Der große Schokoladentest (53): Artisan du Chocolat


Schon vielfach erwähnte ich hier meinen Schokoladeneinkauf bei Selfridges in London, der mittlerweile über ein Jahr her ist. Als ich bereits mit diversen Tafeln bepackt (und mit leichterem Portemonnaie) Richtung Ausgang ging, bot man mir am Stand von Artisan du Chocolat im Vorbeigehen eine Süßigkeit an, und zwar irgendetwas, das ich nicht mag. Als ich ablehnete, suchte der freundliche Verkäufer extra ein anderes Glas mit Süßwaren, um zu fragen, ob ich dann vielleicht diese probieren wollte. Bei so viel Freundlichkeit erschien es mir als geradezu unhöflich, hier nicht auch etwas zu kaufen, also nahm ich hier eben auch noch zwei Probiertafeln mit... hinzu kommt, dass der Londoner Hersteller in meinem Buch Der Schokoladentester immerhin vier von sechs Bohnen erreicht hat!


Zum Produkt

Artisan du Chocolat existiert seit 1999. Das Unternehhmen hat heute mehrere Filialen in London und im Mittleren Osten, gegründet wurde es von dem Iren Gerard Coleman. Dieser hat unter anderem beim Patisserie-Paps Pierre Marcolini gelernt. Artisan du Chocolat vertreibt hauptsächlich "Mass-to-Bar"-Produkte, es befinden sich aber auch einige Bean-to-Bar-Tafeln im Sortiment.

Seit diesem Jahr hat das Unternehmen mit Mohamed Elsarky, dem ehemaligen CEO von Godiva, einen neuen Chairman. Das lässt mich vermuten, dass eine größere internationale Expansion des Unternehmens geplant sein könnte.


Originalität

Im aktuellen Sortiment zähle ich stolze 27 Sorten Schokolade,  darunter mehrere ohne Zucker, einige vegane Tafeln und ein paar wirklich verrückte Geschmacksrichtungen wie Tabak, Panela (eine südamerikanische Art von Melasse) und Büffelmilch. Sieht man über das Schokoladensortiment hinaus, wird es noch deutlich abenteuerlicher: Zu Halloween bot Artisan du Chocolat unheimlich wirkende Schokoladenspinnen an, im Angebot ist außerdem ein nach Louis Vuitton aussehender "Schokoladenschrank" und - für die Weihnachtstafel - ein Weihnachtsgartenzwerg aus Schokolade. 9/10
 

Nachhaltigkeit

Laut der eigenen Website bezieht Artisan du Chocolat seine Kakaoprodukte aus Südamerika (also nicht aus dem für besonders schlimme Arbeitsbedingungen berüchtigten Westafrika). Der Hersteller versichert, mit Händlern zusammen zu arbeiten, die viel von Kakao verstehen und eine echte Partnerschaft mit den Kakaobauern pflegen. Das klingt gut, über ein Siegel verfügt Artisan du Chocolat aber nicht. 3/5

Zutatenqualität

Die von mir gekaufte Schokoladentafel der Geschmacksrichtung "Crème Brûlée" enthält neben dem, was man erwarten würde (Zucker, Kakaobutter, Milchpulver, Crème Brûlée, Kakaomasse, Glukosesirup, Butter, Sahne und Sojalezitin) auch natürliches Vanillearoma - kein Garant für absolute Top-Qualität, zumal die Zutat Crème Brûlée in ihrer Aufschlüsselung ebenfalls natürliches Aroma enthält. Meine andere Tafel der Sorte "Chili" enthält dagegen keinerlei Aromen, lediglich Vanillextrakt, was ich für höherwertig halte. 7/10



Preis / Leistung

Obwohl die Artisan du Chocolat-Tafeln optisch annähernd normales "Tafelformat" aufweisen, wiegt der Inhalt nur 45 Gramm. Bei einem Tafelpreis von gar nicht so dramatisch wirkenden 4 Pfund landet man so bei einem 100-Gramm-Preis von um die 10 Euro. Dass es sich um einen kleinen Hersteller handelt, kann ich hier immerhin als mildernden Umstand in Betracht ziehen. 1/5

Geschmack

Die Sorte "Chili" schmeckt dezent nach - nun - Chili. Enthalten sind sehr spezifische Sorten, nämlich "Scorpion Pepper" und "Ancho Chili", weshalb ich eigentlich einen feurigeren Geschmack erwartet hätte. Die Schokolade schmeckt mir durchaus gut, aber eben nicht anders als andere Chili-Schokoladen. 11/15

Bei Crème Brûlée war ich etwas enttäuscht: Die milde Vollmilchschokolade enthält kleine Karamellstückchen, die einem an den Zähnen kleben bleiben. Nachdem helle Milchschokolade aber ohnehin häufig eine Karamellnote aufweist, fehlt hier das Besondere. Nachdem Crème Brûlée ja meistens auch nicht nach Schokolade schmeckt, würde das Konzept mit einer weißen Schokolade vielleicht besser funktionieren. 9/15

Gesamturteil

In den Nicht-Geschmack-Kategorien erreicht Artisan du Chocolat bei mir 20 von 45 möglichen Punkten. Inklusive Berücksichtigung des Geschmacks erreicht die Sorte "Chili" 31, die Sorte "Crème Brûlée" 29 von jeweils 45 möglichen Punkten.

Übrigens: Hier gibt es die Ergebnisse aller bisherigen Schokoladentests als Gesamtranking!     


Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

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