Der große Schokoladentest (47): Jokolade

 

Normalerweise müssen Schokoladen in meinem Haushalt - zumindest die, über die ich bloggen möchte - gleich zweimal lange warten: das erste Mal, bevor ich zum Testen komme, und dann, nachdem der Bericht schon geschrieben ist, nochmals, bis dieser auch online geht. Dieser Blog soll ja kein reines Schokoladenprojekt werden, deshalb poste ich die Beiträge mit etwas Abstand.

Die heutige Schokolade hat sich aber ganz frech ganz nach vorne gedrängelt, denn natürlich wollte ich die neue Jokolade, die es seit dieser Woche zu kaufen gibt, möglichst zeitnahe vorstellen.


Zum Produkt

Jokolade... der etwas seltsame Name verweist auf ihren "Urheber" den Moderator Joko Winterscheidt. Dessen Wikipedia-Eintrag entnehme ich, dass er bereits an diversen Produkten und Geschäftsideen beteiligt war, etwa dem Startup-Unternehmen GoButler und der (bereits wieder eingestellten) Zeitschrift JWD (Joko Winterscheidts Druckerzeugnis). 

 


Was nun die Schokolade betrifft, erinnert diese - wieder einmal - hinsichtlich Aufmachung und Design an Tony's Chocolonely. In diesem Fall sind die Parallelen aber offiziell, denn der Kakao wird über "Tony's Open Chain" bezogen, also das Kakaohandelssystem, das die niederländische Marke neu ins Leben gerufen hat. Auch Aldi wird demnächst Schokoladen auf den Markt bringen, die dieser Initiative angehören. Ebenfalls dabei ist übrigens die Marke Delicata, deren Sparkling Happiness-Schokoladen ich hier ebenfalls schon vorgestellt habe.

Den Machern von Tony's Chocolonely ist es offensichtlich ein großes Anliegen, über ihre eigenen Beschaffungsprinzipien mehr Kakaoprodukte zu produzieren als das allein mit der eigenen Marke möglich wäre. Da nimmt man dann auch ein paar Klone in Kauf, die den fairen Handel antreiben. Tony's Chocolonely selbst war übrigens kürzlich in den Schlagzeilen, weil das Unternehmen von einer Liste ethischer Schokoladenfirmen gestrichen worden war (hier steht mehr dazu). Der Grund hierfür ist die Zusammenarbeit mit dem Schokoladengiganten Callebaut, der eben nicht sklavenfrei arbeitet. Die Tony's-Macher handeln aber absichtlich so, denn es geht ihnen nicht darum, ein ethisches Nischenprodukt zu kreieren, sondern sie wollen das Kakaogeschäft in der breiten Masse verändern, und das geht ihrer Meinung nach nur, wenn man mit den Großen zusammen arbeitet. Dazu passt dann die Kooperation mit den neuen Marken natürlich auch sehr gut.

Die Jokolade kann man bislang exklusiv bei Rewe kaufen oder online bestellen.




Originalität

Ein Fernsehmoderator mit eigener Schokoladenmarke erscheint mir in jedem Fall als ungewöhnlich. Das Jokolade-Sortiment umfasst aktuell vier Geschmacksrichtungen, die jeweils als 150-Gramm-Tafeln verkauft werden. Die Sorten sind No. 1 - Weiße Schokolade mit karamellisierten Haselnusskernen, Keksstücken mit Kaffee & Baiser, No. 2 - Milchschokolade mit getrockneten Bananenstücken, Karamell & Keksstücken, No. 3 - Milchschokolade mit Toffeestücken und Keksstücken mit Kaffee und No. 4 - Dunkle Schokolade mit Birnenzubereitung, Browniestücken & karamellisierten Mandelstücken. Birne und Banane habe ich noch nicht in Schokolade gesehen, auch nicht bei Tony's. Ich bin etwas überrascht darüber, dass gleich zwei von vier Sorten Kaffee enthalten. Vier Geschmackserichtungen insgesamt sind natürlich eher wenig, das Verpackungsdesign finde ich hübsch, aber recht schlicht.

Bei Jokolade geht es aber gar nicht ausschließlich um das Schokoladenprodukt, sondern auch ein bisschen um Kunst: Die Innenseiten der Papierverpackungen sind von der Künstlerin Hell Gette gestaltet, je nach Sorte findet man beim Öffnen ein anderes kleines Bild. 6/10


Nachhaltigkeit

Die Meinungsverschiedenheit zwischen Tony's Chocolonely und Slave Free Chocolate zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit komplex ist - will man ein von Anfang an maximal nachhaltiges Produkt, das aber "klein" ist, oder geht man in der Hoffnung, größere Veränderungen zu erreichen, Kompromisse ein? Ich kann beide Ansätze nachvollziehen. Jokolade arbeitet neben Tony's Open Chain übrigens auch mit Fairtrade zusammen, um auch die Produktionsbedingungen der anderen verwendeten Zutaten zu verbessern. 5/5

 

Zutatenqualität

Jokolade ist kein Gourmetprodukt, die Schokoladentafeln enthalten Zutaten wie Glukosesirup oder natürliches Vanillearoma, die ich in den luxuriösen Produkten, die ich hier sonst vorstelle, niemals finden würde. Für eine "Durchschnittssschokolade" weist die Zutatenliste aber wenig auf, an dem ich herummeckern könnte: Keine Fremdfette, keine weiteren Aromazusätze...  die Rückseite einer Milka-Tafel liest sich weniger erfreulich. 7/10

Preis / Leistung

Die 1590-Gramm-Tafeln kosten je 2,79 Euro und sind damit etwas teurer als das niederländische Vorbild. Dennoch geht ein 100-Gramm-Preis von 1,86 Euro für ein nachhaltiges Produkt in meinen Augen völlig in Ordnung. 5/5


Geschmack

Wie üblich habe ich mir zwei Tafeln zum Testen besorgt, nämlich die Nummern 1 (Weiße Schokolade mit karamellisierten Haselnusskernen, Keksstücken mit Kaffee & Baiser) und 2 (Milchschokolade mit getrockneten Bananenstücken, Karamell & Keksstücken). Beschreibungstechnisch hätte ich am liebsten Nummer 1 und 3 gekauft, aber ich wollte auch nicht gleich beide Sorten mit Kaffee probieren. Bananen mag ich nur selten, schon gar nicht in ihrer getrockneten Form, aber die Tafel verspricht: "Die getrockneten Bananen in dieser Jokolade schmecken sogar Joko, ehrlich, und der mag eigentlich keine Bananen."

Als erstes probierten wir dann auch Nummer 2. Die Tafeln sind jeweils in Riegel unterteilt, die das Wort "Jokolade" ziert. Die Milchschokolade schmeckte... zunächst einmal unglaublich süß. Die Keksstückchen ließen sich leicht identifizieren, auf die Zutat Banane wäre ich von allein wohl nicht gekommen. Insgesamt schmecke ich außer Süße ohnehin nicht viel, auch wenig Schokolade. 7/15

Wenn einem No. 2 schon zu süß ist, kann No. 1 einen nochmals richtig überraschen: Diese Sorte schaffte es nämlich, noch süßer zu sein. Hier konnte ich sowohl die Haselnüsse als auch das Baiser mühelos erschmecken (den Kaffee allerdings nicht) und fände diese Sorte tendenziell interessanter... wenn etwa die Hälfte des Zuckers weggelassen worden wäre. 7/15

Und nur, damit hier keine Missverständnisse entstehen: Es ist keineswegs so, dass ich mittlerweile so viel Luxusschokolade probiert hätte, dass meine Geschmacksknospen nicht mehr mit regulären Süßigkeiten zurecht kämen. Die hier verwendete Zuckermenge erscheint mir sehr ungewöhnlich, und es überrascht mich, dass ich keine andere Vorstellung und keinen Facebook-Kommentar finden konnte, in denen das jemand genauso sieht.


Gesamturteil

In den objektiv bewertbaren Kategorien kann die Jokolade beachtliche 23 von 30 Punkten holen, aber wie immer hilft das natürlich wenig, wenn das Produkt geschmacklich nicht überzeugen kann. Für die beiden Schokoladen No. 1 und No. 2 kann ich in der Gesamtwertung dann nur 30 von 45 Punkten geben und bin froh, im Supermarkt nicht gleich alle vier Sorten mitgenommen zu haben - denn wer sollte all den Zuckerkram aufessen?

Übrigens: Hier gibt es die Ergebnisse aller bisherigen Schokoladentests als Gesamtranking!  

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen