Ich hatte ja schon vor einer Weile von meinen neuen Laufambitionen berichtet . Um meine erfahrungsgemäß bei neuen Aktivitäten schnell einset...

Neulich als ich 691. wurde

Ich hatte ja schon vor einer Weile von meinen neuen Laufambitionen berichtet. Um meine erfahrungsgemäß bei neuen Aktivitäten schnell einsetzende Motivationsschwäche vorab zu bekämpfen, brauchte ich unbedingt ein Trainingsziel. Also habe ich nach einem für mich zu bewältigenden Volkslauf gesucht und bin schließlich beim Women's Run gelandet. Der Termin passte gut, und die maximal zu bewältigenden 8 Kilometer stellten bei ausreichender Vorbereitungszeit kein ernsthaftes Problem für mich dar - und das auch ohne, dass ich mich im Vorfeld hätte kaputttrainieren müssen.

Der Eventcharakter des Ganzen - ein Lauf nur für Frauen / Mädchen, bei dem man rosa T-Shirts bekommt und am Rande des Geschehens shoppen oder sich verschönern lassen kann, und bei dem man den "Lauf" auch mit 5 km Walking bewältigen kann - erschien mir nicht sonderlich attraktiv. Andererseits gefiel mir, dass es sich nicht um eine extrem kompetitive Veranstaltung zu handeln schien - schließlich wollte ich mich nicht mit erfahrenen Marathonläuferinnen anlegen, die auf eine neue 8-km-Bestzeit aus waren, und dann hinter diesen womöglich als letzte ins bereits geschlossene Ziel stolpern.

Die Anmeldung war schnell erledigt und der Termin im Kalender vermerkt. Das Training lief auch ganz gut, so dass ich gestern ohne großes Lampenfieber Richtung Commerzbank-Arena aufbrach, wo das Event stattfinden sollte. Im Vorfeld hatte ich ein wenig befürchtet, dass dich bei großer Hitze laufen müssen würde. Das war dann zwar nicht der Fall, dafür kam dann immer mal wieder ein Regenguss auf die Läuferinnen herunter.

Der Regen entpuppte sich aber als das geringste Problem. Den stets hörbaren Lästereien meiner Mitläuferinnen entnehme ich, dass andere, vergleichbare Veranstaltungen besser organisiert sind, und ich gehe davon aus, dass das auch stimmt.


In den Vorab-Unterlagen hatte es geheißen, dass die Teilnehmerinnen den ganzen Tag lang umsonst ins Stadion-Freibad gehen könnten und es dort auch die Möglichkeit gäbe, seine Sachen in einem Spind einzuschließen. Dieser Vorschlag entpuppte sich angesichts eine Angebotes von ca. 300 Spinden für etwa 5000 Frauen als einigermaßen lachhaft. Es blieb die Möglichkeit, seine Utensilien an einem "Garderobenwagen" abzugeben, doch dieser war mit ca. 5 Personen zum Sachen entgegennehmen mehr als ein wenig überlastet, und die empfangenen Taschen wurden gut sichtbar auf Haufen geworfen. Spontan beschloss ich angesichts der Aufbewahrungstechnik, dass zumindest mein Handy und mein Haustürschlüssel mit mir an dem Lauf teilnehmen würden.

Der 8-km-Lauf sollte um 18 Uhr stattfinden. Da ich vorher nicht gewusst hatte, wie lange es dauern würde, die Startunterlagen abzuholen, den Zeitmessungschip auszuleihen und meine Sachen abzugeben, und ich mir außerdem das vorab gepriesene "Women's Village" zumindest ansehen wollte, war ich schon zwei Stunden vor dem Start anwesend. Nachdem alles bis auf die Kleiderabgabe sehr schnell ging, blieb mir viel Zeit, die vorhandenen Stände anzusehen - und was war das für eine traurige Veranstaltung!

Man hatte die Möglichkeit, sich in eine sich nicht bewegende Schlange von ca. 200 Frauen einzureihen, um von Reebok-Angestellten auf einem Laufband das eigene Laufverhalten analysieren zu lassen. Dann bestand noch die Gelegenheit, ein neues Skoda-Modell zu betrachten, und sich über eine Betriebskrankenkasse zu informieren (beides, wer hätte es gedacht, ohne Schlange). Ein Stand verkaufte "Buff"-Stirnbänder zu genau den Preisen, für die man sie auch in jedem Laden kaufen kann. Darüber hinaus hätte man sich noch über Siemens-Waschmaschinen, Kneipp Körperpflege-Produkte und Sigma-Pulsuhren informieren können. Das ganze Angebot wirkte durch den Regen sicherlich noch deprimierender, als es ohnehin schon war, aber es gab ungelogen keinen Stand, bei dem ich auch nur stehen bleiben wollte. Eine Fast-Ausnahme bot der Verkauf günstiger Laufbekleidung durch Runners Point, aber da sich an diesem Stand besonders viele Teilnehmerinnen vor dem Regen in Sicherheit gebracht hatten, machte das Shoppen hier auch keinen Spaß.

Die "Wellness"-Angebote waren noch schlimmer: Da der 8-km-Lauf quasi als Ende der Veranstaltung geplant war, ergab es einfach wenig Sinn, sich vorher noch von einem Profiteam schminken oder frisieren zu lassen, und nach einer Farbberatung war mir im Laufdress irgendwie auch nicht.

In den Startunterlagen befanden sich auch Gutscheine für ein Laufshirt (natürlich rosa) und ein Startnummernband (erspart einem das Durchlöchern der teuren Funktionskleidung mit Sicherheitsnadeln) - beides war um 16 Uhr aber schon lange ausgegangen, so dass man seine Gutscheine nur noch gegen - verdächtig gut vorbereitete - Beschwerdeformulare eintauschen konnte.

Irgendwann war es dann endlich kurz vor 6, ich hatte meinen starken "es ist Samstag, und ich könnte daheim im Trockenen sitzen, statt mich hier zu langweilen"-Impulsen widerstanden und war noch anwesend - und nach einem eher peinlichen Massenaufwärmen begann der eigentliche Lauf.


Und hier kam die Überraschung: Der Lauf an sich hat Spaß gemacht. Zu Beginn wurde ich viel überholt, unterwegs war ich dann eher die, die an anderen vorbei zog. Während ich mich im Vorfeld noch gefragt hatte, ob mich die Anwesenheit der anderen Läuferinnen wohl behindern oder aber auch zu allzu schnellem Laufen (und dann Seitenstichen oder Atemlosigkeit) verführen würde, fiel mir die Strecke relativ leicht. Wahrscheinlich hätte ich sie schneller bewältigen können (immerhin eine Art Endspurt habe ich eingelegt, wie man - noch - im Diagramm unten links erkennen kann), und 690 anderen Teilnehmerinnen ist das ja auch problemlos gelungen. Dennoch, als Fazit des eigentlichen Laufes bleibt: War schön, hat Spaß gemacht, kann man wieder machen. Und das dann sicherlich bei einem Event, das besser organisiert und weniger rosa ist.

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