Letztes Jahr beehrten wir das niederländische Festival nur mit einem Tagesausflug, dieses Mal sollten es wieder, wie 2015, die vollen dre...

Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017


Letztes Jahr beehrten wir das niederländische Festival nur mit einem Tagesausflug, dieses Mal sollten es wieder, wie 2015, die vollen drei Tage werden, was schon sehr früh feststand. Grund dafür war die Bestätigung der beiden Headliner Radiohead und Arcade Fire bereits im November und der Umstand, dass die Festivalleitung bekannt gab, weniger Festivaltickets ohne Campingoption verkaufen zu wollen. Nachdem wir genau diese Eintrittskarten haben wollten, erwarben wir direkt beim Verkaufsstart Wochenendtickets. Im Grunde war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass die Festivalmacher für die Headliner einen Großteil ihres Band-Budgets hatten springen lassen müssen - und nachdem die beiden Bands allein jede Menge Zuschauer anlocken würden, gab es auch wenig Anreiz, weitere Publikumsmagnete zu buchen.


So kam es dann auch: Der dritte Headliner wurde eine Hip Hop Band namens Run The Jewels, die ich nicht kannte, und das restliche Line-up enthielt viele, viele Unbekannte. Da ich als Festivalbegleiter aber meinen Freund dabei hatte und dieser erstens wahnsinnig musikinteressiert ist und sich zweitens akribisch auf Festivals vorbereitet, hatten wir dennoch einen straffen Zeitplan, der möglichst viele Bands abdecken sollte. Ich bekam zur Einarbeitung Playlisten für iTunes, die ich zwar pflichtbewusst durchhörte... dennoch gab es letztlich nur wenige Acts, mit denen ich viel verband, bevor ich sie auf der Bühne sah.

Das Festival an sich konnte mich vor zwei Jahren ziemlich begeistern: Das Gelände direkt an einem See ist wunderschön. Zahlreiche Bäume bieten Schutz vor der Sonne, alles ist liebevoll dekoriert. Schaukeln und Hängematten laden dazu ein, eine Pause zu machen, und alle paar Meter sieht man einen Essensstand, an dem man sich (zumindest, wenn man ich ist) unbedingt etwas kaufen möchte.


Natürlich verändert sich das Festival Jahr für Jahr ein wenig. Die erste, für uns bei der Anfahrt überraschende Neuerung war, dass der Eingang verlegt worden war. Ordner wiesen uns zu einer uns fremden Straße, so dass wir am Festivalfreitag höchst verwirrt aus dem Auto stiegen und uns fragten, ob wir vielleicht versehentlich zwischen die Camper geraten waren - vom Festivalgelände war von unserem Standort aus weit und breit nichts zu sehen, immerhin war es aber ausgeschildert. Nach einem längeren Fußmarsch zeigte sich aber, dass zwar sämtliche Parkplätze und auch die Bändchenausgabe umgezogen waren, das Festivalgelände an sich aber dasselbe war. Wie vorab angekündigt musste man übrigens zusätzlich zu seinem Tickets auch seinen Ausweis zeigen - ich habe zwar schon öfter gelesen, dass bei Konzerten solche Maßnahmen angekündigt wurden, um Zwischenhändler zu entmutigen, aber dieses war das erste Mal, dass ich erlebte, wie die Ankündigung auch umgesetzt wurde.


Ansonsten hielten sich die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen aber in starken Grenzen: Taschen wurden bestenfalls halbherzig kontrolliert, und in den folgenden Tagen sah ich beinahe sämtliche "verbotene Gegenstände" (Regenschirme, Wasserbeutel, Essen, Campingstühle...) auf dem Gelände. Das ist grundsätzlich natürlich auch egal, allerdings macht man sich heutzutage bei jeder Massenveranstaltung ja ein wenig Sorgen wegen eventuell möglicher Anschläge, und ich muss im Nachhinein sagen: Man hatte nicht den Eindruck, dass der Veranstalter sich in dieser Hinsicht irgendwelche Gedanken gemacht hatte. Um so erstaunlicher, weil FKP Scorpio auch das Hurricane und Southside Festival veranstaltet, die am kommenden Wochenende stattfinden - mit umfangreichen Sicherheitsregeln.


Zugegebenermaßen ließe sich ein Anschlag bei einem Ereignis, bei dem die Besucher naturgemäß viel Gepäck dabei haben, vermutlich so oder so nicht verhindern. Allerdings hatte ich auch allgemein den Eindruck, dass an der Sicherheit gespart wurde. Nicht an jeder Bühne standen Ordner herum, und bei den vorhandenen sah ich niemals, das sie mit dem Publikum interagierten. Wäre jemand beim Warten auf eine Band im Gedränge umgekippt, hätte man wohl erst Sicherheitspersonal suchen müssen, dass dann per Funk Ersthelfer erreichen hätte können. Vor der Hauptbühne gab es in diesem Jahr als Neuerung zwei "Wellenbrecher", die verhindern sollten, dass es direkt vor der Bühne zu viel Gedrängel gab. An sich eine gute Idee, aber sie hätte besser funktioniert, wenn Ordner den Zugang überwacht und ab einem gewissen Vollheitsniveau niemand mehr eingelassen hätten - so kannte ich das vom Hurricane-Festival.

Auch auf den Zugangswegen zwischen Parkplatz und Gelände hätte ich mir mehr Personal gewünscht: Während am Festivalfreitag Massen von Parkeinweisern zur Verfügung standen, sah das an Tag 2 und 3 ganz anders aus. Der Fußweg zum Gelände führte an einer stark befahrenen Straße entlang, die man nur an einer Stelle per Fußgängerbrücke überqueren konnte. Am Samstag und Sonntag kam es nach dem Ende des Hauptacts zu einem Massenaufbruch Richtung Parkplätze, wodurch die Brücke zum Engpass wurde - was viele dazu veranlasste, neben der eigentlichen Treppe im Dunkeln einen Hang herauf- und herab zu klettern. Wie gesagt, es war dunkel, und angesichts der Tatsache, dass bei Festivals generell viel getrunken wird, hätte es durchaus zu Unfällen kommen können - hier wären Ordner hilfreich und auch angebracht gewesen.


Eine andere Neuerung, die ich im Vorfeld mit Sorge betrachtet hatte, erwies sich dagegen als recht problemlos: Das Festival hatte für dieses Jahr beschlossen, "cashless" zu werden. Während man in vergangenen Jahren mit seinem Festivalbändchen einen Chip erhalten hatte, auf den man Geld laden konnte, um damit Essen und Getränke zu bezahlen, wurde dieses System dieses Jahr verändert: Stattdessen sollten sämtliche Besucher alle ihre Einkäufe per Karte bezahlen. Nachdem ich selbst bis vor Kurzem nur eine Kreditkarte ohne PIN besessen hatte, bei der für jede Transaktion ein kleiner Zettel ausgedruckt und unterschrieben werden musste, begeisterte mich diese Neuerung nicht - zumal die Sache mit dem Armband immer reibungslos funktioniert hatte. Tatsächlich konnte ich aber mit meiner brandneuen Kreditkarte mit "Contactless"-Funktion überall problemlos bezahlen, ohne dass sich irgendwelche Verzögerungen ergaben. Und auch das Eintippen der PIN durch andere Besucher hielt nicht unnötig auf. In meiner Kreditkartenabrechnung scheint auch alles korrekt verbucht worden zu sein.


In den letzten Jahren entwickelt sich bei Festivals der Trend, dass zunehmend mehr angeboten wird als nur Musik, Zelten und Bier. Regelrechte Workshops wie beim A Summer's Tale sind sicherlich die Ausnahme, aber auch letztes Jahr beim Down The Rabbit Hole Festival wurden den Gästen einige Aktivitäten angeboten - etwa schweißen, Skulpturen basteln und etwas, was stark nach Löcher graben aussah. Das Best Kept Secret trug der Entwicklung dieses Jahr nun auch Rechnung, indem es einen "Tokio"-Bereich gab, in dessen Mitte eine große LED Wand an Bilder aus dem Vergnügungsviertel Shibuya denken ließ. In der direkten Umgebung gab es asiatische Essensstände, aber auch die Möglichkeit, Karaoke zu singen und einen Bereich, in dem man an Spielkonsolen zocken konnte.

Eine Sache gab es allerdings, die mich dieses Jahr beschäftigte: War das Festival in den vorausgegangenen Jahren auch so dermaßen voll gewesen? Egal, wo man sich in bewegte, man war stets in einem Gruppenmarsch unterwegs, der gelegentlich an die wandernden Zombiehorden auf The Walking Dead erinnerte. Auch wenn die Zahl der Essens- und Getränkestände sowie die Toiletten mit dem Andrang gut zurechtkamen, schien das Gelände extrem vollgepackt zu sein, was sich etwa zeigte, wenn man einfach nur ein Stück halbwegs saubere Wiese im Schatten für eine Pause suchte.


In den nächsten Tagen berichte ich dann über die Bands und das Essen...

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