Der große Schokoladentest (82): Mast


Heute beschäftige ich mich mit echten Promis der Craft-Chocolate-Szene. Ich setze mich erst seit 2018 intensiver mit dem Thema Schokolade auseinander, aber von den Mast Brothers hatte ich schon damals gehört, weil ich über einen Artikel gestolpert war, der recht kritisch über die Brüder berichtete - es bestanden nämlich Gerüchte, dass sie ihre Schokoladen keineswegs, wie deklariert, selbst herstellten, sondern stattdessen fertige Kuvertüre umschmolzen (möglicherweise war es dieser Artikel, heute nur noch für Abonnenten zugänglich).

Aber auch abgesehen von solchen hässlichen Gerüchten sind die beiden Schokoladenproduzenten aus Brooklyn in der Schokoladenszene höchst unbeliebt (siehe etwa hier). Das erscheint um so erstaunlicher, als ich in dieser Reihe bereits Schokoladenhersteller vorgestellt habe, die aus allen möglichen Berufen stammten (der Erfinder der neuseeländischen Marke Hogarth war beispielsweise Fischer, der von Duffy's baute ursprünglich Rennautos), und noch nie habe ich irgendwo gelesen, dass solche Quereinsteiger von etablierten Chocolatiers angefeindet worden wären. Die "Szene" an sich scheint durchaus tolerant zu sein, wenn das Produkt als gut wahrgenommen wird.

Die Mast Brothers liefern zugegebenermaßen durchaus Material für Amüsement: Die beiden sehen aus wie prototypische Hipster mit buschigen Bärten, noch dazu steht ihre Fabrik natürlich in Brooklyn. Eine Weile lang gab es eine Dependance, die sich (ebenfalls natürlich) im Londoner Stadtteil Shoreditch befand. Bereits 2011 charterten die bedien ein Segelschiff, um Kakaobohnen von der Dominikanischen Republik nach New York zu transportieren - ich vermute ja, die beiden haben dann höchstpersönlich die Bohnen mit ihren Hochrädern bis zur Fabrik gefahren. Und dabei Pfeife geraucht.

Der Hauptkritikpunkt der "Schokoladenspezialisten" ist aber nicht das etwas alberne Marketingehabe der Mast Brothers, sondern die (behauptete) Tatsache, dass diese keinen Kontakt zu Kollegen in ihrer Branche suchen und - möglicherweise mangels Austausch - mit recht mittelmäßiger Schokolade dank Marketing zu einem Synonym für (amerikanische) Bean-To-Bar-Schokolade geworden seien.



Zum Produkt

Heutzutage kann man bei den Mast Brothers viel mehr als Schokolade kaufen, die Website "Mast Market" bietet Kaffee, Tee, Marmelade, Brot und vieles Mehr unter dem Label "Mast" an. Im Bereich Schokolade kann man neben Schokoladentafeln auch Chocolate Chip Cookies und Kuvertüre kaufen.


Originalität

Die Schokoladentafeln sind ansprechend und recht schlicht mit aquarell-artig wirkenden Farben gestaltet. Zusätzlich existiert eine Sonderkollektion mit Motiven aus dem Metropolitan Museum of New York inklusive Pappschuber, die wirklich sehr edel aussieht. Auf der Website zähle ich aktuell 12 verschiedene Geschmacksrichtungen, darunter Klassiker wie Milchschokolade pur, aber auch Ungewöhnliches wie eine Lavendelschokolade. Eine vegane Hafermilchschokolade kann man ebenfalls erwerben. 8/10


Nachhaltigkeit

Die Website gibt an, dass alle Schokoladen Bioqualität haben, teilweise kann man den Produktseiten auch entnehmen, welcher Kakao genau für eine Schokolade verwendet wurde. Die Hersteller geben an, sämtliche Zutaten nach Möglichkeit aus lokalem Anbau zu verwenden, beim Kakao bezahlen sie mehr als den Fair Trade-Preis. 5/5



Zutatenqualität

Zutaten und ihre Qualität spielen bei den Mast Brothers eine große Rolle, ins besondere auch, was Umweltfreundlichkeit und Klimaschutz betrifft. So versucht man, bei der Herstellung aller Produkte Müll zu vermeiden und auch mit biologisch abbaubaren Verpackungen zu arbeiten. 

Was die Schokoladenzutaten betrifft, kommt man ohne Aromen und auch ohne Emulgator aus. Ein bisschen auffällig ist, dass alle von mir probierten Tafeln Vanille enthalten. Gegen echte Vanille als Zutat gibt es zwar keine Einwände, dass sie überall zum Einsatz zu kommen scheint, spricht aber ein wenig gegen die Qualität des verwendeten Kakaos. 9/10


Preis / Leistung

Ich habe meine Schokoladentafeln bei Wholefoods in New York gekauft und war erstaunt angesichts es gigantischen Preise für die kleinsten Schokoladentafeln, die ich je erworben hatte. Die Minitafeln wiegen nur 28 Gramm und kosten je 3 Dollar, das ergibt einen 100-Gramm-Preis von 9,35 Euro. Ordentlich. 2/5



Geschmack

Angesichts der Tafelgröße entschloss ich mich, gleich drei Tafeln mitzunehmen und zu probieren:

Die Sorte "Sea Salt" ist eine dunkle Schokolade mit 72% Kakaogehalt. Das enthaltene Meersalz ist auf der Unterseite gut sichtbar. Die Schokolade schmeckt leicht malzig, ansonsten dominiert die Salznote. Ganz gut, aber nicht außergewöhnlich. 9/15

Die Geschmacksrichtung "Coffee" ist eine Milchschokolade mit 52% Kakaoanteil. Hier ist außen nichts vom Kaffee zu erkennen, und von der Optik her hätte ich auch keine Milchschokolade vermutet. Ich kann sie auch kaum schmecken, die Schokolade ist recht herb, schmeckt sehr deutlich nach Kaffee und ist mir von den drei Probetafeln die liebste. 10/15

Ein Flop war die Sorte "Almond Butter", eine dunkle Schokolade mit 50% Kakaoanteil. Auch hier ist angeblich - neben Mandeln - eine Prise Meersalz enthalten, aber was ich schmecke, ist eine übertriebene und unangenehme Süße. Der Gesamteindruck ist künstlich, dabei sind eigentlich nur natürliche Zutaten enthalten. 5/15


Gesamturteil

In den objektiv bewertbaren Kategorien erreichen die Mast Brothers 24 von maximal 30 Punkten. Bezieht man meine Geschmackseindrücke mit ein, erreicht die Sorte "Sea Salt" 33, "Coffee" 34 und "Almond Butter" 29 von maximal 45 Punkten.

Insgesamt halte ich die Schokolade nicht für schlecht, aber angesichts der Konkurrenzlage tatsächlich auch nicht für "besonders". Wer so viel Geld für Schokolade auszugeben bereit ist, kann Spektakuläreres bekommen.

Übrigens: Hier gibt es die Ergebnisse aller bisherigen Schokoladentests als Gesamtranking!     


Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

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