Als mein Freund vor Monaten die Anfrage stellte, ob A.S. Fanning bei uns im Wohnzimmer auftreten würde, war uns so einiges nicht klar. Das eine war, dass der irische Künstler mit vier weiteren Musikern auf Tour gehen würde, was für die Kapazitäten unseres Wohnzimmers eine Herausforderung sein würde - sogar ein Schlagzeuger war dabei! Die Bookerin ließ sich von unseren Bedenken jedoch nicht entmutigen und meinte, das würde schon klappen. Auch der ordentlich krachige Auftritt im Rockpalast, den wir online ansahen, ließ uns ein wenig zweifeln, ob dieser Sound bei uns und vor allem unseren Nachbarn am richtigen Platz wäre. Die Bookerin versicherte aber, zur Not könne man auch eine reduzierte Version des Sets spielen.
Nur unseren Wunschtermin, einen Sonntag, konnten wir nicht bekommen, stattdessen sollte uns die Band an einem Montag Ende April besuchen, direkt nach einem Auftritt im Offenbacher Hafen 2. Mein Freund besuchte aber das Konzert der Band in Altenkirchen einige Wochen davor und sagte schon einmal Hallo.
Was uns ebenfalls bei der Anfrage noch nicht bewusst war: Wir werden Mitte Mai umziehen, und das Konzert würde das letzte in unserem aktuellen Wohnzimmer werden! Der Termin lag mit 14 Tagen Abstand nicht so knapp vor dem Umzugstermin, dass wir Anlass gesehen hätten, ihn abzusagen, aber tatsächlich hatten wir bis dahin im Hintergrund schon Diverses abgebaut und aussortiert, und dabei versucht, im Wohnzimmer noch vergleichsweise viel stehen zu lassen, damit es nicht ungemütlich wirkte.
Die Ankündigung in der Einladung, dass dies unser letztes Konzert an diesem Ort sein würde, führte zu vielen Zusagen - wir mussten uns dieses Mal keine Sorgen machen, dass wir den Musikern ein ungenügendes Zuschaueraufkommen bieten würden. Und nachdem mein Freund Band und Booker bereits im Rahmen derselben Tour begegnet war und diese mit ihm über Montabaur gesprochen hatten, gab es auch keinen Stress zu der Frage, ob die Musiker überhaupt wüssten, dass sie für einen obskuren Auftritt im Westerwald gebucht waren.
Ein wenig überrascht waren wir über den Rider mit den Wünschen der Band gewesen, den wir vorab erhalten hatten - dieser forderte nicht nur 30 Flaschen Bier (was in etwa unserem Gesamteinkauf für Band und auch Publikum entsprach) und Whisky, sondern erklärte auch, dass manche Bandmitglieder lieber vor, andere aber auch nach dem Konzert zu Abend essen würden. Wir planten deshalb kein separates Abendessen für die Musiker ein, sondern beschlossen, dass sie den Erstzugriff aufs Buffet mit diversem Fingerfood bekommen würden.
Die Abläufe des Tages - sowohl mein Freund als auch ich mussten praktischerweise nicht arbeiten - waren gut eingespielt, und die Band traf nach der kurzen Anfahrt aus Offenbach schon am frühen Nachmittag ein. Neben A.S. Fanning waren der Gitarrist Bernardo Sousa, der Keyboarder David Adams, der Bassist Joao Lucas und der Schlagzeuger Fred Sunnesen mit von der Partie.
Vor Ort schien man doch etwas erstaunt über die Kleinheit des Raumes zu sein, baute aber unverdrossen auf und schaffte mit ein wenig Möbelrücken zusätzlichen Platz. Als alle Instrumente standen, machte man sich an eine umfangreiche Soundcheck-Probe, bei der wir unter anderem Country-Songs, den Twin Peaks-Soundtrack und auch schon das liebste A.S. Fanning-Lied meines Freundes, "Mushroom Cloud", zu hören bekamen, ebenso die Songs "Western Medicine" und "Louis Armstrong", die es später gar nicht auf die Setliste schafften.
Die von uns aufgebaute Kaffeetafel mit Zimtschnecken und Pastéis de Nata wurde dabei eher sporadisch genutzt, die beiden portugiesischen Bandmitglieder lobten aber höflich unsere Variante ihres Nationalgebäcks. Kurz danach machten die Musiker sich auf den Weg zu der von uns für sie gebuchten Ferienwohnung. Wir hatten nun Zeit, zum letzten Mal die Stühle aufzustellen, die mein Freund einst für unser erstes Konzert aus der Ausa seiner Schule ausgeliehen hatte (und die nun schlappe 12 Jahre später in ihr Zuhause zurückgekehrt sind). Währenddessen prüften unsere Kater gewissenhaft, ob auch alles richtig angeschlossen worden war, und wie der Merch-Stand ausgestattet war.
Dann kamen auch schon die ersten Gäste, von denen viele gleich bei der Begrüßung erwähnten, wie schade es sei, dass dieses Konzert das letzte sei, wir bekamen auch einige kleine Geschenke. Bei der Vorbereitung der Speisen für das Buffet waren mein Freund und ich uns etwas uneinig gewesen: Er befürchtete, wir hätten zu wenig gekocht, während ich der Meinung war, wir hätten von allem zu viel.
Kurz gesagt: Er lag richtig, oder aber, alle wollten zum möglicherweise letzen Mal unsere Snacks probieren - denn an diesem Abend begannen die Platten quasi mit Eintreffen der Gäste, sich zu leeren. Ich sagte den zwischenzeitlich wieder eingetroffenen Bandmitgliedern schnell Bescheid und forderte sie auf, sich bei Bedarf Essen für später zu sichern, was drei von ihnen auch taten. Hoffentlich sind sie satt geworden!
Es war purer Zufall, dass weder mein Freund noch ich dieses Mal daran gedacht hatten, die Musiker um eine Pause im Set zu bitten - normalerweise wäre diese der Zeitpunkt gewesen, zu dem nochmals Essen und Getränke konsumiert wurden. Nachdem zu Konzertbeginn dieses Mal kaum noch Essen da war, fehlte die Pause in diesem Kontext nicht. Allerdings wurde der Raum mit stolzen 41 Personen (inklusive Band) so warm, dass so mancher sicher gerne noch ein Ersatzgetränk am Platz gehabt hätte...
Mit etwa 30 Minuten Verzögerung startete das Konzert. Mein Freund machte eine lustige Ansage, in der er zunächst so tat, als handele es sich um ein Planungsmeeting für unseren Umzug, bei dem nun Aufgaben verteilt würden - was später dazu führte, dass viele tatsächlich noch Hilfe anboten. Das war natürlich sehr nett, aber dank des längst engagierten Umzugsunternehmens nicht wirklich notwendig.
Ich hatte nachmittags noch zu meinem Freund gesagt, dass ich mich musikalisch betrachtet selten so schlecht auf eines unserer Konzerte vorbereitet gefühlt hätte; tatsächlich erkannte ich dann aber doch diverse Songs, weil ich sie bereits aus dem Zimmer meines Freundes - oder auch am selben Nachmittag - gehört hatte.
Die Lieder von A.S. Fanning sind nicht nur vom Sound her ausgesprochen düster, der Musiker hat Songs mit Titeln wie "I Feel Bad" und eben "Mushroom Cloud". Die kurzen Ankündigungen rückten dann auch die Songs mit neutraleren Titeln in die entsprechende Perspektive: "Haunted" dreht sich thematisch um den Untergang der Menschheit, "Abandoned" handelt von der Bankenkrise 2008 (wie bereits in Altenkirchen wurde hier gegen Ende Abbas "The Winner takes it all" eingeflochten), "You should go mad" von klinischen Depressionen und so weiter.
Musikalisch klang das alles großartig, Fanning hat eine sehr intensive Bassstimme, und die Musiker hatten ihren Sound zwar an Wohnzimmerverhältnisse angepasst (sagte zumindest mein Freund), er war aber dennoch kraftvoll und mitreißend. "Never Been Gone" war erst am Nachmittag eingeübt worden (einer der beiden portugiesischen Musiker kannte es noch nicht) und endete mit gemeinsamem Pfeifen.
Wir standen hinter den Stuhlreihen, und ich freute mich darüber, dass wie zum Abschluss so vieler toller Konzerte eine Band bekommen hatten, die gleichzeitig genauso gut war und stilistisch verglichen mit den anderen dennoch ganz etwas anderes bot.
Gegen Ende des Sets wurden die Bandmitglieder mit ihren jeweiligen Herkunftsländern (Irland, Portugal, Dänemark und Australien) vorgestellt, wobei der dänische Schlagzeuger Fred sich besonders abfeiern ließ.
Wir bekamen auch noch zwei Zugaben - ein irisches Volkslied namens "Greenland Whale Fisheries", das Steve solo vortrug, und das von meinem Freund ersehnte "Mushroom Cloud". Erst hinterher erfuhr ich, dass er während des Solo-Songs den für die Setliste zuständigen Keyboarder Dave in der Küche darum gebeten hatte, das Lied noch aufzunehmen.
Nach Ende des Konzerts nutzten viele die Möglichkeit, Platten zu kaufen, und immerhin Getränke waren ja auch noch da. Die Band hatte vorher überlegt, ihren Van bei uns stehen zu lassen und zu ihrer Unterkunft zu laufen, entschloss sich aber letztlich doch, zu fahren. Wir hatten von Anfang an vorgehabt, den Musikern auch ein Frühstück mitzugeben (ein Frühstück bei uns war wegen des Arbeitstages am nächsten Morgen nicht machbar), zu dem wir nun auch die noch vorhandenen Biere packten (30 waren es aber wohl nicht). Angesichts der nicht ganz klaren Abendessens-Situation war ich nun froh, dass alle zur Not noch ein Brot oder eine Banane essen konnten. Dank den vielen Besuchern, die zudem auch sehr großzügig gewesen waren, konnten wir den Musikern außerdem Rekord-Einnahmen überreichen.
Besonders freute uns auch, das die Publikums-Resonanz dieses Konzertes ausgesprochen positiv ausfiel, vielen hatte dieser Auftritt ganz besonders gut gefallen. Bleibt die Frage, ob dieses tatsächlich das letzte Wohnzimmerkonzert war. Unsere neue Wohnung verfügt nicht über einen kombinierten Wohn-Essbereich, insofern müssten zukünftige Veranstaltungen (noch) kleiner ausfallen. Mehrere Gäste versicherten, dass sie sich über weitere Konzerte freuen würden, und wir bekamen sogar auch ein Wohnzimmer angeboten. Wir werden also sehen, ob und wie es weitergeht!
Setliste:
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