Interview mit dem Interviewer: Phillip Boa and the Voodoo Club im Koblenzer Café Hahn

U.

U.: Bei welchem Konzert warst du gestern Abend nochmal?

D.: Ich war doch bei Phillip Boa im Café Hahn. Seit Jahren führen in seine Tourneen auch in unsere Nähe und gestern war wieder einmal Tourauftakt in Koblenz.

U.: Und hast du Phillip Boa, wie vor einigen Jahren schon einmal in Koblenz, erneut interviewt?

D.: Nein, aber du darfst mich gerne zum Konzert befragen.

U.: Hat er sich an dich erinnert?

D.: Ich glaube ja, aber zugewunken hat er mir nicht, wahrscheinlich war er wie beim Interview so überrascht, dass ich immer noch so jung aussehe.

U.: Gab es auch eine Vorband?

D.: Ja, Emilys Giant. Zwei Jungs, beide nicht gerade riesig, mit Gitarre, Gesang und Schlagzeug. Ihr Auftritt, eine Mischung aus Folk und Punk, war auch nicht gerade riesig, hat aber sogar Zugabe-Rufe erhalten.


U.: Spielt Herr Boa eigentlich eher alte Hits oder neues Material? Und taugt Letzteres etwas?

D.: Mittlerweile gibt Boa seinen Fans, was sie verlangen, dass heißt, er spielt im Vergleich zu früheren Jahren nahezu alle Klassiker und geht ohne „Kill Your Idols“, „Love On Sale“ oder „Container Love“ nicht von der Bühne. In einem Interview habe ich gelesen, dass er eine Mischung aus alten und neuen Songs im Verhältnis von 70:30 oder 60:40 wählt. In Koblenz wurden 24 Songs gespielt, davon stammten 17 aus der Zeit vor 1996 und 7 aus den letzten beiden Alben „Loyalty“ und „Bleach House“, die beide sehr gut waren. Die Alben dazwischen wurden ignoriert.

U.: Irgendwo las ich, das Motto der Tournee sei ‚Performing Songs of „Aristocracie“’ – lag der Schwerpunkt dann also auf diesem Album?

D.: Leider nein. Das war leider die einzige Enttäuschung des Abends. Oftmals hatte Phillip Boa, wenn ein altes Album in remasterter Form neu herausgebracht wurde, dieses auf Tourneen auch komplett gespielt. „Aristocracie“ habe ich mir zu meinem 15. Geburtstag bei „Elpi“ in Koblenz gekauft und es war eine meiner ersten „Indie“-Platten und somit sehr wichtig für meine musikalische Entwicklung. Also habe ich mich sehr auf dessen Live-Darbietung gefreut, Es wurden dann aber nur 4 Songs ( „For What Bastards“, „Don’t Pull My Whole Life Away“, „Boy Scout“ und „I Dedicate My Soul To You“) im Mittelteil, bei denen Boa anmerkte, dass wir sie nicht kennen würden. Falsch gedacht, Herr Boa.


U.: Sind diese Koblenz-Auftritte eigentlich erfolgreich? Irgendwo stand, das Konzert sei ausverkauft?

D.: Es war tatsächlich ausverkauft, also rund 500 Zuschauer. Im Verlauf der letzten Jahre hat sich Phillip Boa wohl im Koblenzer Raum eine treue Fan-Basis erspielt. Am Ende des Konzertes sagt er jedoch, dass er besser war als vor 3 Jahren, aber da war ich auch verhindert.

U.: Welche Lieder kamen denn am besten an?

D.: Natürlich viele der alten Klassiker wie „Annie Flies The Love-Bomber“ oder „This Is Michael“. Wenn ich drei herausheben müsste, dann wären dies, aufgrund der vor der Bühne stattfindenen Pogo-Tänze „Albert Is A Headbanger“, „Container Love“ und das abschließende „Kill Your Idols“.


U.: Philip Boa soll ja großer David Bowie Fan sein. Hat er gestern Abend in irgendeiner Form auf dessen Tod Bezug genommen oder eine Coverversion gespielt?

D.: Das mit Bowie stimmt, denn er hat seinen Künstlernamen gewählt, weil er international und nach Bowie klingt. Mit dessen Stamm-Produzenten Tony Visconti hat er auch zusammengearbeitet und auf einer Platte „Starman“ gecovert. Gestern gab es nur eine kleine, stille Geste zu Bowies Tod, denn er hatte dessen Konterfei vom „Diamond Dogs“ Cover ausgeschnitten und auf seine Gitarre geklebt.


U.: Ist seine Expartnerin Pia eigentlich immer noch wieder dabei?

D.: Nein, er hat sie zur letzten Platte durch ein jüngeres Modell namens Pris ersetzt. Stimmlich ist sie sehr nah an Pia dran und Boa überließ ihr auch bei „And Then She Kissed Her“ und „Atlantic Claire“ allein die Bühne.


U.: Wie viele andere Musiker waren noch dabei? Irgendwelche ungewöhnlichen Instrumente?

D.: Außer Boa und Pris standen noch 4 Musiker auf der Bühne. Außer einem Bassisten sowie einem Gitarristen zwei Schlagzeuger, die auch das ein oder andere Solo hatten. Das ungewöhnlichste Instrument war wohl ein in das Schlagzeug integriertes Bierfass, das bei den ganz alten Titeln wie „Diana“ für einen metallenen Klang sorgte.

U.: Laut deinem iPod gibt es 227 Boa-Songs. Kann er etwa von allen die Texte auswendig?

D.: Das sind doch nicht alle! Leider ist selbst der Platz auf einem 160 GB iPod begrenzt. Aber offensichtlich kann er sich nicht alle Texte behalten, denn auf seinem Platz lag ein beleuchtetes Ringbuch, in dem die Texte des Abends abgeheftet waren und das nach jedem Song umgeblättert wurde.


U.: Welches war denn der ungewöhnlichste oder am wenigsten von dir erwartete Song des Abends?

D.: „Deep In Velvet“ wurde in seiner sehr langsamen, aber auch sehr schönen Version gespielt. Zuvor sagte Phillip Boa, dass er diese mehr schätzte als die, die es letztendlich aufs Album geschafft habe. Dann wurde noch die damalige Plattenfirma verflucht.

U.: Und wie fiel die Kommunikation mit dem Publikum aus?

D.: Die fiel unerwartet knapp aus. Zwar wurden häufig Liedtitel mit dazugehörigem Album und Erscheinungsjahr genannt, aber sonst nicht viel gesagt, was ich nicht schon erzählt hätte. Zur ersten Zugabe sagte er noch, dass uns der nächste Song verstören würde, dass aber direkt danach die Erlösung käme. Es folgten das zugegebener Maßen recht ungewöhnliche „Ernest 2“ und „Container Love“.


U.: Gab es auch Zugaben?

D.: Nach 18 Songs war Schluss, aber Phillip Boa kam noch zweimal zu je 3 Songs zurück auf die Bühne. Interessant war, dass auf der Setliste als Optionen für den Zugabenteil „Speed“, „Love Will Tear Us Apart“, also ein Cover von Joy Division, und „When The Wall Of Voodoo Breaks“ vermerkt waren. Vielleicht wird also im Verlauf der folgenden Konzerte hier noch ein wenig variiert. Ich war mit unseren Zugaben aber sehr zufrieden.

U.: Gehst du nächstes Mal wieder hin?

D.: Klar, kommst du mit?


Setliste:

Kill The Future
Annie Flies The Love-Bomber
Get Terminated
Fine Art In Silver
Til The Day We Are Both Forgotten
Love On Sale
The One Who Howls At The Moon
For What Bastards
Don’t Pull My Whole Life Away
Boyscout
I Dedicate My Soul To You
Deep In Velvet
Sunny When It Rains
Atlantic Claire
Albert Is A Headbanger
Loyalty
Bells Of Sweetness
And Then She Kissed Her

Ernest 2
Container Love
Diana

Standing Blinded On The Rooftops
This Is Michael
Kill Your Idols

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