Neulich bei Roberts Geburtstagsparty: The Cure beim British Summer Time Festival im Londoner Hyde Park


Die Berichterstattung zu meiner letztwöchigen Londonreise erfolgt dieses Mal in umgekehrt chronologischer Reihenfolge: Quasi das erste, das wir in London unternahmen, war das Mini-Festival im Hyde Park rund um das Jubiläum von The Cure, zum Ende hin besuchten wir Darren Hayman und dann erfolgte eine relativ suboptimale Rückreise - über beides gab es hier schon Berichte, nur der wichtigeste stand noch aus - bis jetzt!

British Summer Time ist eine Konzertreihe im riesigen Londoner Hyde Park, die schon seit 2013 besteht. Im Park wird alles für ein Festival aufgebaut und abgetrennt, dann finden zwei Wochenenden lang jeweils von Freitag bis Sonntag Einzelevents um je eine zugkräftige Band statt. Zwischendurch wird der mit zahlreichen Fressständen und anderen Attraktionen wir einem Kettenkarussel ausgestattete Bereich für andere Veranstaltungen wir Filmvorführungen genutzt.

Als mein Freund im Dezember 2017 mit der Idee um die Ecke kam, dass wir den British Summer Time-Termin mit The Cure am letzten Samstag besuchen könnten, war ich sofort einverstanden. Das lag aber weniger an The Cure, die den Anlass nutzten, um ihr 40jähriges (!) Bandjubiläum zu feiern, sondern an den bereits bestätigten Vorbands: The Twilight Sad, Ride, Editors, Interpol, Slowdive, Goldfrapp: Sie alle sollten ebenfalls auftreten. Das war doch einmal ein überzeugendes Lineup.


Drei Dinge hatte ich bei der Buchung so nicht erwartet: Erstens verbinde ich mit dem englischen Sommer nur selten hohe Temperaturen, so dass ich für den Julitermin zwar auf Sonnenschein hoffte, aber Regen erwartete. Und zum anderen hatte ich die Eintrittskarten bei einer Amazon-Tochter namens "Amazon Tickets" gekauft (muss man sich nicht merken, das Unternehmen wurde bereits wieder aufgegeben), wo man mir mit der Kaufbestätigung mitteilte, Ticketkäufer von außerhalb Großbritanniens müssten ihre Karten vor Ort abholen, statt sie zugeschickt zu bekommen.

Tatsächlich waren für den 7. Juli Temperaturen von über 30 Grad angekündigt. Der Hyde Park sah wegen der bereits seit Wochen andauernden Hitzewelle aus wie eine braune Steppe, und als wir uns um kurz vor 12 einfanden, um unsere Tickets abzuholen, erwartete uns eine schier endlose Schlange von Nicht-Engländern, die allesamt darauf warteten, an einem von sechs kleinen Büdchen ihre Tickets zu bekommen. Da deren Ausgabe ausgesprochen schlecht organisiert war - man sah von hinten stets, wie Festivalbesucher ihre ausgedruckte Buchungsbestätigung und ein Ausweisdokument ins Büdchen reichten, worauf der zuständige Angstellte als erstes aufstand und umher lief, mit ein paar Kollegen diskutierte, dann die Karten suchen ging und diese dann letztlich nach recht langer Wartezeit übergab - begannen wir den Konzerttag mit 90 Minuten Schlange stehen in der prallen Sonne.


Andere Konzerte der British Summer Time-Reihe (am Tag davor spielte Roger Waters, an dem danach Eric Clapton) haben einen sogenannten "golden circle", so dass nur Zuschauer, die extra bezahlt haben, in den Bereich direkt vor der Bühne gelangen können. The Cure hatten hierauf dankenswerterweise verzichtet, dafür hatte ich uns Karten bestellt, die für 10 Pfund extra einen früheren Zugang zum Gelände versprachen - nur dass wir diesen zeitlichen Vorsprung bereits aufgebraucht hatten, als wir dann endlich unsere Tickets in den Händen hielten.

Hier kam aber die dritte Sache gelegen, die ich bei der Buchung nicht beachtet hatte: England spielte an diesem Nachmittag im Viertelfinale der Fußball-WM, und nachdem der Veranstalter vorab erklärt hatte, man werde das Spiel nicht vor Ort zeigen, und es auch keine Möglichkeit zum Wiedereinlass gab, warteten offensichtlich viele der Konzertbesucher das Fußballspiel ab, bevor sie sich auf den Weg zum Hyde Park machten. So kamen wir dann doch zügig auf das Gelände und auch in den Vorbühnenbereich. Für diesen wurden, wie wir das bereits vor Jahren bei den Stone Roses erlebt hatten, kostenlose Armbändchen verteilt, die es ermöglichten, ihn zu verlassen und auch wieder zu betreten, ohne sich Sorgen machen zu müssen, sein Zugangsrecht zu verlieren. Wir ergatterten solche Bändchen und sahen dem Tag nun gleich viel positiver entgegen.


Nun hatten wir auch ein Auge für das Gelände an sich. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem vergleichbar riesigen Event mit 65.000 Besuchern war - möglicherweise war es das erwähnte Stone Roses-Konzert. Neben der Hauptbühne gab es noch zwei kleinere, und es sollten noch einige zusätzliche Musikacts auftreten, beispielsweise Lisa Hannigan. Auch gab es eine endlos erscheinende Zahl von Fress- und Bierständen, die hinter künstlichen, bunten Häuserfronten untergebracht waren, letztere sogar mit Metallabsperrungen, die eine ordentliche Warteschlange gewährleisten sollten. Sowohl Coca Cola als auch Reese's verschenkten kostenlose Proben ihrer Produkte, außerdem konnte man an mehreren Stellen aufgrund der Hitze umsonst Leitungswasser bekommen.

Im Vergleich zu deutschen und niederländischen Festivals fiel mir sofort negativ auf, dass das Thema Recycling und Müllvermeidung hier allenfalls halbherzig angegangen wurde: Getränke wurden in Plastikbechern und -flaschen ausgegeben (auch das Umsonstwasser), und nachdem für diese kein Pfand anfiel, landeten sie im besten Fall massenweise im Müll, im schlechtesten zu Füßen der Zuschauer vor der Bühne. Allein Coca Cola hatte direkt neben den Ausgabestellen für seine winzigen Getränkedosen auch direkt einen Sammelbehälter aufgestellt. Dass auf Infoscreens zu lesen war, dass im Interesse der Müllvermeidung auf Strohhalme verzichtet werde und die Essensverkäufer nur wenig Verpackung zur Verfüfung stellen würden, las sich angesichts der Plastikmüllmassen als Lippenbekenntnis.


Es gab aber natürlich auch Positives zu entdecken: Überall saßen gut gelaunte Menschen auf Picknickdecken, nicht wenige davon im Robert Smith-Gedächtnislook (es gab auch etliche schwarze Korsagenkleider sowie ein Gothic-Katzenkostüm zu bewundern). Neben dem erwähnten Kettenkarussel vermittelten auch Sambatänzerinnen und eine sich wiederholende Parade aus Trommlern und Menschen in Tierkostümen den Eindruck, eine Art Volksfest zu besuchen. Zur musikalischen Ausrichtung dieses Tages passte beides natürlich eher nicht.


Zurück an der Hauptbühne, die an beiden Seiten mit riesigen künstlichen Bäumen verziert war, war es nun Zeit für die erste Band, Pale Waves. Das Quartett aus Manchester, das noch kein Album veröffentlicht hat, passte optisch definitv sehr gut als The Cure-Vorband - die Sängerin Heather Baron-Gracie hätte mit ihrem Gothic Make-up und den schwarz gefärbten Haaren in jede Gruftidisco gepasst. Der Sound von Pale Waves ist allerdings eher dem Genre Pop zuzuordnen und passte gut zum sonnig-heißen Nachmittag, an dem mir langsam klar wurde, dass das Mitbringen einer Kopbedeckung eine gute Idee gewesen wäre. Baron-Gracie beendete ihr kurzes Set mit den Worten "Enjoy the fucking Cure!", aber bis dahin war es natürlich noch lange hin...



Setliste:

Television Romance
Heavenly
Kiss
My Obsession
The Tide
New Year's Eve
There's A Honey


Weiter ging es gleich mit einem - aus unserer Sicht - ersten Höhepunkt, Slowdive. Die Band hatten wir erst wenige Wochen zuvor beim Traumzeit-Festival gesehen. Zum Glück trug Rachel an diesem Tag nicht wieder ihr Kaktus-Kleid, was mein Freund als nun wirklich unmissverständliche Aufforderung an ihn persönlich verstanden hätte, die Band auch noch beim Cactusfestival zu besuchen. Stattdessen hatte sie in ihrem Kleiderschrank ein schwarzes Kleid gefunden, das perfekt zum Headliner passte, so viel schwarze Spitze und Tüll wies es auf. Und auch der kleine Aufblasflamingo auf dem Keyboard, in dem Rachel normalerweise ihre Percussion-Instrumente aufbewahrt, war an diesem Tag einem schwarzen Schwan gewichen.


Slowdive erschienen sehr gelöst und fröhlich, mehrere Bandmitglieder hatten kleine Kinder dabei (die von Neil Halsted trugen passend zum Papa Schirmkappen), denen vor und nach dem Set die Bühne gezeigt wurde. Rachel begrüßte uns, sicherlich als Kommentar zur Fußballsituation, mit "It's nice to see so many of you!", und in der Tat war es vor der Bühne schon durchaus voll geworden. Im Vorfeld hatten Slowdive auf Twitter gewitzelt, man könne das Fußballspiel, dessen Übertragung beim Festival sich viele via Facebook von den Veranstaltern gewünscht hatten, auch gerne in ihrem Bühnenhintergrund zeigen, sie hätten ohnehin keine Animationen geplant.


Neil Halstead sagte noch, es sei eine Ehre, gebeten worden zu sein, vor The Cure zu spielen, "even if it's a long time before The Cure", und Rachel erwähnte, sie könne von der Bühne aus ihren Vater im VIP-Bereich sehen und winkte ihm zu.

Das Set an sich war recht kurz und wies gegenüber dem beim Traumzeit-Festival keine Veränderungen auf, nur Kürzungen. Dadurch, dass man sehr lange Songs im Set belassen hatte, schaffte man dann auch nicht allzu viele, was ein bisschen schade war. Dennoch eine schöne Stippvisite einer Band auf Familienausflug. Rachel nahm nach Ende des Auftritts noch ihren a CHARGE Syndrom leidenden Sohn mit auf die Bühne und zeigte ihm das Publikum, das tosend applaudierte.



Setliste:

Slomo
Catch the Breeze
Crazy for You
Star Roving
Souvlaki Space Station
Sugar for the Pill
When the Sun Hits


Nach einem kurzen Spaziergang auf dem Gelände verpassten wir glatt den leicht vorverlegten Anfang der Editors. Aber, welch Freude: Die Band hatte offensichtlich mein Memo zum letzten Konzert gelesen und verinnerlicht! Schon als zweites Lied hörten wir zu meiner großen Begeisterung "Smokers Outside the Hospital Doors", insgesamt hatte man, wie es bei einem Festivalauftritt ja auch ratsam ist, die Setliste zugunsten der Hits gekürzt und vieles vom neuen Album und - Hurra! - auch "Eat Raw Meet" gestrichen. Was übrig blieb, konnte sich hören lassen, und neben meinem Lieblingssong erfreute mich auch "Munich" und auch der schöne Übergang von "Violence" zu "No Harm".


Ganz bis zum Ende gelesen hatte die Band meine Vorschläge dann aber doch nicht, denn die Gelegenheit, "Ocean of Night" mit der ja ohnehin anwesenden Rachel Gosling zu präsentieren, ließ man verstreichen. Und wäre die Position als Support Act für The Cure nicht ideal gewesen, um auch dem früher viel live gespielten Cover von "Lullaby" eine Rückkehr ins Liveset zu erlauben?

Tom Smith hatte seine sicherlich schweißnassen Haare übrigens mit einer roten Schirmmütze verborgen und war der einzige Künstler, den wir an diesem Tag sahen, der die volle Breite der Bühne für Ausflüge ans eine oder andere Ende nutzte.


Setliste:

Hallelujah (So Low)
Smokers Outside the Hospital Doors
Blood
Munich
Violence
No Harm
The Racing Rats
Papillon
Magazine


Anschließend machten wir einen kurzen Ausflug zur zweiten Bühne am entgegengesetzten Ende des Geländes, vor der sich anscheinend viele Zuschauer versammelt hatten, die keine Innenraum-Bändchen für die Hauptbühne ergattert hatten. Hier waren gerade The Twilight Sad mitten in ihrem Set. Leider schien es hier noch ein Grad heißer zu sein, was vermutlich daran lag, dass einem die Sonne von hinter der Bühne ins Gesicht schien. Die Konzentration auf die Band fiel schwer, und wir gingen schon bald, uns auch innerlich vom Ride-Auftritt auf derselben Bühne verabschiedend, zurück zur Hauptbühne. Zischen Interpol und The Cure hätte das viel Gedrängel in wenig Zeit bedeutet.


Dort war es nun Zeit für Goldfrapp. Sängerin Alison tritt schon seit geraumer Zeit ohne ihren Bandpartner Will Gregory auf, eine Band hatte sie aber dabei - inklusive Keyboarderin mit Dieter Bohlen-Umhängekeyboard. Sie trug ein unglaublich blaues Ensemble aus langer Hose und einem luftigen Oberteil mit Walleärmeln - definitiv etwas, das man sich eigens für die Bühne anfertigen lässt. Darin tanzte sie theatralisch zu den ausgewählten Songs, die allesamt aus dem synthie-rockigeren Material der Band stammten, wild herum, während vier Ventilatoren für die nötige Dramatik und Abkühlung sorgten.


Der Samstag war auch gleichzeitig Tag der schwul-lesbischen Pride-Parade in London, weshalb wir von Alison auch mit "Happy Pride Day!" begrüßt wurden, "Ride a White Horse" wurde den Pride-Feiernden gewidmet. Zwischendurch erwähnte sie, dass wir sehr ruhig seien, wobei ich nicht recht weiß, ob das als Kompliment oder als Kritik gemeint war.

Alison zog ihr kleines, feines, energiegeladenes Set schnell durch, verabschiedete sich mit "Thank you goths, have a wonderful evening!" und war schon wieder weg.



Setliste:

Anymore
Train
Ocean
Number 1
Systemagic
Ride a White Horse 
Ooh La La
Strict Machine


Nach einer kurzen Wartezeit, in der wir uns weitere Umsonst-Cola und Umsonst-Wasser besorgten (tatsächlich gaben wir bei dem Festival letztlich keinen Penny zusätzlich zum Eintrittsgeld aus, was so gar nicht geplant gewesen war) war es nun Zeit für die einzige Band des Tages, die ich noch nie live gesehen hatte: Interpol.

Deren erste beiden Alben hatte ich vor vielen Jahre rauf und runter gehört, für einen Konzertbesuch hatte es aber nie eine Gelegenheit gegeben. Wahrscheinlich dachte sich die Band schon, dass die meisten Zuschauer musikalisch den Anschluss verloren hatten, denn wie die Editors und Goldfrapp spielten auch sie ein Best Of-Set mit vielen Liedern eben der ersten beiden Alben.


An Coolness waren die Herren hierbei kaum zu überbieten - hier trugen fast alle Anzüge und Sonnebrillen, und verschwitzt sah wundersamerweise trotzdem niemand aus. Den Preis der stilsichersten Band des Tages konnten Interpol definitiv mit nach Hause nehmen.

Gesprochen wurde nicht wahnsinnig viel, Sänger Paul Banks erwähnte allerdings, dass sich Interpol The Cure sehr verbunden fühlten, weil sie schon einmal gemeinsam getourt seien. Außerdem kündigte er das brandneue Lied "The Rover" an.

Wie erwartet gefiel mir das Liveset gut. Wer so cool ist, kommt bei einem Auftritt natürlich auch nicht gerade persönlich rüber, aber das kann man ja auch nicht erwarten.



Setliste:

Not Even Jail
All the Rage Back Home
Take You on a Cruise
Obstacle 1
Rest My Chemistry
The Rover 
Length of Love
Roland
Lights
Success
The New
Evil
Slow Hands


Endlich näherte sich die Sonne, die uns den ganzen Tag erbarmungslos auf die Köpfe geschienen hatte, dem Horizont. Dennoch war es noch hell, als nun The Cure die Bühne betraten. Robert Smith kommentierte das wortlos auf seine eigene Art, indem er, während er die Bühne betrat, gegenüber der noch vorhandenen Sonne abwehrend die Zeigefinger kreuzte.

Ohne große Worte startete das Set zu großem Gejubel mit "Plainsong", auch ich war positiv verwirrt: Obwohl dieses bereits mein fünftes The Cure Konzert war (und bereits mein drittes in London), bin ich kein großer Fan und bin im wesentlichen mit den Singles vertraut. Meine Erfahrung von früheren Auftritten war, dass ich in typischen Livesets der Band die wenigsten Songs kannte - das Gesamtwerk ist halt recht groß, und The Cure spielen bei Konzerten gerne obskure Albumtracks.


Groß ist aber natürlich auch das Single-Werk, und auf dieses konzentrierte sich glücklicherweise der Geburtstagsauftritt. Auf "Plainsong" folgten "Pictures of you" und "High", und sogar ich kannte alles! So hatte ich mir früher ein The Cure-Konzert vorgestellt!

Robert Smith hatte ganz zu Beginn nur kurz gesprochen und gesagt, er würde gerne mehr sagen, müsse sich aber aktuell angesichts der Sonneneinstrahlung voll darauf konzentrieren, nicht zu einem Häufchen Staub zu zerfallen. Er wirkte aber - zugegebenermaßen noch mehr, als die Sonne dann endlich untergegangen war - einerseits gesünder als bei vergangenen Auftritten und andererseits ausgesprochen fröhlich. Das Bandjubiläum machte ihm sichtlich Spaß. Er trug auch eine offenbar extra für den Auftritt beschriftete Gitarre, auf der die Eckdaten der Band (1978 bis 2018) zu lesen waren. Dass darauf auch die EU-Sterne sowie die Worte "Citizen Not Subject" zu sehen waren, darf man wohl als politisches Statement verstehen.


Der Auftritt war als einziges The Cure-Konzert in Europa 2018 beworben worden - so ganz stimmt das nicht, denn kurz zuvor hatte in London das von Robert Smith kuratierte Meltdown-Festival stattgefunden, bei dem die Band ebenfalls aufgetreten war (was möglicherweise so nicht geplant gewesen war). Beim Meltdown war das Konzept des Auftritts gewesen, von jedem Album ein Lied zu spielen, in chronologischer Reihenfolge bis zur Gegenwart und dann wieder zurück. Mir als Nicht-Expertin gefiel das Konzept im Hyde Park, das wohl "Hits" lautete, viel besser, die Songs kreisten um das Album "Disintegration" mit sechs gespielten Songs, nur ein Lied, "The Ende of the World",  stammte aus diesem Jahrtausend, und es gab mit "Burn" aus dem Soundtrack zu The Crow (zweitältestes Lied von 1994) nur einen obskuren Song. Tatsächlich fragte mein Freund mich nach dem Hauptset, ob ich denn noch irgendwelche Lieder kennen würde, die noch nicht gespielt worden seien. Ich antwortete "Lullaby" und "Why Can't I be You?", die dann quasi sofort folgten.

Den Höhepunkt der Nostalgieshow hob sich Smith fürs Ende auf, "Jumping Someone Else's Train",  "Grinding Halt", "10:15 Saturday Night" (allesamt von 1979) und zuletzt "Killing An Arab" von 1978. Die ersten beiden davon waren zuvor sieben Jahre nicht live gespielt worden, "10:15 Saturday Night" wurde zeitlich annähernd pünktlich dargeboten.



Die besser eingearbeiteten Fans taten die Dinge, die man als Fan so macht (Mitsingen bei "Play for Today", Mitklatschen bei "A Forest", Hände in die Luft bei "From the Edge of the Deep Green Sea") und waren ebenfalls sichtlich zufrieden mit der Hit-Dichte. Für Festival-Verhältnisse war der Auftritt mit zwei Stunden und zwanzig Minuten beachtlich, für The Cure-Verhältnisse vermutlich dennoch eher kurz.

Gegen Ende sagte Smith noch gerührt, er habe, als die Band an diesem Abend vor vierzig Jahren erstmalig als The Cure aufgetreten sei, niemals erwartet, dass sich die Dinge so entwickeln würden.



Setliste:

Plainsong
Pictures of you
High
A Night like this
The Walk
The End of the World
Lovesong
Push
In Between Days
Just Like Heaven
If Only Tonight We Could Sleep
Play for Today
A Forest
Shake Dog Shake
Burn
Fascination Street
Never Enough
From the Edge of the Deep Green Sea
Disintegration

Lullaby
Caterpillar
Friday I’m in Love
Close to me
Why Can’t I Be You
Boys Don’t Cry
Jumping Someone Else’s Train
Grinding Halt
10:15 Saturday Night
Killing An Arab


Nach Ende des grandiosen Auftritts war ich ein wenig nervös, weil ich es von ähnlichen Großveranstaltungen (die erwähnten Stone Roses in Manchester 2012 sowie Radiohead im Londoner Victoria Park 2008) kannte, dass das Verlassen des Geländes und der Weg zur U-Bahn gut und gerne eine Stunde dauern könnten. Zumal 65.000 Personen eben auch schlecht in eine U-Bahn passen. So machten wir uns in Sorge, gegebenenfalls die letzte Fähre Richtung Hotel zu verpassen (Ja, eine Fähre!) quasi direkt nach der letzten Note auf Richtung Ausgang. Da es sowohl unterschiedliche Ausgänge als auch diverse U-Bahn-Stationen in der Umgebung gab, bewegten wir uns jedoch zwar in einem beachtlichen Pulk zur Station "Green Park", es gab aber keinerlei Verzögerungen.

Insgesamt war ich, abgesehen von der Schwierigkeiten bei der Ticketabholung (wobei hier erwähnt werden muss, dass die Extragebühr für den "early access" hinterher unaufgefordert erstattet wurde), sehr zufrieden mit der Großveranstaltung. Vielleicht lag es am Fußballspiel, das dafür sorgte, dass viele Besucher erst zum Hauptact auftauchten, aber es war niemals unangenehm voll, und obwohl ich mir im Vorfeld viele Sorgen um die bei einem Konzert dieser Größe zu erwartenden besoffenen Idioten gemacht hatte, sah ich keinen einzigen.

Etwas schade war nur die enge Taktung der Auftritte, die es für uns schwierig bis unmöglich machte, The Twilight Sad, Ride und Lisa Hannigan, die auf den anderen vorhandenen Bühnen auftraten, zu sehen.

Keine Kommentare:

Powered by Blogger.