Namibia 4: Keetmanshoop, Quiver Tree Forest und Giants' Playground


Wir hatten eigentlich auf dem Weg von Mariental zur Kalahari Game Lodge erwartet, dass wir auf dem Rückweg zu 80 Prozent auf derselben Straße fahren würden. Dem war dann nicht so, Google Maps wies uns relativ früh an, auf eine andere Route zu fahren. Diese entpuppte sich als recht unterhaltsam - auf einem ziemlich geraden Weg ging es stets auf und ab, von Hügel zu Hügel, wobei die Farbe der (Schotter-) Straße zwischen sandrot, weiß und grau abwechselte.

Wir waren hier weitestgehend allein unterwegs, so dass mein Freund sich an einem Punkt traute, seine Drohne auszupacken - in Namibia darf man Drohnen nur mit Genehmigung einsetzen, und er hatte sich auch eine besorgt - allerdings muss man im Antrag genau angeben, wo man sein Gerät einsetzen möchte, was bei einer geplanten Rundreise natürlich etwas schwierig ist. Lustigerweise fuhr direkt nach den Auspacken der Drohne quasi wie aus dem Nichts ein Polizeiauto an uns vorbei, aber man winkte nur freundlich.



Als wir Keetmanshoop (22.000 Einwohner) erreichten, fuhren wir zunächst an der Stadt vorbei: Wir hatten für die Übernachtung ein AirBnB-Zimmer auf einer Farm gebucht, die etwas hinter der Stadt lag. Die Wegbeschreibung sah vor, hinter einer "Kaiserkrone-Brücke" abzubiegen - diese gab es auch tatsächlich. Auf der Farm gab es diverse Tiere, die bei unserer Ankunft auch in großer Zahl frei unterwegs zu sein schienen: Schafe, Ziegen, Strauße, Emus, Truthähne - gerade machten auch alle ordentlich Krach, man hörte viel Schnattern und Mähen.

Wir hatten für den Abend geplant, selbst zu kochen, allerdings gab es in der Küche nur einen Topf, der auch recht klein war - für Nudeln mit Sauce eine Herausforderung. Per Textnachricht konnte ich die Gastgeberin aber um mehr Töpfe bitten und bekam diese auch prompt geliefert. 



Wir hatten vor dem Kochen allerdings noch andere Pläne und setzten uns nochmals ins Auto - eines der Touristenhighlights von Namibia sind die Köcherbäume (Quiver Trees), die markant aussehen und bis zu 300 Jahre alt werden - wenn man sie lässt, denn in den letzten Jahren gehen viele Bäume ein, während wenig neue nachwachsen - die erst nach 20 bis 30 Jahren zum ersten Mal blühen.

Die Bäume kann man im Süden Namibias recht häufig sehen, doch in der Nähe von Keetmanshoop gibt es auf dem Gelände einer Farm den sogenannten "Quiver Tree Forest", in dem man besonders viele der Bäume besichtigen und fotografieren kann. Zuerst muss man im Farmhaus Eintritt sowohl für den "Wald" als auch die nahe gelegenen Felsformationen namens "Giants' Playground" bezahlen. Die Dame, bei der wir das erledigten, erkannte uns als Deutsche und gab uns die weiteren Anweisungen auf Deutsch - was mich so verwirrte, dass ich mir überhaupt nichts merken konnte. Zum Glück war der Köcherbaumwald auch so leicht zu finden.



Wir waren zur Blütezeit der Bäume angereist, die dadurch einen gelben gelben Farbakzent bekamen. Die Köcherbäume an sich sehen sehr beeindruckend aus, da völlig anders als alle anderen - im Nachgang erkannten wir sie auch mühelos, wenn wir sie im Vorbeifahren am Horizont sahen. Es war schon relativ spät am Tag (zumindest, wenn die Sonne um 18 Uhr untergeht), und es waren nicht mehr viele Besucher vor Ort. Wir konnten den Wald in Ruhe genießen und fotografieren.



Im Anschluss hatte ich keine Ahnung, wie wir zu der zweiten Attraktion, dem "Giants' Playground", kommen sollten - wir hatten uns aber beide gemerkt, dass die Dame den Namen der Bundesstraße erwähnt hatte, auf der wir angereist waren. Also verließen wir das Farmgelände, fuhren ein kleines Stück weiter - und richtig geraten, hier war der Eingang. Bei den Felsformationen waren wir nun völlig allein, alle andere Touristen waren wohl schon weg. Wenig beruhigend gab es, neben einem vorgeschlagenen Rundgang, auch ein Warnschild: Wer sich verlief, sollte einfach auf einen der größeren Felsen klettern und warten, bis jemand käme. Speziell zu dieser Uhrzeit wäre die Rettung aber sicherlich frühestens am nächsten Morgen erfolgt.



Wir folgten ein wenig dem Rundweg und freuten uns über den Anblick der kurios "aufgestapelten" Felsen im Abendlicht, kletterten ein wenig herum - und prompt hatte zumindest ich keine Ahnung mehr, in welcher Richtung der Parkplatz lag. Nachdem alle Namibia-Reiseführer sehr vehement davor warnen, nach Sonnenuntergang mit dem Auto unterwegs zu sein (es ist im Dunkeln zu schwierig, Tieren auszuweichen, hinzu kommen die Straßenverhältnisse), wurde die Zeit langsam knapp! Mein Freund hatte allerdings eine Lösung parat - er ließ seine Drohne kurz aufsteigen und konnte so leicht erkennen, wo unser Auto stand - es war auch keineswegs weit entfernt, aber das Gelände war eben höchst unübersichtlich.



Im Sonnenuntergangslicht machten wir uns auf die Rückfahrt zur Unterkunft und erreichten diese auch noch vor der Dunkelheit. Wir kochten erstmals in diesem Urlaub und freuten uns, an diesem Tag die ersten klassischen Touristen-Highlights Namibias gesehen zu haben.




Kommentar veröffentlichen

0 Kommentare