Selten habe ich eine derart wechselhafte Konzertplanung erlebt wie am letzten Wochenende: Zunächst hatte mein Freund mich beinahe schon ü...

Neulich bei Plan C: a-ha in der Frankfurter Festhalle


Selten habe ich eine derart wechselhafte Konzertplanung erlebt wie am letzten Wochenende: Zunächst hatte mein Freund mich beinahe schon überredet, das Konzert von Radical Face in der Frankfurter Brotfabrik zu besuchen, dann fand er heraus, dass parallel auch Sophia in Köln auftrat. Dieser Konzertbesuch war uns beiden lieber und dann beschlossene Sache, aber leider kauften wir uns nicht sofort mit der Entscheidung Tickets – und als wir das nachholen wollten, war das Konzert bereits ausverkauft.

Mein Freund brachte aber auch noch einen Plan C zustande, und der sah vor, auf eBay nach bezahlbaren Tickets für das a-ha-Konzert in der Frankfurter Festhalle Ausschau zu halten. Tatsächlich hatten sich wohl einige Wiederverkäufer verspekuliert, so dass ein niedriges Preisniveau vorherrschte – und bei einem quasi „zwei Tickets zum Preis von einem“-Angebot war dann auch ich überredet.


Ich habe in meiner Jugend die Musik von a-ha zwar durchaus gemocht, ein leidenschaftlicher Fan war ich aber nie. Erst als der Konzertbesuch bereits feststand und wir zur Vorbereitung Lieder hörten, fiel mir wieder ein, dass ich viel mehr Songs kannte und mochte, als mir im Vorfeld bewusst gewesen war. Völlig vergessen hatte ich beispielsweise, dass ich mir noch im Jahr 2000, also deutlich nach den 80er Jahren, das Comeback-Album „Minor Earth Major Sky“ gekauft und auch für sehr gut befunden hatte. Die Vorfreude stieg.

Wir erreichten die Festhalle recht zeitig und mussten deshalb erst einmal längere Zeit vor der Bühne ausharren, umgeben von einem weitestgehend gleichaltrigen Publikum – hier waren sicherlich die wenigsten - wie ich - bei ihrem ersten a-ha-Konzert. Los ging der musikalische Teil des Abends aber zunächst mit Marcel Brell, einem Berliner Sänger, der nach eigenen Angaben bei seinem letzten Frankfurt-Besuch noch im winzigen Nachtleben aufgetreten war.


Der Musiker trug mit seiner zweiköpfigen Band ausgesprochen harmlose Popmusik vor, die mich beinahe sehnsüchtig an den nervigen Dagobert (den ich kürzlich als Vorband von Get Well Soon sah) denken ließ, der in seiner skurrilen Art zumindest nicht langweilig gewesen war. Bei Herrn Brell verstärkte noch sein recht anbiederndes Gebahren, in dem er mehrfach Frankfurt und natürlich die Hauptband und deren Publikum lobte, den negativen Eindruck. Dass er dann auch noch Wechselgesangsspielchen machen wollte, kostete uns endgültig den letzten Nerv. So etwas ist auch bei einer Hauptband nur gerade so tolerierbar. Zum Glück war das Ganze zumindest recht schnell vorbei und kam auch bei anderen Zuschauern besser an als bei uns.


Zeit für a-ha also, die vier Zusatzmusiker dabei hatten – drei Männer spielten Keyboard, Bass und Schlagzeug, die Sängerin Anneli Drecker sang eigentlich überall mit und hopste fröhlich herum, übernahm aber in einigen Liedern auch ganze Gesangsparts.

Nach den Begleitmusikern erschien auch die Band und war, wenn auch natürlich gealtert, durchaus mühelos als a-ha erkennbar. Alle drei trugen Lederjacken, die sie temperaturbedingt nach kurzer Zeit ablegen mussten, Pål behielt aber zumindest seine Mütze auf. Morten Harket sang die ersten Songs mit Sonnenbrille, nahm diese dann ab und wechselte prompt zu einer normalen, die er sicherlich benötigte, um die via Teleprompter zu seinen Füßen sichtbaren Texte zu entziffern – man wird eben nicht jünger.


Nach den ersten beiden Liedern, dem tollen „I've Been Losing You“ und dem schon immer doofen „Cry Wolf”, beide vom Album „Scoundrel Days“, das mit insgesamt fünf Liedern den größten Anteil an der Setliste stellte, erfolgte dann auch eine Begrüßung - allerdings nicht durch Morten sondern durch Magne, der auch sonst am meisten sprach. Er kann zum einen ein bisschen Deutsch, zum anderen hatte er sich offenbar extra über Frankfurter Gepflogenheiten informiert und begrüßte uns durchaus korrekt mit „Ei Gude, wie?“

Bei „Stay on these roads“ musste ich – und sicherlich auch die Band – daran denken, dass a-ha eben diesen Song bei der Trauerfreier für die Opfer des norwegischen Massenmörders Anders Breivik vorgetragen hatte und es dabei sicherlich viele Tränen gab. In Frankfurt blieben die Augen trocken, aber dennoch handelt es sich natürlich um ein sehr schönes Lied.


Mit dem nun folgenden „The Swing of Things“ konnte ich dann deutlich weniger anfangen, aber danach kam zum Glück gleich wieder ein Hit, nämlich „Crying in the rain“, das eigentlich eine Coverversion ist, aber den meisten sicherlich als a-ha-Song bekannt ist. Hier hatte auch Anneli zum ersten Mal einen richtigen Gesangspart, der Song war ein Duett von ihr und Morten.

Vor „We're Looking for the Whales” hatte dann auch endlich Herr Harket etwas zu sagen, nämlich, dass a-ha in ihrer Gründungsphase nach London gegangen seien und damals viele Songs geschrieben und herum probiert hätten, um herauszufinden, welche Art Musik sie machen wollten. Damals sei dieser Song entstanden, und er habe erstmalig das Gefühl gehabt, dass die Band ihren Stil gefunden hätte. Auch das Publikum nahm den Song sehr positiv auf, beinahe, als wäre er eine Single gewesen.


Nach dem Lied war Morten erst einmal von der Bühne verschwunden. Es folgte „Velvet“, das wiederum als Duett mit Anneli dargeboten wurde, allerdings dieses Mal von Pål – der den Song auch ursprünglich mit seiner Zweitband Savoy veröffentlicht hat. Magne wechselte derweil an die Akustikgitarre. Anschließend hatte auch Magne einen Einzelauftritt und sang „Lifelines“, wobei er vorab das Publikum aufgefordert hatte, die Handylampen anzumachen, so dass er in ein Lichtermeer sang. Eine Textzeile änderte er dann auch in „Hier in Frankfurt mit unseren Freunden“.

Das nächste Lied “Here I Stand and Face the Rain” begann zunächst wiederum Anneli, so dass man sich bereits fragen konnte, ob Morten vielleicht bereits nach Hause gefahren war. Er erschien dann aber glücklicherweise in einem frischen T-Shirt und sang das Lied gemeinsam mit ihr weiter.


Die Bühne wies, wie das aktuell bei Konzerten dieser Größenordnung ja Standard ist, etliche Videoleinwände auf, die abwechselnd die Band und Videos zeigten, gelegentlich auch das Publikum. Drei Kameramänner sorgten hierbei für die Livebilder. Zu “Here I Stand and Face the Rain” zeigten plötzlich sämtliche Leinwände Kirchenfenster, was die Bühne quasi in eine Kathedrale verwandelte – ein ziemlich cooler Effekt!

Nach ein paar Fülltiteln, unter anderem einem sehr rockigen „Sycamore Leaves“, war dann Zeit für die Highlights, die man sich strategisch korrekt für das Ende aufgehoben hatte: Nach „Foot of the Mountain” und „Hunting High and Low” endete zwar, nach viel Wechselgesang bei letztgenanntem Lied (Hinweis für Marcel Brell: als Hauptband darf man das!), der Hauptteil des Konzertes, aber es gab natürlich auch Zugaben.


Diese begannen mit dem selbstverständlich großartigen „The Sun Always Shines on T.V.“, dann folgte ein an diesem Konzertabend erstaunlich selten vorkommender Song des aktuellen Albums (wir erinnern uns: Die Tournee heißt eigentlich „Cast In Steel Tour“), nämlich ein von Magne als Spezialversion angekündigtes „Under the make-up“, das in einer sehr reduzierten, und so auch hervorragend funktionierenden, Version vorgetragen wurde. Außerdem stellte Magne die zusätzlichen Bandmitglieder sehr liebevoll vor und hatte sich offenbar auch hier jeweils ortstypische Redewendungen beibringen lassen – so war der Schlagzeuger ein Duracell-Häschen und der Bassist trug den Namen „Hammer“.

Als vorerst letztes Lied hörten wir dann a-has Beitrag zum James Bond-Songcanon, „The Living Daylights“ – ein Lied , bei dem mir gar nicht bewusst war, dass es derart beliebt ist, aber die Frankfurter Festhalle war begeistert und sang den Refrain des Liedes, nachdem die Band die Bühne zum zweiten Mal verlassen hatte, weiter.


Natürlich konnten a-ha bei ihrer angeblich wirklich letzten Tournee aber nicht abreisen, ohne „Take on me“ gespielt zu haben, also bekamen wir diesen Song, inklusive Szenen aus dem Video, noch als Rausschmeißer serviert.

Wie schon angedeutet, der Titel „Cast In Steel“ Tour ist eigentlich eine Mogelpackung, denn insgesamt wurden nur drei Songs aus dem aktuellen Album bedacht. Da auch das Debütalbum von 1985 mit vier Liedern vertreten war, wurden die ersten Jahre von a-ha also besonders berücksichtigt. Bis auf das Album „Analogue“ wurden alle weiteren 9 Platten bei der Songauswahl berücksichtigt, gleich sechs Mal in Form der Titelsongs. „Minor Earth Major Sky“ war aber leider nicht dabei.


Vergeblich warteten wir auf Hit-Singles aus der Spätphase der Band, etwa „Summer Moved On“, „Forever Not Yours“ oder „Celice“, stattdessen spielten a-ha einige ungewöhnliche Albumtitel aus früheren Platten: „Here I Stand And Face The Rain“, „The Swing Of Things“ und „Sycamore Leaves“ hätte man vorab sicherlich nicht unbedingt erwartet.

Mein Freund, der a-ha vor 25 Jahren an gleicher Stelle gesehen hatte, kam somit zu dem überraschenden Fazit, dass 11 von 21 Liedern damals auch gespielt worden waren (nur die damals reichlich vorhandenen selbstgemalten Plakate vermisste er dieses Mal). Aber nachdem a-ha ja nun anscheinend endgültig vorhaben, sich zur Ruhe zu setzen, sei ihnen vergönnt, dass sie sich die Freiheit nehmen, das zu spielen, nach dem ihnen ist. Ausreichend Hits waren ja dabei.


Setliste:

I've Been Losing You
Cry Wolf
Move to Memphis
Stay on These Roads
The Swing of Things
Cast in Steel
Crying in the Rain
Mother Nature Goes to Heaven
We're Looking for the Whales
Velvet
Lifelines
Here I Stand and Face the Rain
Scoundrel Days
Sycamore Leaves
She's Humming a Tune
Foot of the Mountain
Hunting High and Low

The Sun Always Shines on T.V.
Under the Makeup
The Living Daylights

Take on Me

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