Aus bekannten GrĂ¼nden gab es bei uns 2020 und 2021 eine lange Wohnzimmerkonzert-Pause. Damals, im Februar 2020, hatten Wolf & Moon nach ihrem Besuch bei uns schon bald alle Touraktivitäten einstellen mĂ¼ssen. Vielleicht passt es deshalb ganz gut, dass Dominik, der "Nick" des Duos Nick & June, das wir vor einigen Wochen bereits in Wetzlar gesehen hatten, das Plattenlabel mitbetreibt, bei dem Wolf & Moon unter Vertrag stehen - und dass es dann eben Nick & June waren, mit denen wir unser Hobby als Konzertveranstalter wieder aufnahmen.
Die Planung war dabei durchaus kurzfristig: Mein Freund sah kurz nach dem Wetzlar-Auftritt, dass Nick & June in naher Zukunft in Bad MĂ¼nstereifel auftreten wollten, betrachtete Google Maps und erkannte, dass sie auf der RĂ¼ckfahrt sowieso bei uns vorbei kommen wĂ¼rden. Warum also bei der sonntäglichen RĂ¼ckfahrt nicht nachmittags bei uns Halt machen, noch ein Konzert spielen und dann die Reise nach NĂ¼rnberg fortsetzen?
Auch der Band leuchtete die geradezu zwingende Logik ein. AnschlieĂŸend galt es fĂ¼r uns, eine Art Hygienekonzept zu erarbeiten, denn auch bei niedrigen Corona-Inzidenzen wollten wir natĂ¼rlich auf jeden Fall vermeiden, dass sich jemand bei uns ansteckte. Da das Konzert ohnehin nachmittags stattfand, beschlossen wir, alle bodentiefen Fenster geöffnet zu lassen, Snacks und Getränke im Freien auf der Terrasse aufzubauen und alle Gäste zu bitten, nur geimpft, genesen oder getestet zu erscheinen. Die PublikumsstĂ¼hle stellten wir auch mit etwas groĂŸzĂ¼gigeren Abständen auf und planten mit weniger Besuchern als sonst. Innerhalb des Wohnzimmers sollten Masken getragen werden, die man am Platz abnehmen durfte. Die Reaktion auf diese Pläne testeten wir zunächst mit einigen Stammgästen: WĂ¼rden sie unter solchen Bedingungen kommen wollen? Sie wollten.
Das funktionierte auch alles prima, allerdings stellte sich dann kurz vor dem Wochenende heraus, dass wir zwar die Pandemie bedacht hatten, nicht aber die Hochwasserkatastrophe... Bad MĂ¼nstereifel stand mittlerweile unter Wasser, und es erschien unwahrscheinlich, dass die Band unter diesen Umständen dort auftreten könnte. WĂ¼rden sie am Ende alles absagen? Wir boten fĂ¼r die Nacht vor dem Auftritt eine Ăœbernachtungsgelegenheit an, die Musiker hatten sich aber bereits anders organisiert und wollten auch weiterhin kommen.
Und so entpuppte sich der Sonntag als vergleichsweise entspannt: Dominik und Suzie trafen ausgesprochen frĂ¼h bei uns ein, so dass schon einmal die Sorge wegfiel, versetzt zu werden (die nichts mit ihnen zu tun hatte, sie gehört fĂ¼r uns quasi zu den Vorbereitungen). Wir backten riesige Mengen Zimtschnecken, Blondies und Cookies fĂ¼r die Gäste, stellten vorbereitete Pralinen bereit, registrierten uns als "Lokal", in dem man mit der Luca-App einchecken konnte und mein Freund und Dominik begannen miteinander ein Musiknerd-Gespräch, das im Grunde bis zur Abreise von Nick & June andauerte.
Die beiden erwiesen sich ohnehin als die vielleicht nettesten Wohnzimmermusiker, die uns je besucht haben, und das bei durchaus groĂŸer Konkurrenz (nett waren sie nämlich alle): Sie bauten StĂ¼hle auf und ab, und hätte man sie gelassen, hätten sie vermutlich auch gebacken, serviert und abgespĂ¼lt. Stattdessen trugen sie dann eben jede Menge Instrumente (Gitarren, einen Bass, Ukulele, Keyboards, Melodika, Glockenspiel und vieles mehr) und deren Koffer ins Haus und fĂ¼hrten einen Soundcheck durch, bei dem wir schon einmal Ă¼berlegen konnten, wie sehr unser Nachmittagskonzert wohl die Nachbarn stören wĂ¼rde.
Da die Band dieses Mal erst nach dem Konzert bekocht werden sollte, kamen wir dadurch auch nicht in Zeitnot und begrĂ¼ĂŸten relativ entspannt die ersten Gäste, von denen wir alle persönlich kannten und viele seit dem letzten Februar nicht mehr gesehen hatten.
Und bald ging es schon los mit dem Konzert, das im Vergleich zu Wetzlar eine ähnliche Setliste aufwies, dafĂ¼r gab es aber eine unerwartete Zusatzshow: Die Nachbarskinder plus deren Besuch setzten sich nämlich vom Publikum aus sehr gut sichtbar an den Rand ihres GrundstĂ¼cks, hörten zu, tanzten ein bisschen, gingen kurz fort und kamen mit diversen Snacks zurĂ¼ck, die sie zuhörend genossen. Eine sehr niedliche Ablenkung...
... die aber natĂ¼rlich nicht nötig gewesen wäre, denn die Musik von Nick & June kam bei unseren Gästen sichtlich genauso gut an wie bei uns, ich sah lächelnde Gesichter und wippende FĂ¼ĂŸe, später, bei "Little Things" wurde auch mitgeklatscht. Während Nick & June nachmittags die uns bereits aus Wetzlar bekannte Coverversion "Blue Moon" geprobt hatten, Ă¼berraschten sie uns im späteren Set mit einer anderen, nämlich "After Hours" von The Velvet Underground. Erst zum zweiten Mal live spielte das Duo zudem den neuen Song "Lip Sync". Und der "Schreiausbruch" am Ende von "I & Love &" erlebte zumindest seine Wohnzimmerkonzert-Premiere.
Wie häufig bei unseren Hauskonzerten unterbrach die Band ihr Set etwa in der Mitte, was den Gästen ermöglichte, Getränke und Kuchen nachzufassen, Dominik konnte auĂŸerdem sein Shaker-Ei (eine Art Rasselring, den ich bereits in Wetzlar bewundert hatte) holen, das versehentlich mit den Instrumentekoffern in den ersten Stock gewandert war.
Allzu schnell verging auch die zweite Hälfte des Sets, zum GlĂ¼ck bekamen wir - nach fĂ¼r eine so kleine Zuschauerschar geradezu ohrenbetäubendem Applaus - noch zwei Songs als Zugabe. Unsere Gäste kauften sich noch erfreulich viel Band-Merchandise, während wir im Anschluss noch die Musiker bekochten, bevor diese sich auf die lange Heimfahrt machten.
Es bleibt abzuwarten, ob es nun wieder 500 Tage dauern wird, bis wir wieder einen solchen schönen Sonntagnachmittag erleben können.
Setliste:
You're the Voice
Homesick Blues
London City Boy, It's Killing Me
Solve My Mystery
Lip Sync
Manic Pixie Dream Girl
November Boy
When Mischa Left The O.C.
Anything But Time
I & Love &
Rain In June
After Hours (The Velvet Underground Cover)
Home Is Where The Heart Hurts
Once In A Life
Little Things
2017
Annie Hall









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