Lego oder Playmobil, Pelikan oder Geha, Adidas oder Puma – diese drei Markenentscheidungen teilten westdeutsche Kinder in den frühen Achtzig...

Von Spielkindern und Spielverderbern

Lego oder Playmobil, Pelikan oder Geha, Adidas oder Puma – diese drei Markenentscheidungen teilten westdeutsche Kinder in den frühen Achtzigern in einfache Kategorien, und alle können auch heute noch sagen, in welcher Fraktion sie waren – in meinem Fall Playmobil, Geha, Puma.

Der starke Nostalgiedrang meiner Generation, der eigentlich schon begann, bevor wir überhaupt richtig erwachsen waren, hat bereits Puma ein lukratives Comeback beschert. Auch die Adidas Originals dürften wohl den Großteil ihres Umsatzes mit Mittdreißigern machen, die Freude daran haben, heute genau die Dinge zu kaufen, die sie als Kinder gerne gehabt hätten. Und während sich die Füllerfrage meist mit der Anschaffung eines Computers erledigt hat, stehen auch Lego und Playmobil bei den jetzigen Erwachsenen noch überraschend hoch im Kurs.

Bei Playmobil für Erwachsene hat sich vor allem Harald Schmidt mit den in seinen Sendungen präsentierten Szenen einen Namen gemacht. Bei Sat 1 stellte er unter anderem die Ödipus-Sage oder die Erlebnisse von Orpheus in der Unterwelt nach, bei der ARD konnte man neben anderem die Lebensgeschichten von Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann bewundern. Im Internet gab es weitere Schmidt-Bildergeschichten, die leider größtenteils nicht mehr online gesehen werden können.


Nun hat ein hessischer Pfarrer, der seinerseits die Figuren dazu nutzt, im Internet Bibelszenen nachzustellen, aber gewaltigen Ärger am Hals: Playmobil möchte ihm vom thermischen Umgestalten der Figuren – so ein Plastikmännchen lässt sich im Ursprungszustand ja eher schlecht kreuzigen – abhalten und bringt sein Urheberrecht ins Spiel. Was natürlich die Frage aufwirft, inwiefern die Schmidt-Aktionen, für die ebenfalls Figuren verändert wurden, da anders waren. Und was genau eine Umgestaltung eigentlich beinhaltet – Kinder machen da ja auch so einiges mit ihrem Spielzeug, ohne dass der Hersteller es ihnen verbieten möchte.


Legofans scheinen es da leichter zu haben, jedenfalls sind mir hier keine Konflikte bezüglich Urheberrecht bekannt. Anstelle des Dioramas scheint die erwachsene Lego-Fan-Fraktion vor allem Bilder zu bevorzugen, und hier insbesondere das Nachstellen von berühmten Fotos und Plattencovern. Während flickr eine eigene Galerie nachgebauter Plattencover aufwarten kann, hat es Legofan Christoph bereits mehrfach zur Anerkennung durch die dargestellten Bands gebracht: Erst übernahmen The Organ einen nachgebauten Liveauftritt in ihr Myspace-Profil, nun durfte er sogar Auftragsarbeiten für Stuart Murdochs neues Musikprojekt anfertigen, während Murdochs Band Belle and Sebastian zurzeit eines seiner Cover auf ihrer Homepage zeigt.






Bleibt zu hoffen, dass Legos bisheriges Nichteinschreiten tatsächlich an der aufgeschlossenen und kreativitätsfördernden Strategie der Firma liegt, und nicht etwa nur an ihrer Unkenntnis.

1 Kommentar:

  1. Hier: Playmobil (eigentlich und Lego) - Pelikan - Adidas.

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