Neues aus CocoRosies Faschingskiste

U.
Gestern abend fand mein zweiter Besuch in der Wiener Arena statt, dieses Mal spielten CocoRosie auf, und ein weiteres Mal wurde mein armer kleiner Schirm, der beinahe zu wackelig ist, um einen Regentropfen abzuhalten, als gemeingefährliche Waffe beschlagnahmt.


CocoRosie sind bekanntlich ein skurriles amerikanisches Geschwisterpaar, das sich abenteuerlich kleidet und seltsame Musik macht. Ein aufgeschlosseneres Publikum als Menschen, die für einen solchen Auftritt bezahlen, kann man sich also kaum vorstellen, dennoch strapazierte der Auftritt von Vorband Crazy Bitch in a Cave auch die Nerven dieser geduldigen Leute: Ein als Frau gekleideter Mann in Schlabberklamotten und mit Papierstücken beklebten Pumps, der zum Laptop operettenhafte Gesänge ausstieß, die wirkten, als seien sie gerade eben spontan ausgedacht worden, dazu ein Pärchen von Backgroundsängern/-tänzern, die Choreographien im Stil von "Fred vom Jupiter" ablieferten. In der offiziellen Single-Variante klingt das Ganze immer noch nicht angenehm, aber um einiges besser als live, und so wurde die Zeit, wie so häufig bei Vorbands, recht lang.



Irgendwann war dann die Zeit doch für die Casady-Schwestern gekommen, und sie betraten die Bühne mit Drummer Bolsa, Pianist Gael und Beatboxer Tez, den ich bereits von der letzten Tournee kannte. Außer meiner Kenntnis des Beatboxers hält sich mein Wissen über CocoRosie aber extrem in Grenzen, und die Setliste des gestrigen Auftritts war eher etwas für Hardcore-Experten: Von den ersten beiden Alben wurde nur der Song "K-Hole" gespielt, Hits wie "Terrible Angels", "By Your Side" oder "Good Friday" fehlten dagegen. Neben den Liedern der aktuellen CD "Grey Oceans" lag das Augenmerk auf ungewöhnlichen Versionen (ein Cover von Kevin Lyttle ("Turn Me On"), ein nur als Single erschienener Song ("God Has A Voice, She Speaks Through Me") und "Happy Eyez" von der EP "Coconuts, Plenty of Junk Food" sowie eine neue Variante von "Rainbowarriors") und unveröffentlichten Titeln ("Fatherhood", "Tranny Power").



CocoRosie sind aber nicht nur für ihre Musik bekannt, und auch die Outfits der beiden Damen sorgten mal wieder für einen erinnerungswürdigen Abend: Zunächst trug Sierra ein wallendes, durchaus schönes Abendkleid, Bianca dagegen kombinierte Bermudashorts mit einer Art Charivari-Gürtel und einer Küchenschürze mit Herzen. Oben herum trug sie ein bauchfreies Tanktop mit einem Nietengeschirr, dazu übereinander eine Langhaarperücke, eine Haube aus etwas, das wie Dämmaterial aussah und eine Schirmmütze mit der Aufschrift NYPD.


Einen umjubelten Kurz-Soloauftritt von Tez in der Mitte des Sets nutzte Sierra für einen Kostümwechsel, aus der vermutlich hinter der Bühne stehenden Faschingskiste zog sie nun einen hellblau-weiß gemusterten Catsuit, zu dem sie eine Art weißes Brustgeschirr und einen aus weißen Kordeln bestehenden Hut (oder doch eher eine Perücke?) trug. Bianca blieb weitestgehend gleich, legte aber Schürze und Mütze ab. Für die Zugaben legte sie dann aber noch einen goldenen Gesichtsvorhang an.



Während des Auftritts erschien Sierra insgesamt gelöster, wirbelte über die Bühne, spielte Harfe und sang, zu "Tranny Power" lieferte sie gar eine Kasatschok-artige Tanzeinlage ab. Bianca machte einen etwas weniger glücklichen Eindruck, wenn sie nicht sang, spielte sie die am rechten Bühnenrand liegenden Kinderinstrumente oder auch eine Klarinette (sowie etwas aus silbernen Kugeln, bei dem ich nicht weiß, wie es heißt). Ihre Interaktionen mit Schwester, Band und Publikum beschränkte sie aber auf ein Minimum.



Wie schon bei Jónsi zeigte sich das Wiener Publikum überaus begeistert, begrüßte diverse Gesangseinsätze mit Szenenapplaus und forderte eine Zugabe mehr ein, als auf der Setliste stand.




Setliste:
  • R.I.P. Burn Face
  • Undertaker
  • Black Rainbow
  • Fatherhood
  • The Moon Asked The Crow
  • Lemonade
  • K-Hole
--- Tez (Solo) ---
  • Hopscotch
  • God Has A Voice, She Speaks Through Me
  • Grey Oceans
  • Happy Eyez
  • Turn Me On
  • Promise
  • Fairy Paradise
Zugaben
  • Werewolf
  • Tranny Power
  • ?

1 Kommentare:

  1. Der Sänger von Crazy Bitch In A Cave könnte glatt der Sohn von Tiny Tim sein...

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