Konzerte von The Notwist machen im Allgemeinen Spaß, darüber zu bloggen um so weniger. Das liegt daran, dass man in Konzertberichten ja...

Neulich ohne Wii-Controller: The Notwist in der Frankfurter Batschkapp


Konzerte von The Notwist machen im Allgemeinen Spaß, darüber zu bloggen um so weniger. Das liegt daran, dass man in Konzertberichten ja generell nicht Lied für Lied nacherzählt, sondern sich eher auf die Rahmenbedingungen und, nun, Äußerlichkeiten konzentriert. In diesem Punkt hat die deutsche Band aus Oberbayern aber extrem wenig zu bieten, was irgendwie auch zu ihren Stil gehört. Und so lassen sich hier Themen wie Kleidung, Sprüche oder lustige Coverversionen eben so gar nicht anbringen. Und als wären diese Voraussetzungen nicht schon schlecht genug, handelt es sich auch noch um mein viertes Notwist-Konzert.

Immerhin die Vorband 1115 bietet Diskussionsmaterial. Das Duo macht nach eigenen Angaben "kraut-rave-idm-something-something-dark side…". Zwei Herren, beide im Kaftan und mit Turnschuhen und über die Hose gezogenen Socken, machten eine Art Techno, in dem repetitiv vorhandenen Soundsträngen immer wieder neue hinzugefügt wurden. Dazu passend lief im Bühnenhintergrund ein sich stets wiederholender Vier-Sekunden-Film, dessen Bilder gelegentlich durch andere unterbrochen wurden - die sich aber wiederum wiederholten. Das Debütalbum von 1115 erscheint auf Alien Transistor, dem Label der Acher-Brüder von The Notwist. Somit gefiel der geduldstrapazierende Auftritt wohl zumindest zwei Personen außer der Band selbst...


Während die Batschkapp bei unserem Eintreffen noch recht leer gewesen war und wir trotz nicht gerade zeitigem Eintreffen noch Plätze direkt vor der Bühne hatten ergattern können, hatte sie sich mittlerweile gut gefüllt. Ähnlich wie bei Teenage Fanclub zwei Tage zuvor lag der Altersdurchschnitt durchaus hoch, man sah viele Paare in den 40ern und 50ern.

Und damit wären wir schon bei The Notwist selbst und dem Teil, zu dem mir immer so wenig Schreibenswertes einfällt. Doch, eines: Martin Gretschmann, der seit 2007 Bandmitglied war und der live stets damit auffiel, dass er seine Synthesizer mit Wii-Controllern bediente, hat The Notwist verlassen - und das schon Ende 2014, aber offenbar habe ich seitdem kein Konzert der Band mehr besucht. Ohne Gretschmann wirkt The Notwists Musik live ein wenig... nun, weniger elektronisch eben. Dabei sorgt nun Cico Beck live für die Synthesizerklänge, die natürlich durchaus noch vorhanden sind.


Neben den Stamm-Mitgliedern, Markus und Micha Acher sowie dem Schlagzeuger Andreas Haberl, waren außerdem Karl Ivar Refseth am Vibraphon und Max Punktezahl als zusätzlicher Gitarrist und Keyboarder dabei - bis auf Beck sind alle Mitglieder der Livebesetzung seit Jahren gleich. The Notwists neue Platte, "Superheroes, Ghostvillains + Stuff" ist ein Live-Album, also gab es auch kein neues Material zu hören. Und wenn ich über die Bühnen-Outfits der Herren schreiben sollte, täte ich mich sehr schwer - irgendwelche Hemden, irgendwelche Hosen, alles bisschen zerknittert. Blieben noch die Ansagen, aber The Notwist sind eine schweigsame Band.  Die Tatsache, dass Markus Acher nach der zweiten Zugabe niicht nur "Danke" sagte, sondern auch "Vielen Dank fürs Herkommen" ließ ihn vergleichsweise schon als sprudelnden Wasserfall wirken.

In der Setliste wurden vor allem die Alben "Neon Golden" und "The Devil, You + Me" mit sechs beziehungsweise fünf Titeln berücksichtigt - eine gute Entscheidung. Im Gegensatz dazu wurden nur vier Lieder von "Close To The Glass", dem bislang letzten Notwist-Album, dargeboten. Ungewöhnlich war der zweite Song, denn "Come In" wurde 2009 nur als Single veröffntlicht und wird live auch nur selten gespielt.


Das Set klang rockiger als gewohnt, "This Room" und "Gravity" waren hierfür Beispiele, noch extremer wurde es bei den ganz alten Stücken "Puzzle" sowie bei "One Dark Love Poem" im Zugabenblock, als sich doch glatt ein Sechs-Mitglieder-Moshpit bildete.

"Pilot" wurde wie immer mit dem eigenen Remix "Different Cars And Trains" kombiniert. Nach einem langen, instrumentalen, an Kraftwerk erinnernden Ende tappten wir in die Applausfalle, als nach kurzer Stille noch einmal zu Pilot zurück gekehrt wurde.


Zu den vielen Gitarren, den Synthesizern und dem Vibraphon wurden zusätzlich auch immer wieder andere Instrumente eingesetzt, etwa Klangschalen bei "Run Run Run" und Glöckchen bei "Into Another Tune". Bei einigen Liedern, unter anderem "This Room" legte Markus Acher zudem Schallplatten auf und scratchte diese.

Und damit wäre dann wohl alles gesagt. Wie erwähnt, ein wirklich schönes Konzert, das mich daran erinnerte, wie sehr ich die Musik der Band mag - nur kann man wenig dazu sagen, außer allen die Empfehlung zu geben, mehr Notwist-Konzerte zu besuchen.

Setliste:

Signals
Come In
Kong
Boneless
Into Another Tune
Pick Up the Phone
One With the Freaks
This Room
Puzzle
The Devil, You + Me
Chemicals
Gloomy Planets
Run Run Run
Gravity

Neon Golden
Pilot / Different Cars And Trains
One Dark Love Poem

Consequence
Gone Gone Gone

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