Neulich beim nachgeholten Jubiläum: Loch Lomond in Montabaur


Bereits im letzten Dezember sollte das "Jubiläumskonzert" unserer bescheidenen Reihe von Wonzimmerkonzerten statfinden - für die Nummer zehn hatten wir die englische Band Wooden Arms eingeladen. Das wurde dann aber nichts: Wooden Arms mussten ihre gesamte Deutschlandtournee absagen, und wir warteten erst einmal weiter.

Vor einigen Wochen war es dann so weit: Mein Freund fand zwei Deutschland-Termine der von ihm geschätzten Band Loch Lomond in Wetzlar und Offenbach mit reichlich Zeit dazwischen - da lohnte sich die Frage nach einem Abstecher zu uns. Die begeisterte Zusage erfolgte innerhalb weniger Stunden, weitere Absprachen waren komplikationslos. Allerdings änderte sich die Musikerzahl nach und nach: Zunächst war geplant gewesen, dass Ritchie Young und Anna Hoone zu zweit reisen würden. Dann bekamen wir als Update, man sei mittlerweile zu dritt, bis die Band auf vier Musiker erweitert wurde. Vier Musiker! Bei den ersten neun Konzerten hatten wir stets maximal zwei aktiv Musizierende zu Gast gehabt.


Die Ausstattung unseres Haushalts lässt nur Übernachtungen von bis zu drei Gästen zu. Ein Hotelzimmer wurde gebucht, außerdem mussten wir Equipment in Form von Mikrophonen und Mikrophonständern organisieren. Alles ließ sich arrangieren, allerdings mit etwas Sorge, dass Loch Lomond letztlich mit ihrer Komplettbesetzung von acht Musikern kommen würden. Das passierte dann aber nicht.

Für Konzert Nummer zehn hatte ich mir - passend zur veränderten Bandgröße - fürs traditionell vorbereitete Snackbüffet diverse neue Rezepte überlegt. Während der Zubereitung von Avocadotalern, Gemüsemuffins und Kräuterzupfbrot geriet ich das eine oder andere Mal ins Fluchen - es hatte schon seine Gründe gehabt, dass die meisten der früheren Snacks auf Fertig-Blätterteig-Basis gewesen waren. Letztlich gelang aber alles.

Eine andere Vorbereitung traf mein Freund: Nach vor diversen Putz-, Bettenbezieh-, Einkaufs- und Räumtätigkeiten hatte er noch dafür gesorgt, dass seine Vinylausgabe der "69 Love Songs" von The Magnetic Fields besonders gut sichtbar aufgestellt war - in der Hoffnung, dass sich Ritchie veranlasst fühlen würde, wie zuletzt bei Auftritten in den USA, einige Liedern von diesem Album zu spielen. Aber diese subtile Vorgehensweise war gar nicht nötig gewesen, denn bereits am Vorabend in Wetzlar waren aus "69 Love Songs" die beiden Lieder "No Matter When We’re Dancing" und "The Book Of Love" gespielt worden.


Der späte Nachmittag wurde dann wie immer ein Wechselbad der Gefühle: Zunächst trudelte die eine oder andere Absage von Konzertgästen ein, was die Sorge auslöst, die Besucherzahl des Vorabendkonzertes der Band (knapp 20) vielleicht doch nicht überbieten zu können. Dann funktionierte unser Zeitplan mit seiner engen Reihenfolge von Bandankunft, Aufbau, Soundcheck, Abendessen und Gästeeintreffen wie immer nicht. Die Band traf, aufgrund der Besichtigung des auf dem Wege liegenden Schlosses Braunfels, später ein als erhofft und hatte zunächst ein paar Probleme damit, unser Soundequipment wunschgemäß einzurichten - wollte diese aber verständlicherweise vor dem Abendessen alle lösen. Also kamen wie immer die ersten Gäste bereits, als weder die Stühle noch das Büffet aufgebaut waren, und konnten sich gleich nützlich machen.

Die dritte Aufregung ereilte uns mit Konzertbeginn, denn trotz des langen Einrichtungsprozesses gab es bei den ersten Liedern einige Soundprobleme, sobald Ritchie etwas lauter sang. Das klang einerseits unschön, andererseits sorgte ich mich, wie die Band damit umgehen würde: Würde sie frustriert das Konzert unter- oder gar abbrechen? Ritchie sang aber im Verlauf der ersten Konzerthälfte weniger inbrünstig als zu Beginn und die Pause vor der zweiten Hälfte wurde genutzt, um die Probleme zu beheben.


Im Vorfeld waren wir gefragt worden, wie lange denn gespielt werden solle. Scherzhaft antworteten wir mit "ein erstes Set mit Loch Lomond Liedern wie in Wetzlar, im zweiten Set die restlichen "67 Love Songs" und im dritten Set noch Solo-Songs von Anna Hoone". Ernst gemeint wünschte sich mein Freund jedoch „Your Eyes“, welches am Vorabend nicht gespielt worden war. Vor Konzertbeginn, als die Gäste nach und nach eintrafen, konnte man aus dem ersten Stockwerk die Band beim Einproben dieses Liedes hören. Ob dies vor oder nach dem Bügeln des Konzertoutfittes stattfand - eine Premiere im 10. Durchgang - ist nicht überliefert, jedoch konnten Loch Lomond Dank unseres Bügeleisens und -brettes ihren Dresscode (Ritchie in weiß, der Rest in schwarz) beibehalten.

Neu waren hingegen die lustigen bis sportlichen Choreographien, die die Musiker aufgrund ihres häufigen Instrumente- und Platzwechsels wegen des begrenzten Raumangebots in unserem Wohnzimmer hinlegen mussten. Ob Limbo unterm Gitarrenhals und Slalom zwischen Keyboard und Mikrophonständern, sie meisterten alle Aufgaben mit Bravour! 

Wir mussten auch zugeben, dass sich der Mehraufwand, den die größere Zahl von Musikern mit sich gebracht hatte, für uns gelohnt hatte, denn vier Musiker können natürlich viel mehr Abwechslung bieten als einer oder zwei: Die Kletterei führte also zu größerer musikalischer Abwechslung, wenn mehr Instrumente wie Gitarren, Ukulele, Xylophon und Keyboard sowie Tamburine eingesetzt und getauscht werden konnten - und es gab insgesamt drei Singstimmen!


Bereits beim Konzert des Vorabends hatten wir erfahren, dass die Band der deutschen Currywurst verfallen ist. Das wurde auch an diesem Abend von der Bühne aus wiederholt, was natürlich nicht ganz so gut zu unserem vegetarischen Büffet passte. Zur Situation in den USA erklärte Ritchie Young, es verhalte sich in etwa so, als wäre man bei einer schönen Party, und plötzlich käme der betrunkene Cousin vorbei und machte alles kaputt. So sei Amerika aktuell, weshalb es um so schöner sei, Europa zu besuchen.

Darüber hinaus wurde uns, den Gastgebern, gefühlt nach jedem zweiten Lied überschwänglich gedankt. Man hätte uns auch bereitwillig große Teile des Merchandises geschenkt, insbesondere die letzten T-Shirts wäre man sehr gerne losgeworden. Sie wurden letztendlich, glaube ich, nicht verkauft, aber immerhin CDs und Platten liefen in der Pause und nach dem Set recht gut.

Die Setliste entsprach der in Wetzlar, war aber in der Reihenfolge ein wenig umgestellt. Hinzu kam das Wunschlied "Your Eyes", und Anna, die wieder in den für sie zweifelhaften Genuss kam, die letzte Zugabe zu spielen, wählte dafür ein anderes Lied, "Oh Mama".


Nach dem Konzert sprachen mich viele Gäste darauf an, wie gut ihnen die Musik gefallen habe, und auch die Musiker selbst standen noch lange für Gespräche zur Verfügung. Wir erfuhren von Ritchie Young unter anderem, dass er als nächstes ein Soloalbum aufnehmen möchte. Vielleicht kommt er damit dann ja wieder bei uns vorbei...

Tatsächlich war es auch bei diesem Wohnzimmerkonzert wieder so gewesen, dass wir irgendwann im Laufe des Nachmittags die Nase von all den Vorbereitungen voll gehabt hatten, nur um dann, als alles geklappt hatte und die Musik so schön gewesen war, unsere Meinungen wieder zu ändern: Alles Mühen waren im Hinblick auf das Ergebnis ein Klacks gewesen.


Meine Katzen verbrachten ihrer Gewohnheit entsprechend das Konzert im Schlafzimmer, wo sie sich die Musik von unterm Bett anhörten. Erst am nächsten Morgen konnte man mutig die Instrumente inspizieren und deren Tauglichkeit als Sitzunterlage testen.

Setliste:

All Your Friends Are Smiling
Blood Bank
Nelson Family
Stripe
No Matter When We’re Dancing (The Magnetic Fields Cover)
Elephants & Little Girls
A Fields Report
Violins And Tea
Seattle Denver Arms
The Way

Trumpet Song
Tic
The Book Of Love (The Magnetic Fields Cover)
Wax & Wire
Tiny Steps
Your Eyes
Witchy
Northern, Knees, Trees, And Lights
Egg Song

Yuma, AZ (Damien Jurado Cover)

Oh Mama (Anna Hoone Song)


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