Neulich ohne The Cure: Just Mustard im Kölner Helios


Eine Zeitlang sah es so aus, als würden mein Freund und ich im Sommer nach Berlin fahren, um dort einen von drei Auftritten von The Cure in der Wuhlheide zu besuchen. Mit dabei wären als Support Acts The Twilight Sad und auch Just Mustard gewesen. Mittlerweile sind diese Pläne allerdings unserer bevorstehenden Namibia-Reise zum Opfer gefallen, wir werden zu der Zeit nämlich wohl außer Landes sein.

Mein Freund hatte Just Mustards Album "We Were Just Here" jedoch zu seinem Lieblingsalbum des letzten Jahres gekürt. Als ich entdeckte, dass die Band in der Kölner Location Helios (die ich noch nicht kannte) auftreten würde, lag es nahe, ihm zu Ostern Tickets für den Auftritt zu schenken. Zu nahe, wie sich herausstellte, denn er hatte für uns bereits Gästelistenplätze besorgt, die Karten wären also gar nicht nötig gewesen.

Ich selbst hatte mal kurz ins Album reingehört und konnte gezogene Vergleiche mit den Cranes und den Cocteau Twins nachvollziehen. Ich war dann etwas überrascht, als mich mein Freund bei der Hinfahrt nach Köln fragte, ob ich auch meine Ohrenstöpsel eingepackt hätte. Das erklärte sich allerdings beim weiteren Vorbereitungshören im Auto: Bei Just Mustard findet im Vordergrund ätherischer Gesang statt, während im Hintergrund (klangtechnisch) ein Haus abgerissen wird - auch Vergleiche zu My Bloody Valentine sind also berechtigt.



Das Helios stellte sich als kleine Halle direkt am Gelände des ehemaligen Underground Clubs heraus. Als wir eintrafen, spielte bereits die Vorband, von der wir gar nichts gewusst hatten: The Altered Hours. Während ich beim Betreten der Halle gedacht hatte, diese sei schon gerammelt voll, täuschte dieser Eindruck: Nach vorne hin gab es durchaus noch Lücken, in die man sich stellen konnte. 

Das Set wurde relativ schnell beendet, wir hatten wohl mehr als nur einen Song verpasst. Erst im Nachhinein konnte ich ergooglen, dass die Musiker aus Cork in Irland stammen und auch bereits Fontaines D.C. unterstützt haben. Ob sie ihr Set dieses Abends besonders an den Sound des Hauptacts angepasst hatten, weiß ich nicht zu sagen - es klang aber mehr nach Shoegaze als nach dem Postpunk, den die Band anscheinend ebenfalls spielt.

Nach kurzer Umbaupause ging es dann weiter mit dem Hauptact. Just Mustard sind ebenfalls Iren und haben seit 2018 drei Alben veröffentlicht. In dem Quintett ist die Sängerin Katie Ball für den hauchigen Gesang zuständig, auch Gitarrist David Noonan übernimmt einzelne Gesangsparts. Der Rest schrammelt an Gitarre und Bass (und Schlagzeug) und bringt dabei teils äußerst erstaunliche Töne hervor. 



Interaktion mit dem Publikum fand quasi nicht statt - nun habe ich schon einige wenig kommunikative Bands gesehen, und zum Musikstil von Just Mustard würde freundliches Quatschen zwischen den Songs wohl auch nicht allzu gut passen. Nur war das Ausmaß in diesem Fall schon besonders, man fühlte sich regelrecht aktiv ignoriert - selbst der Applaus zwischen den Liedern schien für die Musiker zunächst nur eine neutrale bis lästige Unterbrechung zu sein.

Das war nun fast sicher nicht so gemeint, denn wir wissen ja alle, dass das Musikerdasein in Zeiten von Spotify kein Leichtes ist, und auch das Touren ist eher Kostenfaktor als ein Geldbringer. Wer live auftritt, macht das also, zumindest bei dieser Hallengröße, sicherlich nicht, weil das so gut bezahlt wäre. Im Übrigen gab es im späteren Verlauf und am Ende des Sets noch ein paar "Thank you"s, und das letzte Lied wurde als solches angekündigt (für eine Zugabe hatte man sich nichts aufgehoben).




Dennoch war es so natürlich etwas schwer, den Auftritt zu genießen, hinzu kam die insbesondere von meinem Freund verfluchte Beleuchtung - die zwischen Dunkelheit und Blendung der Zuschauer variierte. Da machte es kaum einen Unterschied, dass ich auch keine Möglichkeit sah, die Setliste mitzuschreiben - sie scheint ohnehin bei allen Auftritten der Tour gleich zu sein.

Also, nix für ungut, Just Mustard: Ihr meint es sicher nicht böse, aber beim nächsten Liveauftritt bin ich nur dabei, wenn ihr wieder The Cure im Nachprogramm habt.


Setliste:

Endless Deathless
Silver
Out of Heaven
Seven
I Am You
Somewhere
Dreamer
Deaf
Frank
Dandelion
That I Might Not See
Pigs
Tainted
Pollyanna
Still
We Were Just Here
Seed

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