Zugegeben, man hätte es wissen können, und ich dachte es mir ja auch: Wenn die Bahn ihre Fahrkarten zu lächerlich günstigen Preisen abgibt, ...

Drecks-Bahn!

Zugegeben, man hätte es wissen können, und ich dachte es mir ja auch: Wenn die Bahn ihre Fahrkarten zu lächerlich günstigen Preisen abgibt, dann baut sie darauf, dass es zu unschönen Szenen kommt. Was wäre es auch für eine Nachrichtenmeldung, wenn am Tag nach einem tollen Superangebot (alle Fahrten für 20 EUR für einen Zeitraum von acht Stunden) in der Zeitung stünde "Beim Mauerfall-Sonderangebot der Bahn am gestrigen Abend gab es keinerlei Probleme. Die Server der Bahn konnten alle Online-Anfragen ohne Engpässe abarbeiten, und auch in der Reisecentern ging es ruhig und gesittet zu. Sämtliche Interessenten konnten das Angebot nutzen." Nein, solche Meldungen müssen immer von Massenaufläufen und zusammengebrochenen Websites handeln, sonst interessiert es ja keinen.

All das war mir im Vorfeld bekannt, und dennoch habe ich gestern abend versucht, eine 20-Euro-Fahrkarte zu ergattern. Immerhin plane ich momentan eine Bahnreise, für die sämtliche reguläre Sparpreise ausverkauft sind, also wäre das Angebot zeitlich extrem passend gekommen, und mir war die Aktion einen wenig hoffnungsvollen Versuch wert. Los ging es zum Verkaufsstart gegen 19 Uhr.

Bei meinen Bemühungen, die gewünschte Fahrt zu buchen, durchlief ich, wenn auch unter erheblichen Verzögerungen, die üblichen zahlreichen Stationen der Online-Fahrkartenbuchung: Verbindung eingeben, Zug aussuchen, vorhandene Preisangebote prüfen, Preisangebot auswählen, Reservierung auswählen, Versandoption anklicken, einloggen … an diesem Punkt war jedes Mal Schluss, statt der letzten Seite mit einem Überblick über die nun unmittelbar bevorstehende Buchung kam immer ein Hinweis, dass meine Anfrage leider, leider abgebrochen werden musste.

Nun entpuppte sich aber die Tatsache, dass man mit viel Warten, Seite neu laden und Fluchen bis zu diesem scheinbar späten Punkt im Buchungsprozess gelangen konnte, als extrem süchtig machend. Denn natürlich dachte ich mir bei jedem Abbruch, bei dem ich die günstige Fahrkarte quasi schon vor mir gesehen hatte: "Ich habe es ja beinahe geschafft, und es gibt ja offensichtlich noch Tickets. Einmal versuche ich es noch!" Wahrscheinlich hätte ich so die ganze Nacht vor dem Computer verbracht und diesen dann am frühen Morgen, nach dem 750. erfolglosen Buchungsversuch, entnervt aus dem Fenster geworfen, aber glücklicherweise war ich gestern abend verabredet und musste meinen Seitenladungsmarathon folglich für einige Stunden unterbrechen.

Dennoch stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Ich kam vom Konzert nach Hause und dachte: "Jetzt ist es nach Mitternacht, viele werden ihr Ticket mittlerweile haben, andere haben aufgegeben, also habe ich nun sicher eine realistische Chance!" Weit gefehlt, in den Stunden meiner Abwesenheit hatte die Bahn lediglich den "Ätsch, hier geht's nicht weiter, also fang doch einfach von vorne an!"-Bildschirm professionalisiert. Ich machte noch einige Versuche, landete aber jedes Mal wieder auf einer Seite, die mich darüber informierte, dass es wegen der großen Beliebtheit des Angebots gerade zu Engpässen käme. Und so gab ich irgendwann auf und ging ins Bett.

Das Ergebnis dieser Aktion ist für mich, dass ich die Bahn jetzt noch mehr hasse als je zuvor. Gut, Zug fahren an sich mag ich meistens ganz gerne, aber diese bescheuerten Angebote, die sich immer wieder als komplette Zeitverschwendung entpuppen, sind genauso ein Ärgernis, wie angeblich existierende Sparpreise, die bereits zum ersten möglichen Zeitpunkt ihrer theoretischen Verfügbarkeit ausverkauft sind. Und von den ständigen unbegründeten und unverschämten Preiserhöhungen im Nah- und Fernverkehr muss man wohl gar nicht erst anfangen.

Und da muss man sich doch fragen, welchen Sinn derartige Marketingaktionen haben: Einige wenige Interessenten (na gut, angeblich 150 000) werden unter erheblichem Zeitaufwand Tickets ergattert haben, der Rest hat wie ich seine Zeit ohne Belohnung verschwendet. Und viele andere werden in der Zeitung darüber lesen, den Kopf schütteln und sich nicht sonderlich dafür interessieren. Netto gibt es heute im Vergleich zu gestern also sicher mehr Bahnhasser als vorher. Wem nützt das Ganze also etwas?

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