Gesehen: September 2020


Man könnte meinen, zum Thema Superhelden sei nun wirklich, wirklich alles gesagt! Wir kennen mittlerweile das Marvel Cinematic Universe mit bislang 23 Spielfilmen (die X-Men-Filme müsste man hier noch dazu rechnen), angereichert durch elf Fernsehserien,  und außerdem das beinahe ebenso breit aufgestellte (wenn auch weniger erfolgreiche) DC Universe. Hinzu kommen separate "Produkte" wie Watchmen als Comic, Film und zuletzt Serie, oder auch das mittlerweile fast vergessene Heroes. Alle diese Filme und Serien nahmen sich unter anderem zum Thema, wie es eigentlich wäre, wenn es in der realen Welt Superhelden gäbe, sei es mit "besonderen" Fähigkeiten oder auch ohne. 
 
Was bislang aber komplett an mir vorbei ging, war die Serie The Boys von Amazon Prime, von der es nun bereits eine zweite Staffel gibt - ich kenne aber nun zumindest die erste. Es geht, mal wieder, um Superhelden. In der Welt von The Boys (das übrigens ebenfalls auf einem Comic basiert) existieren diese, noch nicht allzu lange, niemand weiß genau, warum, und zwar nur in den USA. Die meisten dieser Menschen mit Superkräften werden von einer riesigen Firma namens Vought gemanaged und vermarket, Letzteres mit viel Eifer: Die Helden retten tatsächlich gelegentlich jemand, aber stets sind Kamerateams dabei, um das aus der besten Perspektive festzuhalten. Zusätzlich produziert Vought Spielfilme mit seinen Helden, jede Menge Merchandise, sie sind Werbefiguren... das Superhelden-Geschäft ist lukrativ, und die Individuen, die in seinem Zentrum stehen, haben längst ihre ursprünglichen Ideale vergessen: Die Helden selbst sind desillusioniert, unmoralisch, heuchlerisch und im Allgemeinen komplett desinteressiert daran, etwas Gutes zu tun.

Diese Tatsache erfährt man als Zuschauer parallel aus zwei Perspektiven: Da ist zum einen Hughie, ein junger Mann, der seine Freundin verliert, als der Superheld A-Train (der schnellste Mensch der Welt) es eilig hat und durch sie hindurch rennt - was sie nicht überlebt. A-Trains Reue hinsichtlich des tödlichen Unfalls ist ausgesprochen halbherzig, was dazu führt, dass sich der verzweifelte Hughie kurze Zeit später den Boys anschließt - einer Gruppe von Menschen, die Superhelden hasst und Voughts Machenschaften entlarven möchte.

Die andere Perspektive gehört Starlight, einer jungen Frau mit Superkräften, die es nach einem Casting schafft, in die bekannteste aller Superhelden-Gruppen aufgenommen zu werden: The Seven. Starlight denkt zunächst, sie sei am Ziel all ihrer Träume, erkennt aber schon sehr schnell, dass ihre neuen Kollegen die hehren Ziele, der Menschheit zu dienen, längst aufgegeben haben und ausschließlich auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind.

Durch einen Zufall lernen sich Starlight und Hughie kennen und schätzen, fühlen sich allerdings auch ihren jeweiligen "Lagern" zugehörig. Hinzu kommen eine Entführung, ein potenzieller Drogenskandal um die Superhelden, diverse Skandale und jede Menge Brutalität.

Mir hat die erste Staffel von The Boys sehr gut gefallen, auch wenn sie dank ihres Zynismus die Laune nicht gerade hebt.


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