Seit letztem Freitag bin ich Besitzerin einer Bahncard 100, was mich dazu befähigt, ohne weitere Kosten ein Jahr lang innerhalb ...

Dreistädtereise: Von Frankfurt nach Köln wegen Prag

Seit letztem Freitag bin ich Besitzerin einer Bahncard 100, was mich dazu befähigt, ohne weitere Kosten ein Jahr lang innerhalb Deutschlands jeden Zug zu nehmen. Das erlaubte mir, vorgestern nach dem Büro mal eben in den Schnellzug nach Köln zu steigen und dort in der Ehrenfelder Werkstatt ein Konzert der Band Prag zu besuchen.


Prag sind vor allem dafür bekannt, dass ihr prominentestes Mitglied die Schauspielerin Nora Tschirner ist. Leser des Konzerttagebuchs konnten sich aber schon in nicht weniger als drei positiven Rezensionen darüber informieren, dass die Band nicht nur ein Promi-Vehikel ist.

Kennt man diese Berichte, stellt man fest, dass gestern vieles "wie sonst" war, insbesondere die Setliste, die ist nämlich bei allen Konzerten der aktuellen Tournee gleich. Los ging es also auch in der Werkstatt mit dem Instrumentalstück "Leisetreter", für das zunächst eine aus drei Streichern (Geige, Bratsche, Cello), einem Trompeter, einem Keyboarder, einem Schlagzeuger und einem Bassisten bestehende, komplett schwarzweiß gekleidete Band einlief, dann auch die drei Protagonisten Erik Lautenschläger, Tom Krimi und Nora Tschirner.


Nach dem ersten Lied mit Text, "Zeit", forderte Nora Erik auf, jetzt mal etwas zum Publikum zu sagen, worauf wir kurz angeleuchtet wurden, damit die Band uns sehen konnte. Nora erzählte, in Köln habe es letztes Jahr bereits ein Prag-Konzert gegeben, und forderte die Besucher, die dort gewesen waren, auf, sich zu melden - was drei auch taten.

Bei dem recht ausführlichen Geplänkel, vor allem von Nora, zwischen den einzelnen Liedern blieb es den ganzen Abend lang, was dazu führte, dass Prag es trotz ihres übersichtlichen Gesamtwerks auf eine Spiellänge von ca. 105 Minuten brachten. So ging es auch viel um einen Stuhl, den die ziemlich fortgeschritten schwangere Nora vorsorglich auf die Bühne gestellt bekommen hatte, und zu dem sie erklärte, sie habe ihn zwar ursprünglich haben wollen, er stehe aber eigentlich bloß im Weg. So bekam das Publikum den Stuhl ausgeliehen, um ihn abwechselnd zu nutzen, den frei gewordenen Platz nutzte Nora dann demonstrativ zum Tanzen. Erst für die erste Zugabe ("Einkauf") wurde er dann, wiederum mit vielen Scherzen, kurz zurück gefordert.


"Wieder gut" wurde - auch das kann man bereits in anderen Berichten lesen - in einer neuen Countryversion dargeboten, von der Erik erzählte, sie sei von Tom arrangiert worden, um ein für alle Mal einen Streit mit Nora zu gewinnen - sie sei nämlich der Meinung, das Lied sei traurig gemeint, während Tom überzeugt sei, das der Text positiv zu verstehen sei. Was nun stimmt, verriet der Liedautor Erik nicht, allerdings meinte er scherzhaft, so, wie es jetzt klinge, sei das Lied sicher nicht gemeint gewesen.

Extra für den Country-Teil setzte Nora einen Cowboyhut auf, und zwei Kölner Gäste fühlten sich dazu inspiriert, vor der Bühne besonders wild zu tanzen - auch zu "Warten", das sich ohne Unterbrechung anschloss. Diese Kölner! Sobald man irgendwo den Hauch einer Verkleidung sieht, denken sie, es sei Karneval!


Der Band gefiel das Gehopse sehr gut, später gesellte sich Nora sogar kurz zu den vor der Bühne Tanzenden - um danach allerdings festzustellen, dass diese Begegnung hinsichtlich der selbst und vom Publikum empfundenen Peinlichkeit irgendwie wie "Schuldisco unter Fünfzehnjährigen" gewesen sei. Auch der Rückweg auf die Bühne fiel etwas beschwerlich aus, nachdem die Bandkollegen mit dem Kommentar "Nun sieh zu, wie du da wieder hoch kommst!" ihre Mithilfe verweigert hatten.

Ein weiteres Kompliment erhielt Köln dann, als vor "Und jeder hält die Luft an" von Erik festgestellt wurde, die Bar am Rande des Publikums sei ungewöhnlich leise. Normalerweise nutzt die Band wohl das Gläserklirren als Einleitung zum Song ("Sie steht dort an der Bar und nippt kühl an ihrem Wein"), was angesichts der Abwesenheit von typischen Bargeräuschen nicht so recht klappen wollte.


Bereits ein Klassiker der aktuellen Tournee ist die Einleitung zum letzten Lied des Hauptteils, "Argumente 1000fach". Anscheinend war das kurze Intro, das Nora bei diesem Lied auf der Gitarre spielt, so ziemlich das erste, was sie für die Band eingeübt hatte, und sie beherrschte es lange Zeit perfekt. In letzter Zeit hat sich aber eine Blockade eingeschlichen, so dass sie versucht, sich während des Spielens abzulenken, damit sie es nicht verpatzt. Und so wurde das Publikum gebeten, Vorschläge zu machen, wen Nora während des Intros nachmachen könnte. Wir erfuhren auch, dass in den vergangenen Tagen bereits Angela Merkel und Farin Urlaub verwendet worden seien. Til Schweiger lehnte sie ab, weil sie keine Freunde imitieren wolle. Letztlich versuchte sie es mit Helge Schneider - und verhaute das Solo dennoch. Also wurde ein neuer Vorschlag gesucht, und mit Louis de Funes klappte es dann doch noch.

Bereits vor Ende des Hauptteils war uns auch gesagt worden, dass die Band in jedem Fall für Zugaben zurückkehren werde, wenn wir es auch nur ein kleines bisschen wollten, schließlich seien die Lieder eingeübt - und so kam es dann auch, nach nur einigen Sekunden Pause ging es weiter mit "Einkauf", dem neuen Lied "Kein Abschied" und einer Coverversion der französischen Chansonistin Barbara, die angeblich zwischen Ace of Base und Dr. Alban auf Noras iPod vertreten ist.


Als allerletzten Abschluss - auch das ist ein regelmäßiges Feature bei dieser Tour - wurde das Publikum darauf trainiert, für das Lied "Schicht im Schacht" eben diese Worte zu singen. Wie hier zwischen den Männer- und Frauenstimmen letztlich ein Kanon entstehen sollte, hat sich für mich zwar nicht wirklich erklärt, auch sonst würde ich den Song nicht gerade als Highlight bezeichnen - dennoch blieb ein positiver und unterhaltsamer Gesamteindruck des Abends zurück. Tatsächlich gefällt mir mittlerweile auch Prags Debütalbum immer besser. Sowohl musikalisch als auch unterhaltungstechnisch ein gelungener Abend und ein guter Einstand für meine Bahn-Dauerkarte.


Setliste

Leisetreter
Zeit
Sie ham's ja so gewollt
Sophie Marceau
Zweiter
Einfach
Ende
Wieder gut
Warten
Vögel
Und jeder hält die Luft an
Drehbuch
Bis einer geht
Einfach ist gar nichts
Argumente 1000fach

Einkauf
Kein Abschied
Wenn schon sterben

Schicht im Schacht

Kommentare:

  1. Die Fotos sind toll geworden. Von der Qualität und dem wie schön sie die Atmosphäre einfangen. Auch den Bericht habe ich sehr gern gelesen.

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  2. Eine Bahncard 100 ist das Beste, was einem konzertsüchtigen Menschen in Deutschland passieren kann. Ich hab auch eine... ;-)

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