So geht der Turmpalast

U.
Als ich vor mehr als zehn Jahren nach Frankfurt zog, gab es hier einiges, was mich als anglophilen Menschen erfreute und ich aus der Kleinstadt nicht kannte: An der Hauptwache begrüßten mich Filialen von Marks & Spencer und HMV, und, wichtiger, es gab in der Innenstadt ein ganzes Kino, in dem nur englischsprachige Filme liefen. So gut wie alles, was mich interessierte, konnte man im Turmpalast ab dem regulären Starttermin in Originalsprache sehen.

Die englischen Geschäfte haben bereits nach wenigen Jahren wieder zugemacht, nun hat den Turmpalast dasselbe Schicksal ereilt: Das 83 Jahre alte Kino hat kurz vor der Fußball-WM heimlich, still und leise für immer dicht gemacht.

Gut, schön war es in dem Kino schon lange nicht mehr: Davon abgesehen, dass die Säle komisch geschnitten waren und einem auf manchen Plätzen sogar Säulen die Sicht versperren konnten, waren die Sitzpolster vielfach kaputt, das Treppenhaus desolat und die Toiletten unattraktiv. Auf dem Boden lag stets Popcorn, bei dem ich mich öfters fragte, ob es vom selben Tag oder doch schon vom letzten Jahr stammte. Seit Jahren konnte man erkennen, dass hier keinerlei Geld in die Zukunft investiert wurde, und dennoch: Ohne Alternativen für eine größeren Auswahl an aktuellen Filmen in Originalsprache kam man gerne hierher.

Besonders ärgerlich ist hierbei, dass das Kino zwar unbedingt sofort weg musste, aber noch keineswgs entschieden ist, was nun aus dem Grundstück werden soll. Bis es hier feste Pläne gibt, kann noch einiges an Zeit vergehen, und bis dahin wird hier entweder eine Ruine oder eine Baulücke stehen.

Gestern morgen bot sich, als ich am Kino vorbei ging, bereits dieses traurige Bild.


Ich frage mich, ob der Mietvertrag verlängert worden wäre, wenn die Kinobetreiber oder die Cinestar-Kette ihr Haus etwas pfleglicher gestaltet hätten. Oder ob das Ende schon vor langer Zeit so sicher war, dass sich keinerlei Investition mehr lohnte.

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