Kommen wir heute endlich zur Musik beim Maifeld-Derby, und zwar zunächst zu der von Tag 1. Für uns war die Karlsruher Band Diego einer de...

Neulich beim Festival der kurzen Wege (Teil 2)

Kommen wir heute endlich zur Musik beim Maifeld-Derby, und zwar zunächst zu der von Tag 1.

Für uns war die Karlsruher Band Diego einer der Gründe, zum Maifeld Derby zu fahren, sie erreichte leider aber im Lineup nur einen Platz unter „ferner liefen“ und eröffnete die Zeltbühne am Freitag um 18:20 Uhr. Der nur 30 Minuten lange Auftritt fand vor kleinem, aber engagierten Publikum statt (das immerhin auf den parallel stattfindenden Extra-Überraschungsauftritt des Tages-Headliners  Katzenjammer verzichtete).


Im Vergleich zum Nachtleben-Auftritt vor einigen Monaten wurde hier ein reduziertes „Best of“-Set inklusive unserer Lieblingstitel „September March“, „Lucy“ und „Grizzly Bear“ gespielt. Diego ist eine tolle Band mit schönen Songs, der man viele, viele Fans wünscht. Die ähnlich klingenden Editors und Interpol haben die ja auch in Massen.

Wegen des straffen Zeitplans musste das Publikum am Ende zwischen zwei möglichen Schluss-Songs wählen: Zur Auswahl wurden entweder ein schnelles, rockiges Lied mit orientalischem Zwischenspiel („Metz“) oder ein etwas Langsam-Pathetisches gestellt. Hätten wir gewusst, das Letzteres sich auf der Setliste als „She is“ entpuppen würde, hätten wir anders votiert.



Setliste:

The Distance Between Us
Echoes
Lucy
Connected
September March
Grizzly Bear
Galama
Metz
She Is (wurde weggelassen)

Kurz sahen wir nach dem Verlassen des Zeltes den Auftritt von Slaraffenland, die uns aber trotz Kritikervergleichen mit Efterklang nicht in ihren Bann ziehen konnten, dafür fielen uns angesichts des Bandnamens lustige Bonmots zum doch sehr überschaubaren Fresstand-Angebot (siehe gestriger Beitrag) ein.

Zurück im nun deutlich volleren Zelt spielte nun mit Ra Ra Riot eine Band aus New York, die laut Programmheft in den USA bereits überaus erfolgreich ist. Die Jungs sahen alle wie nerdige, hippe Studenten aus, die beiden weibliche Bandmitglieder warteten mit Glitzergeige und einem Bass-Skellett auf. Geboten wurde ansonsten Indiepop, der angenehm klang, aber auch nicht sonderlich gut im Gedächtnis haften blieb. Den muss man vielleicht noch einmal auf Platte nachhören.


Setliste:

Too Too Too Fast
Shadowcasting
Oh, LA
Do You Remember
Run My Mouth
You And I Know
St. Peter’s Day Festival
Can You Tell
Boy
Too Dramatic
Dying Is Fine



Unsere erste Band auf der „Open Air Bühne“  vor dem Zelt waren Flashguns. Angesichts der Festivalgröße fühlte man sich hier eher wie bei einem Stadtfest, was eigentlich ganz schön war: Man fand ohne große Probleme einen guten Stehplatz. Das Gewitter des Freitagabends war dankenswerterweise gerade vorbei, allerdings war dabei wohl irgendetwas Technisches feucht geworden: Als Flashguns die Bühne betraten und zum ersten Song „Come and see the lights“ ansetzen, fiel nämlich nach wenigen Sekunden erst einmal der Strom aus und alles stand im Dunkeln (und Leisen). Angesichts des Songtitels eine eher lustige Situation, die der Sänger mit der Verabschiedung „We’ve been Flashguns!“ kommentierte. Bevor die Band aber auch nur Anstalten machen konnte, die Bühne zu verlassen, hatte schon jemand den Sicherungskasten gefunden und alles lief wieder ohne Probleme.



Das junge Trio aus London machte laute Indierock-Musik und beherrschte aus meiner Sicht schon etwas zu viele Bühnenposen. Da hat wohl jemand eifrig bei „Guitar Hero“ geübt oder schon oft Matt Bellamy von Muse gesehen.

Die Band gab viele Titel ihres noch nicht erschienenen Debütalbums zum Besten und entschied sich dabei stets für lautere und gitarrigere Versionen.


Und im nun endgültig dicht, aber keineswegs unangenehm gefüllten Zelt wartete schon wieder die nächste Band, nämlich der Hauptact dieses Abends: Katzenjammer. Die vier Norwegerinnen spielten Balalaika, Banjo, Ukulele, Schlagzeug, Akkordeon, Mundharmonika, Hackbrett, Keyboard und Xylophon, und nach jedem Lied wurde die Instrumenteverteilung und Bühnenpositionierung neu durchgewechselt, wobei einer der Damen einmal drei Instrumente gleichzeitig bediente.



Dazu waren sie allesamt noch sehr speziell angezogen: Wir sahen eine gigantische Afroperücke, blonde Zöpfe mit Silberstern auf der Stirn, ein an das „Lady Marmelade“-Video erinnerndes Kurtisanenkostüm und überall schwingende Röcke und Schnürstiefel.



Obwohl Katzenjammer in Deutschland noch nicht in großen Hallen auftreten, merkt man ihnen zum einen an, dass sie bereits einiges an Bühnenerfahrung und –routine haben, andererseits scheint das Publikum auch zahlreiche textsichere Fans aufzuweisen. Dem begeisterten Auftritt mit engagiert vorgetragenen Folk-, Polka, Rock- und Countrysongs, dramatischen Bühnenkostümen, verrückten Frisuren und immer neuen Instrumenten kann man sich auch schwer entziehen. Dennoch: Meinen Musikgeschmack traf die durchaus sympathische Band nicht so recht, immerhin konnte ich mich aber an der riesigen Katzen-Balalaika erfreuen.


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