Gelesen: April 2026


Herrje, was für ein Flop! Im Februar hatte ich ja das neueste Robert Galbraith-Buch The Hallmarked Man  fertig gelesen. Anschließend war ich in einem Reddit-Thread gelandet, in dem Nutzende ähnliche Bücher vorschlugen. Hoch gelobt wurde unter anderem Lucy Foley, die Bücher im Agatha-Christie-Stil veröffentlicht - mit großem Erfolg.

Ich besorgte mir also den Bestseller The Guest List als englischsprachiges Hörbuch. Inhalt: Eine Hochzeitsgesellschaft kommt auf einer irischen Küsteninsel zusammen, der harte Kern der Gäste soll hier auch übernachten. Die Handlung springt zwischen zwei Zeitebenen hin und her: Auf einer hat eine Kellnerin draußen etwas Schreckliches gefunden, und eine Abordnung der Gäste macht sich auf die Suche - was im Dunkeln und während eines Regensturms langwierig und auch gefährlich ist. Die andere Zeitebene schildert die Vorgänge bei den vorausgegangenen Feierlichkeiten aus unterschiedlichen Perspektiven, etwa aus Sicht der Braut, der Hochzeitsplanerin, des Trauzeugen und so weiter. Diese Geschichten nehmen dann wiederum Bezug auf die Vergangenheit, etwa eine schicksalsträchtige Affäre der Brautjungfer, das Schicksal der Schwester eines Hochzeitsgasts und so weiter.

Schnell wird aus Leserinnenperspektive klar: So richtig sympathisch ist hier fast niemand. Die Braut ist egozentrisch, ihre Mutter noch mehr, der Bräutigam zockt unter aufgesetztem Charme seine Freunde ab, selbige sind aber eigentlich ebenso schlimm. 

Das Szenario auf der Insel soll für maximale Spannung sorgen: Hier gibt es einen mysteriösen Friedhof sowie Moore, in denen man versinken kann, sowie auch noch Klippen. Warum hier jemand ausgerechnet eine Hochzeit feiern sollte, wird dann auch nicht überzeugend erklärt, die Braut mag es eben lieber ungewöhnlich und hat einen irischen Vater. Der später geschilderte Kontrast zwischen hellen und gemütlichen Zelten und dem draußen tobenden Sturm erscheint mir ebenfalls ausgesprochen unrealistisch - wie dicht sollen diese Partyzelte denn sein?

Das trifft aber noch viel mehr auf die Handlung an sich zu. Klar, auch bei Agatha Christie hängt vieles von unwahrscheinlichen Zufällen ab, aber die Ansammlung von Enthüllungen und zufälligen Begegnungen bei dieser Feier ist in ihrer Menge irgendwann einfach nur noch albern. Die Autorin versucht den letzten Rest Spannung zu erhalten, indem sie fast bis zum Ende wartet, um zu enthüllen, wer überhaupt das Mordopfer ist, aber auch das hilft leider nicht viel. Die mehrheitlich papierdünnen Charaktere können hiervon auch nicht ablenken.

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