U. bei M. in W.: M. Walking on the Water in Weinheim

U.
Erinnert sich jemand an M. Walking on the Water? Zum Ende meiner Schulzeit hatte diese deutsche Indieband eine gewisse Berühmtheit, mir war allerdings nicht bekannt, dass es die Krefelder Band immer noch beziehungsweise wieder gibt – dieses Jahr erschien sogar nach 14 Jahren Unterbrechung ein neues Album, Flowers for the Departed.



Mein Freund ist aber ein Kenner und Fan der Band, weshalb wir uns gestern Abend von Frankfurt aus auf den Weg nach Weinheim machten, einem kleinen Ort im Odenwald, der relativ nahe an Heidelberg und Mannheim liegt und als Hauptattraktion über zwei Burgen verfügt. Plakate vor Ort verwiesen auf die beiden Hauptattraktionen im April: Das M. Walking on the Water-Konzert und eine Auto-Stuntshow.



Bei unserer Ankunft am Veranstaltungsort Café Central waren wir zunächst besorgt: Die Kneipe mit angrenzendem Konzertraum war recht leer, und bei den 20 Minuten vor Konzertbeginn Anwesenden musste man sich fragen, ob sie überhaupt wegen des Konzertes gekommen waren oder vielleicht nur einfach ein Bier trinken wollten.



Immerhin, in den folgenden Minuten füllte sich der kleine Konzertsaal dann doch noch merklich, aber als M. Walking on the Water, allesamt in heller Kleidung (und im Fall von Sänger Markus Maria Jansen in einem handbeschriebenen Anzug) die mit rotem Samtvorhang und Lichterkette ausgestattete und mit vier „Metronomglühbirnen“, einem Markenzeichen der Band, dekorierte Bühne betraten, erklang keinerlei Applaus. Seltsam, diese Weinheimer.

Die Band eröffnete das Konzert mit zwei neuen Titeln, bevor sie mit „Adventures and Narrations“ und „Linda Lee“ die ersten „Klassiker“ einstreuten. Spätestens bei Erklingen der alten Single „Holy Night of Rosemarie“ zeigte sich jedoch, dass wir uns in unseren Mitgästen gründlich geirrt hatten, diese konnten nämlich zu einem Großteil mitsingen und zeigten auch bei den anderen älteren Liedern im Gegensatz zu mir beeindruckende Textsicherheit.



Die größte Begeisterung im Hauptteil, der acht Lieder vom neuen Album enthielt, lösten allerdings ältere Titel, wie das instrumentale „Melitaah“ vom 1988er Debütalbum aus, bei dem auch erstmalig die schwingenden Glühlampen ihren Einsatz fanden und ein einzelner Fan einen Pogo versuchte.

Die Band war angesichts der Begeisterung des kleinen Publikums sichtlich gerührt, allerdings auch relativ wortkarg. Während Jansen zum Baden-Württembergischen Wahlergebnis gratulierte und anbot, für alle übers Mikrophon an der Bar Getränke zu bestellen, blieb Mike Pelzer, der zweite Sänger, der zwischen Gitarre, Mundharmonika, Keyboard und Akkordeon wechselte, ziemlich wortkarg. Ansonsten ging die Kommunikation nicht weit über Liedansagen hinaus („Jetzt kommt ein Song von unserer letzten Platte – also der von vor 14 Jahren...“).



Nach dem Hauptteil folgten noch drei Zugaben mit jeweils zwei Liedern, wobei die fürs Publikum gut sichtbar angebrachten Setlisten nicht allzu streng befolgt wurden. So begann die erste Zugabe aus Zuschauerruf hin spontan mit „Necessary“ („Mal sehen, ob wir das hinbekommen...“), dann folgte „Soldier of Love“. Im Rahmen des zweiten „Zugabenblocks“ gab es nach dem lautstark geforderten „Poison“ während „Party in the Cemetery“, als Jansen und Pelzer bereits die Bühne verlassen hatten, auch noch Instrumentalsoli von Schlagzeuger Martell Beigang, der ein wenig mit der Reaktion des Publikums haderte („Ich spiel’ mir hier den Arsch ab...“), Bassist Konrad Mathieu, der „Popcorn“ in sein Solo einstreute, und Violinist Axel Ruhland.



Nach 2 Stunden Konzert folgte noch „Love is on your Side“, vielleicht das Highlight vom neuen Album, das viele Fans während vorheriger Konzerte noch vermissten. Absoluter Höhepunkt, zumindest für meinen Freund, war jedoch der letzte Song: Markus Maria Jensen erzählte, er sei auf der Toilette Fans, die extra aus Brilon angereist seien, begegnet, und widme ihnen und einigen anderen und eigentlich allen nun den nächsten, wiederentdeckten Song. Es folgte der alte Publikumsfavorit „Willy“, den die Band viele Jahre lang auch nicht auf lautstarken Wunsch gespielt hatte und der auch auf keinem Album zu finden ist.

Setliste:

Sundownraft
Dust in the Suitcase
Adventures and Narrations
Linda Lee
Questionmark
Glitter
The holy night of Rosemarie
Sing Sally
Melitaah
Twist your head
Fis
Keep a file on
Misery
Candleblue
Anymore
Soulmouth
Bury me upright
Pink pinks

Necessary
Soldier of Love

Poison
Party in the Cemetery

Love is on your side
Willy

1 Kommentare:

  1. So… nach drei Jahren …
    Ich erinnere mich deutlich.
    Danke für den Post -ich habe heute eine M. Ausgrabearbeit geleistet und bin immer noch angetan von dieser Musik.
    Wenn jetzt bald noch ne weitere Tour kommt, dann mache ich mich auch auf den Weg.

    Ach ja; ist Wein-Heim nicht ein optimaler Ort für diese Gruppe?

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