Ein bisschen Frieden: Peace im Offenbacher Hafen 2

U.
Ich glaube, im Management des Offenbacher Hafen 2 wird jemand benötigt, der gut rechnen kann. Letztes Jahr musste das Kunst- und Kulturetablissement kurzfristig 330 000 Euro auftreiben, um einen erzwungenen Umzug zu finanzieren. Tatsächlich kam etliches an Spenden zusammen, mit einem zusätzlichen Kredit konnte dann ein Neubau nicht weit vom alten Standort finanziert werden.


Demgegenüber erscheint es komisch, dass Pascal Pinon kürzlich im alten Hafen 2 umsonst auftraten, für die englische Hype-Band Peace, die gestern im neuen Gebäude spielte, wurden gerade einmal 5 Euro verlangt (wir bekamen mit unserer fadenscheinigen, wenn auch wahren Behauptung, dass wir auf der Gästeliste stehen müssten, sogar umsonst rein). Und dann die Anfangszeiten: Peace waren für Mitternacht angesetzt! Demgegenüber werden Alcoholic Faith Mission am 9. Juni um 17 Uhr auftreten (übrigens ebenfalls umsonst) - das nenne ich mal Variation!


Mit Zahlen hat man es im neuen alten Kulturzentrum also wohl nicht so, dafür zeigte die Erstbesichtigung des neuen Standorts, dass alles sehr schön geworden ist. Draußen kann man nach wie vor auf einer Wiese vor einem alten Waggon abhängen, drinnen sitzt man nun, wahlweise Kuchen essend oder Bier trinkend, mit direktem Blick auf den Main. Die Halle, in der die Clubabende und Konzerte stattfinden, ist nun viel größer, als früher, was es sicher erleichtern wird, spannende Bands zu buchen.

Peace aus Birmingham sind vier Jungen, auf deren Wikipedia-Seite der Schulbesuch (und wer wen wann wo getroffen hat) noch einen recht großen Raum einnimmt, weil das alles eben noch nicht wirklich lange her ist. Mittlerweile schaffte es die Band jedoch aufs Cover des NME, der sie als "finest British debut of the year" bezeichnete.


Also harrten wir alten Leute tapfer bis Mitternacht aus, um die Band zu betrachten, für die so langes Aufbleiben vielleicht noch ein eher neues Erlebnis ist ... Immerhin ging das Konzert mit beinahe Noel Gallagher-mäßiger Pünktlichkeit gegen Mitternacht los, die Band (die im übrigen wie einst Oasis ein Brüderpaar enthält) erklomm die Bühne, während im vorderen, abgehangenen Drittel der Halle die Musik der das Event umrahmenden Bedroomdisco noch lief und auch noch nicht viele Gäste den Weg vor die Bühne gefunden hatten.


Als junge Band hat man ja, mangels Material, ein Vorrecht auf kurze Konzerte, und die bereits vorab ergatterte Setliste bestätigte, dass der bereits späte Abend zumindest nicht mehr allzu lang werden würde. So spielten Peace, die ihrem Retro-Bandnamen folgend größtenteils in leicht seltam gemusterte Hemden gehüllt waren, ihr Album annähernd komplett, zu Beginn auch in der gleichen Songreihenfolge: "Higher than the sun", "Follow Baby" und "Lovesick") und verloren sonst auch nicht viele Worte - Sänger Harry Koisser ließ sich ein paarmal zu "Saturday Night!" hinreißen, das war es aber auch schon fast an Äußerungen. Nicht einmal, dass das Debütwerk "In Love" morgen in Deutschland erscheint, wurde erwähnt.


Laut Presse klingen Peace vor allem wie die Stone Roses oder Ash, zumindest live musste ich aber eher an Rockbands aus den Sechzigern und Siebzigern denken - oder aber, ich stand unter Einfluss des Peace-Symbols, das hinter der Bühne aufgehängt worden war. Lediglich vereinzelt kamen Erinnerungen an Retro-Bands wie Kula Shaker oder Madchester-Veteranen wie Happy Mondays ("Waste of Paint") auf.

Nach einer knappen Stunde war Schluss, das Publikum klatschte eher freundlich als begeistert für eine Zugabe und bekam dann auch keine. Am Merchandise-Stand hätte man sich zum Bandnamen passende, gruselige Batikshirts mit Peace-Symbol kaufen können. Wahnsinnig beeindruckt hatte auch mich dieser Auftritt nicht, aber wer weiß ... Peace stehen ja noch ganz am Anfang, vielleicht kommt da ja noch etwas aufregenderes.



Setliste:

Higher than the sun
Follow Baby
Lovesick
Scumbag
Toxic
Waste of Paint
Float Forever
Delicious
Wraith
1998
California Daze
Bloodshake



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