Zurück in der Punktewelt: Yayoi Kusama im Kölner Museum Ludwig


Vor schlappen zehn Jahren kam ich im Rahmen eines Festivals in Stockholm erstmals mit den Werken der Künstlerin Yayoi Kusama in Berührung. Damals besuchten mein Freund und ich das Stockholm Music & Arts Festival, das auf dem Gelände des dortigen Museums für moderne Kunst, des Moderna Museet, stattfand. An einem Vormittag nutzten wir die Chance, das Innere des Museums und die dort gezeigte Sonderausstellung zu besuchen, und verstanden erst dadurch, warum die Bäume draußen vielfach gepunktete Manschetten trugen - denn bei Kusama war und ist sehr vieles gepunktet., was sich auch auf die Festival-Dekoration ausgewirkt hatte.

Ich war damals überrascht und begeistert von der zufällig besuchten Ausstellung. Es gab mehrere der mir damals völlig unbekannten "Infinity Rooms" der Künstlerin, die einen mit Hilfe von Spiegeln in eine scheinbar endlose fremde (und häufig gepunktete) Welt versetzen.  





Kurz vor der Pandemie hatten mein Freund und ich entdeckt, dass die Londoner Tate Modern eine Kusama-Ausstellung angekündigt hatte, eine Reise dorthin kam dann aber 2021 nicht in Frage. Um so mehr freute ich mich, als er mich dieses Jahr zum Valentinstag mit einem Ausstellungsbesuch deutlich näher an unserem Wohnort überraschte: Bereits seit März und noch bis Anfang August findet im Kölner Museum Ludwig eine Yayoi Kusama-Ausstellung statt. Danach reisen die Kunstwerke, die größtenteils vorher schon in Basel gezeigt wurden, weiter nach Amsterdam.

Am Pfingstmontag war es für uns dann so weit. Die Ausstellung ist recht beliebt, so dass man sich auf jeden Fall im Vorverkauf Tickets sichern sollte - was immerhin für die meisten Tage auch kein Problem ist. Wir hatten uns Karten für 10 Uhr morgens gekauft, weil wir hofften, dass dann noch relativ wenig los sein würde. Aber es war natürlich ein Feiertag, zudem dürfen Kinder umsonst in die Ausstellung, was viele Familien angezogen hatte (für junge Besucher werden übrigens auch begleitende Malbücher und ein Kunst-Workshop nach Besuch der Ausstellung angeboten). Auch am Morgen war hier also durchaus schon einiges los.





Die Ausstellung bildet eine Art Retrospektive und beginnt mit dem Werdegang der Künstlerin - zunächst als Kind im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb (hierher stammt auch ihre Vorliebe für Samen und Früchte, insbesondere die Kürbisse), ihr Umzug nach New York und ihr Wirken in der dortigen Kunstszene der 1960er Jahre, mit viel Nackheit und Happenings auf der Straße - die man teils als Filme betrachten konnte. Viele Materialien entstammten dem Besitz der Künstlerin.

Alle Phasen von Kusamas Schaffen werden mit einer großen Zahl von Kunstwerken berücksichtigt, was natürlich toll, aber auch etwas fordernd für die Besucher war - zumindest mir fiel es teils schwer, die schiere Anzahl der Bilder ausrerichend zu würdigen, wenn ich wusste, dass noch viele weitere kommen würden. Und neben Bildern und räumlichen Installationen konnte man noch reichlich Skulpturen betrachten.




Innerhalb der Ausstellung gab es auch zwei Infinity Rooms zu sehen: der erste schien fast versteckt zu sein in einem großen Raum, der an sich auch schon mit gelb-schwarz gepunkteten Ranken überwältigte. Wer sich in die lange Schlange einreihte, durfte nach und nach in ein Spiegelkabinett mit weiteren, nun auch beleuchteten Ranken eintreten, wobei im Museum Ludwig der Ein- und Ausgang von Museumswärtern geöffnet und geschlossen wurden - was zum eine bedeutete, dass man sich für einen kurzen Zeitraum in einem in sich geschlossenen Raum und quasi einer perfekten Illusion aufhielt - aber zum anderen, dass nach gefühlt wenigen Momenten eine andere Tür geöffnet und man entschieden aufgefordert wurde, das Kunstwerk zügig wieder zu verlassen. 

Im ersten Raum überraschte mich diese Drängelei ziemlich (so etwas hatte es in Stockholm nicht gegeben), angesichts der langen Schlange musste ich aber einsehen, dass es so am gerechtesten war.





Weiter ging es, wir gelangten nun zu Rankenskulpturen, die mich an Monster aus "Stranger Things" erinnerten, sowie zu Bildern von Kürbissen, wie wir sie vor einigen Jahren im Moco Museum in Amsterdam gesehen hatten.





Bald fanden wir uns in der Schlange für den zweiten Infinity Room wieder. Dieses Mal handelte es sich um ein Schlafzimmer, in dem alle Flächen von zahllosen fluoreszierenden Klebepunkten bedeckt waren. Im Schwarzlicht sah es zunächst so aus, als kämen diese von einer Art Discokugel, was aber gar nicht der Fall war.





Kurz danach erreichten wir das Ende der Ausstellung - aber nicht so richtig, denn auf der Dachterrasse des Museums gab es noch drei große Blumenskulpturen zu bestaunen - und noch eine Art Zugabe-Infinity Room, ein kleines Spiegelkabinett, in dem man sich fühlte, als sei man im Inneren eines Kaleidoskops (im sonnigen Frühlingswetter diente es zudem als Sauna).

Bei dieser Ausstellung hatte ich zusätzlich auch besonderes Interesse am erhältlichen Merchandise gehabt, dieser entpuppte sich allerdings als ebenso vielfältig wie teuer - mehr als 20 Euro für einen Stoffbeutel fand ich recht ungewöhnlich und wollte auch nicht 200 Euro für eine Tasse ausgeben - wobei es zugegebenermaßen auch preisgünstigere Andenken zu kaufen gab, beispielsweise weitere Exemplare Kusama-Socken, die ich an diesem Tag selbstverständlich trug.

Insgesamt umfasst die Ausstellung über 300 Arbeiten, die zwischen 1934 und heute entstanden sind - und ich überlege momentan, ob ich mich vor dem Endtermin noch ein weiteres Mal auf den Weg nach Köln mache.





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