Der große Schokoladentest (4): Lindt


Nach Magnum, Tony's Chocolonely und GEPA kommt heute in meiner Reihe die sicherlich bislang bekannteste Schokoladenmarke ins Spiel: Lindt kenne ich seit meiner Kindheit und war damals auch die einzige Marke, die ich im Bereich Pralinen kannte (na gut, höchstens noch die komischen Produkte, die beim Kölner Rosenmontagszug geworfen wurden und wirklich nicht gut schmeckten). Ich habe auch den Eindruck, dass es dir Pralinenschachteln meiner Kindheit quasi unverändert noch gibt. Dass Lindt auch Schokoladentafeln anbietet, habe ich erst viel später bemerkt. Heute nehmen sie in jedem Supermarkt gewaltigen Regalplatz ein, und um Weihnachten und Ostern herum ist ohnehin kein Herumkommen um Lindt.

Die Lindt & Sprüngli AG ist übrigens eigentlich nach wie vor ein Schweizerisches Unternehmen und dort auch börsennotiert, der Großteil der internationalen Produktion stammt allerdings aus Aachen. In den 1990er Jahren erfolgte eine starke internationale Expansion. Heute gibt es Lindt so gut wie überall auf der Welt zu kaufen.

Zum Produkt 

Bei Tafelschokolade hat Lindt in Deutschland einen angesichts des eher höher liegenden Preises beachtlichen Marktanteil von 7 Prozent (Milka und Ritter Sport haben je 25, Quelle). Immer wieder werden die Tafeln mit Sonderrabatt angeboten, so gab es auch die von mir gekauften zum "Probierpreis".

Aus der beachtlichen Auswahl von Tafelschokoladen (unten mehr dazu) entschied ich mich für zwei der "Mousse au Chocolat"-Sorten, nämlich einmal "Zimt" und einmal "Noisette". Beide Tafeln enthalten je 140 Gramm Vollmilchschokolade, die mit einer (Wer hätte es gedacht?) Mousse gefüllt sind.

Originalität

Hinsichtlich Sortenauswahl kann man sich bei Lindt wahrlich nicht beschweren, allein die von mir betrachtete "Mousse"-Kategorie verfügt über 11 Sorten, es gibt aber noch viel mehr - im Onlineshop findet man unter "Tafeln" 97 verschiedene Produkte! Von Klassikern wie Vollmilch und Zartbitter über Traditionsmodelle wir "Lindor" oder "Cresta" bis hin zu Neukreationen wie dunkler Schokolade mit Meersalz oder Saisonprodukten für Sommer und Winter: Lindt hat alles. Die etwas moderner angelegte Untermarke "Hello" versucht sich an Trendsorten wie "Caramel Brownie". Die Verpackung fällt nicht sonderlich auf, nur "Hello" fällt ein wenig aus dem Rahmen. 8/10


Nachhaltigkeit

Da wären wir schon beim Thema: Lindt ist nicht Mitglied bei den diversen Nachhaltigkeitsverbünden wie UTZ oder Rainforest Alliance, sondern geht im Bereich Sustainability seinen eigenen Weg. Begründet wird das damit, dass der Konzern weltweit dieselben Maßstäbe hinsichtlich Nachverfogbarkeit seiner Rohstoffe, fairen Preisen für Kakaobauern sowie weiteren Förderungsmaßnahmen gehen möchte. Das ist grundsätzlich natürlich in Ordnung, aus Verbrauchersicht ist es so aber schwer, nachzuprüfen, ob Lindt im Bereich Nachhaltigkeit tatsächlich das Bestmögliche leistet - das wäre mit einem Siegel einfacher. Logisch betrachtet ist es aber unwahrscheinlich, dass ein börsennotiertes Unternehmen, das schließlich regelmäßig Gewinne abwerfen muss, hier Ähnliches leisten kann wie beispielsweise GEPA.

"Bio" ist bei Lindt anscheinend kein Thema, vegane Sorten sind allerdings verfügbar, da auch das Sortiment an dunklen Schokoladen (die normalerweise keine Milchprodukte enthalten) relativ groß ist. 3/5

Zutatenqualität

Auch ein Bereich, in dem sich Lindt im Direktvergleich zu meinen anderen Kandidaten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Schokoladen enthalten 35 beziehungsweise 37 Prozent Kakao - so weit, so gut. Die erstgenannte und somit mengenmäßig relevanteste Zutat ist allerdings in beiden Tafeln Zucker. Neben Kakaobutter sind auch die preiswerteren Fette Shea und auch Palmöl (letzteres immerhin laut Website zertifiziert) enthalten, außerdem Sojalezitin und, was ich besondern schade finde, Aromen. Keine Glanzleistung. 4/10

Preis / Leistung 

Meine Tafeln haben einen 100-Gramm-Preis von 1,56 Euro, ohne Probierpreis-Aufkleber würde man 2,14 Euro bezahlen. Wenn man bedenkt, dass die Schokoladen von GEPA und Tony's Chocolonely im regulären Preis unter dieser Marke liegen, dafür aber über umfassende und prüfbare Nachhaltigkeitskriterien verfügen, ist Lindt im Vergleich zu teuer. 0/5




Geschmack

Kommen wir zu etwas Postitiverem: Beide Schokoladen schmeckten mir sehr gut. Die Sorte Noisette ist innen deutlich heller als auf der Packung abgebildet. Die Füllung schmeckt nussig und enthält kleine Nussstückchen. Der Zimtgeschmack der anderen Sorte könnte ausgeprägter sein - aber dezent ist im Zweifel besser als penetrant. Die Schokoladenumhüllung hat den typischen Lindt-Geschmack, wie man ihn auch von den Osterhasen und Nikoläusen kennt. Wenn man quasi mit dieser Schokolade sozialisiert wurde, ist es schwer, dazu ein neutrales Urteil zu haben. Sehr süß ist sie in jedem Fall. Aber ich bleibe bei meinem Urteil: Geschmacklich gefallen mit beide Sorten sehr gut. Zimt 10/15, Noisette 11/15

Gesamturteil

Im Gesamturteil schneidet Lindt wegen im Vergleich enttäuschender Zutaten, eines höheren Preises und nicht einfach nachzuvollziehenden Nachhaltigkeitsbemühungen nicht sonderlich gut ab: Ohne den Geschmackstest liegt man bei 15 von 30 möglichen Punkten (und damit immerhin vor Magnum). Bei Einbezug meines subjektiven Geschmackstests erreicht die Sorte Noisette 26 und die Sorte Zimt 25 von 45 möglichen Punkten.

Übrigens: Hier gibt es die Ergebnisse aller bisherigen Schokoladentests als Gesamtranking! 

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

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