Die drei ??? und das Geheimnis der Tuba: The Notwist im Wiesbadener Schlachthof


Wie passend, dass ausgerechnet The Notwist die Band sind, die unsere Wieder-Premiere im Bereich "größere Konzerte" einläuteten: Die Musiker haben wir nämlich auch in den eingeschränkteren Pandemiejahren 2020 und 2021 je einmal live bei Open Airs gesehen - am Kölner Tanzbrunnen und beim Maifeld Derby. Nun also in einer regulären Konzerthalle, immer noch mit dem "aktuellen" Album Vertigo Days, das die Band nach wie vor nicht mit einer richtigen Tournee vorstellen konnte - bis jetzt.



In Hessen gelten mittlerweile keinerlei Einschränkungen mehr für Konzertbesuche, allerdings bat die Band via Facebook und auch per Aushang darum, dennoch nach Möglichkeit Maske zu tragen. Begründung: "Damit schützt Ihr Euch selbst und alle anderen, aber auch die Band und alle, die mit ihnen arbeiten und helft damit, dass Touren / Konzerte weiterhin stattfinden können und Clubs / Veranstalter weiter arbeiten können etc." Dieser Aufforderung kamen wir gemeinsam mit etwa der Hälfte der anderen Konzertbesucher nach - zu deren Ehrenrettung man sagen muss, dass es vermutlich recht leicht war, sie zu übersehen.



Der Schlachthof fasst um die 2.200 Zuschauer, so viele dürften am Samstagabend aber bei weitem nicht anwesend gewesen sein: Die Bühne war in Erwartung einer geringeren Besucherzahl vorgezogen worden, und die Konzertgäste standen auch im so verkleinerten Raum nicht dicht an dicht wie in Vor-Pandemiezeiten. Auf der Bühne war bei unserem Eintreffen bereits alles fertig aufgebaut, wodurch wir als fleißige Notwist-Konzertbesucher und Hobby-Detektive schon einige Schlussfolgerungen ziehen konnten: Das Vibraphon, das wir letztes Jahr auf der Bühne vermisst hatten, war zurückgekehrt - und damit auch dessen Eigentümer Karl Ivar Refseth. Und, fast noch aufregender: Die Tuba, die vor dem Auftritt beim Maifeld Derby zwar ausgiebig ausprobiert worden war, aber dann im eigentlichen Set nicht zum Einsatz gekommen war (sehr wahrscheinlich aus Zeitgründen) war ebenfalls zu sehen. 

Heute würden sich also die Fragezeichen klären, zu welchem Lied und in welcher Form ein derart ungewöhnliches Instrument benötigt wurde!

Ebenfalls aus dem letzten Spätsommer kannten wir die Stehlampen mit LED-Kreisen, die ein weiteres Mal die Bühne dekorierten, hinzu kamen weitere Lampen, die auf Balken oder auch Winkeln angeordnet waren.



Die Band betrat gewohnt bescheiden - ohne Vorband und auch ohne Intro - die Bühne, ungewohnt war, dass wir von Markus Acher mit einem "Guten Abend" begrüßt wurden. Es ging los mit einem Set, das neben acht Songs von "Vertigo Days" natürlich auch Lieder aus früheren Epochen der Bandgeschichte enthielt. Sowohl die Musiker als auch das Publikum machten dabei einen ausgesprochen gut gelaunten Eindruck - vermutlich waren alle erleichtert, dass so etwas wie eine Tour endlich wieder stattfinden kann.

Gar nicht mehr gewohnt waren wir die Lautstärke normaler Konzerte: Ich glaube, dass ich meine Konzert-Ohrenstöpsel seit 2019 nicht mehr verwendet hatte, war an diesem Abend aber froh, sie griffbereit in der Handtasche zu haben. Und selbst mein Freund, der in Lautstärkefragen normalerweise weniger empfindlich ist, griff nach wenigen Songs ebenfalls zum Gehörschutz.

Das aktuelle Album enthält auch mehrere Lieder mit Gastsängern und -sängerinnen, diese waren aber natürlich nicht anwesend. "Oh Sweet Fire" sang Markus Acher ersatzweise selbst, bei "Ship" sang er ebenfalls, wenn auch mit verzerrter Stimme, den Refrain spielte er per Knopfdruck ein.



Bei den letzten Klängen von "This Room" war es wieder so weit, dass Micha Acher die Tuba anzog - kein ganz einfacher Vorgang bei einem so sperrigen Instrument. "Object 11" stellte sich dann als Instrumentallied mit viel Tubaeinsatz heraus, Cico Beck griff zusätzlich noch zu einer Melodika.

Die live gespielten Versionen der Lieder waren gelegentlich wesentlich länger als die auf Platte veröffentlichten, so war "This Room" so lang und kakophonisch gewesen, dass ich mir auch hätte vorstellen können, dass die Tuba noch in diesem Song eingesetzt würde. Auch "Kong" war wesentlich länger als auf Platte.



Mit "Gravity" endete das geplante Set, die Band war nach dem Applaus aber quasi sofort wieder da, spielte "Sans Soleil" und "Pilot" - letzteres hatte ich bis zum letztjährigen Auftritt in Mannheim für einen festen Bestandteil jedes Notwist-Konzertes gehalten und war nun froh, dass der Song wieder gespielt wurde - selbstverständlich ebenfalls in einer extralangen Version.

Eine zweite Zugabe bestand aus "Consequence" und "0-4", einem weiteren Instrumentalsong, der sich dieses Mal auf Karl Ivar Refseth und sein Vibraphon konzentrierte.

Ein wieder einmal sehr schönes Notwist-Konzert, und man kann der Band nur wünschen, dass die nun startende Konzertreihe wirklich wie geplant stattfinden kann.



Setliste:

Into Love / Stars
Exit Strategy to Myself
Kong
Pick Up the Phone
Where You Find Me
Ship
Into the Ice Age
Oh Sweet Fire
One With the Freaks
This Room.  
Object 11
Into Another Tune
Loose Ends
Gravity

Sans Soleil 
Pilot (Different Cars and Trains remix)

Consequence
0-4

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