Am nächsten Morgen besuchten wir kurz das eigentliche Mariental, um ein bisschen einzukaufen, und fanden den Ort ganz schön deprimierend - man merkte deutlich, dass Namibia neben der "Lodge-Welt" der Touristen parallel ein ganz schön armes Land ist. Schnell machten wir uns auf die Weiterfahrt nach Osten.
Unsere Namibia-Rundreise folgte in weiten Zügen genau den Stationen, die für einen dreiwöchigen Urlaub vorgeschlagen werden. An diesem Tag hatten wir uns allerdings für einen Umweg enschieden, der sich letztlich als Missverständnis entpuppt hatte: Mein Freund hatte im Internet gelesen, dass es an der Kalahari Game Lodge die Möglichkeit gab, Löwen zu sehen. Das war uns spannend genug erschienen, hier eine Übernachtung zu buchen - was auch bedeutete, dass wir für Hin- und Rückfahrt einen ganzen Extratag benötigten.
Schon vor unsere Abreise hatten wir allerdings entdeckt, dass die Information zu den Löwen veraltet gewesen war: Die Lodge bietet schon seit einigen Jahren kein Löwen-Tracking mehr an. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt aber bereits gebucht und hofften nun einfach, dass sich auch ein Löwen-loser Umweg in die Kalahari-Wüste lohnen würde.
Hinter Mariental endete erstmalig - abgesehen von unseren Erfahrungen im Hardap-Nationalpark - die asphaltierte Straße. Wir waren erst einmal erleichtert: Die Schotterpiste, auf der wir uns nun für den Rest der Tagesstrecke befanden, erschien uns um Klassen bequemer als jene, die wir im Vorjahr in Island befahren hatten - sehr breit, wenig steinig und relativ bequem befahrbar. Allerdings waren wir in Namibia auch mit einem deutlich luxuriöseren Auto unterwegs.
Unterwegs sahen wir kaum andere Autos, dafür aber Tiere: Wir begegneten weiteren Springböcken, außerdem Warzenschweinen und auch einem Schakal. Am Straßenrand saßen auch viele Borstenhörnchen, die sehr niedlich waren, aber auch akut selbstmordgefährdet zu sein schienen: Häufig warteten sie auf unser Auto, um dann direkt davor über die Straße zu rennen. Rote, sandige Dünen zeigten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren.
Die Kalahari Game Lodge erwies sich als sehr abgelegen, die nächsten Nachbarn leben mehrere Kilometer entfernt. Bei der Einfahrt erlebten wir zum ersten Mal, was uns noch viele Male passieren sollte, wenn wir eine ländliche Lodge erreichten: Wir fuhren durch ein Tor aufs Gelände - ein Springbock bildete das Empfangskomitee - waren aber keineswegs angekommen, sondern mussten noch kilometerweit fahren, bis wir die Rezeption erreichten. An dieser bekamen wir ein Begrüßungsgetränk und einen Schlüssel für unsere Hütte, zu der wir dann wieder mit dem Auto fuhren.
Die kleinen Wohn-Bungalows waren locker auf dem Gelände verteilt, von unserer kleinen Terrasse aus blickten wir direkt auf die Springböcke. Jeweils zwei Häuschen teilten sich einen Grillplatz, wobei wir das namibische Hobby "Braai" während unserer Reise kein einziges Mal ausübten. Das hübsche Schlafzimmer verfügte auch über Moskitonetze, die wir mangels Insekten aber nicht benutzten.
Als Aktivitäten boten sich ein Spaziergang sowie ein "4x4 Self Drive" an, bei letzterem fuhr man also mit dem eigene (Allrad-) Mietwagen eine vorgegebene Strecke ab. Vorab hätte man den Luftdruck der Reifen senken müssen (und hinterher wieder erhöhen), das erschien uns aufwändig, zumal uns der Mietwagen ja noch recht fremd war. Wir entschieden uns für einen Spaziergang - bei dem wir allerdings auf Schlangen und Skorpione achten sollten.
Die Lodge lag direkt an einem ausgetrockneten Flussbett, an dem sich die Springböcke geradezu tummelten. Wir entdeckten, dass sie zum einen grunzen uns zum anderen gelegentlich gerade in Luft springen, und zwar ziemlich hoch! Aus der Entfernung sahen wir außerdem einen Strauß. Beim Herumspazieren enthüllten sich für uns die Dimensionen der namibischen Grundstücke: Von den erhöhten Dünen aus blickte man in weite Ferne, ohne einen Zaun zu sehen.
Für mich reichten einige Dünenauf- und -abstiege völlig, um mich komplett zu verlaufen, zum Glück konnte mein Freund sich besser orientieren und brachte uns zum Sonnenuntergang sicher zurück zu unserem Zimmer.
Bei dieser Lodge war das Abendessen für alle Gäste im Preis inbegriffen - bereits beim Einchecken hatte man uns gesagt, dass man uns vegetarisches Essen servieren würde (ich hatte alle Lodges mit inkludierten Mahlzeiten vorab angeschrieben), aber nicht, was. Im Speisesaal stellte sich heraus, dass außer uns nur ein weiteres Paar vorgesehen war - wir hatten nachmittags einige andere Gäste gesehen, die aber offenbar auf dem Campingplatz wohnten. Wieder saßen wir an einem Kaminfeuer, das bei den nun schnell sinkenden Temperaturen durchaus angenehm war. Das Personal war dick eingepackt, inklusive Mütze. Wir bekamen einen Salat, ein vegetarisches Sammelsurium aus Kartoffeln, Reis und einem Bohnengericht, sowie Kuchen, alles völlig in Ordnung.
Hinterher suchten wir noch schnell den "Wohnbereich" auf, über den auch jede Lodge verfügt: Hier können sich auch die Campinggäste aufhalten, wenn sie möchten, und im Falle dieser Lodge gab es auch nur hier WLAN. Hier war es aber auch unangenehm kalt, so dass wir schnell in unsere Hütte und ins Bett gingen. Beim Verlassen des Rezeptionsbereichs sahen wir noch unsere erste Oryx-Antilope, die wie eine ganz schön große Erscheinung direkt am Swimming Pool stand und sich von unserem Vorbeigehen auch nicht erschrecken ließ.
Am nächsten Morgen griffen wir selbst zu unseren Wollmützen: Wir hatten uns für unseren ersten "Game Drive" angemeldet, also eine geführte Rundfahrt über das Lodge-Gelände mit hoffentlich vielen Tiersichtungen. Hierbei waren wir die einzigen Gäste, und der Guide fragte uns, was wir am liebsten sehen würden. Wir verkniffen uns "Löwen" und wählten aus seinen Vorschlägen Giraffen aus - und er meinte, er würde sehen, was er tun könnte.
Wir hatten beide sowohl unsere Thermowäsche als auch wie erwähnt Mützen und Handschuhe angezogen, während der Guide kurze Hosen trug - allerdings war sein Teil des Fahrzeugs auch geschlossen, während wir auf der Sitzbank dem kalten Fahrtwind ausgesetzt waren.
Wir bekamen reichlich Tiere zu sehen: natürlich Springböcke und weitere Oryx-Antilopen, aber auch einen zweiten Strauß, Gnus, Zebras, Erdmännchen und einen Geier. Im Großen und Ganzen befuhr der Fahrer dabei die Reifenspuren, die vermutlich auch für den "4x4-Drive" gedacht waren - bis er uns darauf hinwies, dass am Horizont Giraffen zu sehen waren. Zu diesen bog er dann querfeldein ab und bescherte uns eine Offroad-Erfahrung!
Allzu nahe kamen wir dennoch nicht an die Giraffen, die offensichtlich nicht gestört oder gar verjagt werden sollten, es war dennoch toll, diese ungewöhnlichen Silhouetten erstmals in Freiheit zu sehen. Ein Jungtier war ebenfalls dabei. Der Guide erklärte uns, dass es auf dem Gelände insgesamt sieben oder acht der Tiere gab. Insgesamt waren wir uns einig, dass sich der Umweg in die Kalahari auch ohne Löwensichtung gelohnt hatte.

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