I'm a Cuckoo
Chickfactor
Dress Up in You
Lazy Line Painter Jane
The Boy With the Arab Strap
I Didn't See It Coming

Another Sunny Day


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