Gesehen: März 2022


Die Nachrichtenlage nimmt mich aktuell etwas mit, weshalb ich mich grundsätzlich der ganz seichten Unterhaltung verschrieben habe und gerade Kriegerisches, auch Fiktives, nicht gut ertragen kann. Dennoch sah sich mein Haushalt im März Vikings: Valhalla an, ein von Netflix produziertes Spin-Off der sechs Staffeln langen Serie Vikings des kanadischen History Channels. Vikings selbst habe ich bis zur vierten Staffel gesehen und muss sagen, dass mir die Serie mit der Zeit gehörig auf die Nerven ging: Schon das Konzept, dass man mit Menschen sympathisieren soll, die zum Lebenserwerb andere aufs Brutalste ermorden, fand ich schwierig - die Serie arbeitet dagegen, indem die Opfer der Wikinger-Raubüberfälle in Großbritannien und Frankreich als nicht viel sympathischer dargestellt werden - was allerdings dazu führte, dass ich eigentlich allen Agierenden nur Schlechtes wünschte...

Vikings: Valhalla spielt 100 Jahre nach der Handlung von Vikings und hat als Protagonisten Leif Erikson - genau, den Isländer, von dem in Reykjavik eine riesige Statue steht, und der als der erste Europäer gilt, der das amerikanische Festland erreicht hat.



In der nur acht Folgen langen ersten Staffel der Serie wird allerdings noch nichts entdeckt, wir lernen Leif (der in der Serie aus Grönland stammt, was historisch umstritten ist) und seine Gefährten, insbesondere seine Schwester Freydís, kennen und erfahren, wie es dem Vikings-Handlungszentrum Kattegat in Skandinavien in den letzten 100 Jahren ergangen ist. Ein großes Thema der Serie ist die zunehmende Christianisierung der Wikinger und die Konflikte zwischen den neuen Christen und den traditionellen Heiden. Die Handlung selbst dreht sich allerdings hauptsächlich um einen Raubzug der Wikinger nach London (das es mittlerweile gibt), um die Auslöschung einer Wikingersiedlung durch den englischen König zu rächen. Wie schon bei Vikings werden hier historische Fakten und Legenden munter vermischt, und das Spin-off nimmt mit der Erwähnung der legendären Protagonisten der Ursprungsserie auch immer wieder Bezug auf diese.

Mein Freund und ich hatten uns in Erwartung darauf, dass sich das Spin-off nicht allzu sehr von der Grundserie unterscheiden würde, ein Bingo-Spiel vorbereitet, in dem wir Handlungselemente wie "ein Körperteil wird abgetrennt", "Schildwall", "nackter Oberkörper" oder "Rauben und plündern" abhaken konnten - und kamen mit diesem Spiel auch recht gut voran, in Folge vier konnten wir "Bingo! rufen.

Tatsächlich ist das Positivste, das ich zu Vikings: Valhalla sagen kann, dass mich die Protagonisten bislang weniger nerven als die der Ursprungsserie. Auch lernt man, wie auch schon bei Vikings, zumindest ein bisschen über die Geschichte dieser Zeit, wenn man die unwahrscheinlichsten Handlungsdetails bei Wikipedia nachschlägt und bei der Gelegenheit nicht selten erfährt, dass sie tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Kann man also ansehen, aber muss man wirklich nicht. Die zweite Staffel ist übrigens bereits fertig gedreht.

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