Der große Schokoladentest (33): myChoco

 
Heute teste ich mal wieder etwas aus dem Supermarkt. myChoco tauchte irgendwann letztes Jahr in den Regalen auf, zunächst mit wenigern Sorten, dann mit mehr. Die Hersteller (oder wohl eher Vertreiber) sind ein kleines Startup aus Osnabrück.

Zum Produkt

Aktuell gibt es die Tafeln in neun Sorten zu kaufen. Die Tafelgröße (180 Gramm, also deutlich massiver als eine normale deutsche Schokoladentafel) und auch die Prägung der Tafeln erinnert ein weiteres Mal an Tony's Chocolonely, ebenso der Anspruch, mit der Schokolade soziale Projekte zu unterstützen.


Originalität

Wieder einmal ergibt sich für die Bewertung das Problem, dass ein so klar von einem anderen inspirierten Produkt in meinen Augen nicht allzu viele Originalitätspunkte verdient hat - selbst, wenn es im deutschen Supermarktregal ins Auge fällt. 5/10

Nachhaltigkeit

So weit ich die Website des Anbieters verstehe, ist die Schokoladenproduktion vollständig von den Nachhaltigkeitsbemühungen getrennt, was man so ja nicht unbedingt erwarten würde. Die Schokolade an sich wird von einem Produzenten in Belgien komplett hergestellt, quasi als Bestellware im Auftrag des deutschen Unternehmens. Laut Website wird bei der Herstellung auf Umweltaspekte geachtet, von menschenfreundlichen Anbaubedingungen für den Kakao ist aber nicht die Rede.

Dafür benutzt das Unternehmen einen Teil des Verkaufspreises dafür, direkt soziale Projekte in Tanzania zu finanzieren, die auf den Innenseiten der Schokoladenverpackung genau beschrieben werden. myChoco fördert also durchaus kleine Kakaobauern - nur höchstwahrscheinlich nicht diejenigen, die den Kakao für die Schokoladentafeln erwirtschaften. Über den Status dieser Projekte kann man sich online genau informieren. 3/5


Zutatenqualität

Hinsichtlich der Zutatenqualität kommt es ein bisschen darauf an, welche Tafel man zur Hand nimmt. Beispielsweise gibt es an der Sorte Vollmilch vergleichsweise wenig auszusetzen, außer Zucker, Kakaobutter, Kakaomasse und Sojalezitin ist nichts enthalten. 31 Prozent Kakaogehalt ist nicht gigantisch, und auch Vanillearoma ist dabei, dennoch eine beispielsweise Milka von den Zutaten her überlegene Schokolade.

Dieses Bild ändert sich allerdings bei den phantasievolleren Sorten: In der Tafel "Kekscrunch" sind gleich zwei pflanzliche, kakao-fremde Fette enhalten, außerdem Sojamehl. Genauso sieht es dann bei der Sorte Karamell Meersalz aus: Es ist Butterreinfett und zweimal natürliches Aroma vorhanden. Das ist dann nicht mehr besser als Milka. 5/10


Preis / Leistung

Wenn man mittlerweile die Schokoladenpreise von Herstellern wie Soma oder Solkiki gewöhnt ist, kann man über 1,66 Euro pro 100 Gramm nur schmunzeln - und im Hinblick auf die Sozialprojekte ginge dieser Preis für mich auch voll in Ordnung... (5/5)

Geschmack

... wenn denn der Geschmack besser wäre. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten testeten wir gleich drei Sorten, gut fanden wir leider keine davon! Die Keksschokolade kommt vergleichsweise am besten weg, ist aber hauptsächlich süß, die Kekse sind quasi zu Pulver zermahlen. Dieselbe Süße hat die Vollmilchschokolade, aber das Bisschen Interessantheit dank der Textur fehlt hier eben auch noch. Die Salzkaramellsorte schmeckt im Hinblick auf ihre Karamellnote wie ein Karamell-Cappuccino aus Pulver zum Anrühren - künstlich, süß, nicht gut. Ich gebe Vollmilch und Karamell-Meersalz je 6 Punkte, der Sorte Keks-Crunch 7 Punkte. Aufessen möchte ich keine von ihnen, und dank der riesigen Tafelgröße ist noch jede Menge übrig!

Überrascht entnahm ich der Website von myChoco, dass das Unternehmen einen Preis namens "Sweety" erhalten hat. Wer hält denn nur eine solche Schokolade für preiswürdig? Eine Googlesuche stellte schnell klar, dass es sich erstens um einen Preis handelt, mit dem die Nahrungsmittelbranche ihre eigenen neuen Produkte krönt, zweitens wurde in diesem konkreten Fall das Marketing ausgezeichnet.


Gesamturteil

In den objektiv bewertbaren Bereichen schafft myChoco magere 18 von 30 Punkten, hauptsächlich der Preis reißt es hier noch ein bisschen heraus. Inklusive Geschmack landet Vollmilch und Karamell-Meersalz bei je 24 und Keks-Crunch bei 25 von jeweils 45 möglichen Punkten.

Übrigens: Hier gibt es die Ergebnisse aller bisherigen Schokoladentests als Gesamtranking!  

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.




Share:

0 Kommentare