Gelesen: Mai 2017

U.

Mein "Gelesen" von Monat Mai ist irgendwie auch ein "Gesehen". Über die auf Sky sehr stark beworbene Miniserie Big Little Lies mit Reese Witherspoon und Nicole Kidman kam ich auch auf die Buchvorlage, die wie das im März vorgestellte What Alice Forgot von Liane Moriarty stammt.

Ich begann erst damit, die Serie anzusehen, unterbrach dann, las dann das komplette Buch und sah dann die letzten beiden Folge der Serie. Natürlich ist die grobe Handlung in beiden Fällen gleich: Eine allein stehende junge Frau kommt neu in eine Stadt, in der das soziale Leben der anderen Bewohner um die örtliche Grundschule kreist, in der auch die frisch Zugereiste ihren kleinen Sohn anmeldet. Am ersten Schultag kommt es zu einem Eklat, der die anderen Eltern dazu bringt, Position zu beziehen, und einige Monate später eskaliert der Konflikt. Der Zuschauer beziehungsweise Leser weiß von Anfang an, dass sich bei einem Schul-Wohltätigkeitsabend ein Mord ereignet haben soll, aber er weiß bis zum Ende des Romans beziehungsweise der Serie nicht, wer wen getötet hat.

Die HBO-Serie spielt unter weitestgehend Superreichen im kalifornischen Monterey. Lediglich die junge Mutter Jane lebt in einer kleinen Wohnung, alle anderen Figuren haben riesige, wunderschöne und moderne Strandhäuser, und die atemberaubende Aussicht aufs Meer, die sich in vielen Szenen bietet, ist ein ästhetischer Genuss. In der Romanvorlage ist das ein wenig anders. Sie spielt in einem Vorort von Sydney, ebenfalls am Meer, aber lediglich eines der Schul-Elternpaare ist der Kategorie "superreich" zuzurechnen. Aus der Perspektive von Jane haben zwar auch im Roman alle mehr Geld als sie, aber sie merkt auch in einer Szene, in der ihr kleiner Sohn das Haus ihrer neuen Freundin Madeline bewundert, sich selbst gegenüber an, dass es sich um ein völlig normales Haus handelt und ihr Sohn sich nicht nach einem Luxusleben sehnt - sondern nach einer Durchschnittsexistenz, die sie ihm aber ebenfalls nicht bieten kann.

Auch andere Handlungselemente wurden für die Verfilmung abgeändert, was sicherlich damit zu tun hat, dass es im Buch viele Innenperspektiven der Figuren gibt, so dass etliche Gefühle nicht durch spezielle Handlungselemente Ausdruck finden müssen - was dazu führt, dass die Serie wesentlich konfliktreicher ist. Gerade eine der Hauptfiguren, Madeline, ist im Roman zwar durchaus konfliktfreudig, aber im Großen und Ganzen ein netter Mensch. In der Serie dagegen hat ihre Streitsucht einen signifikanten Einfluss auf ihr Familienglück.

Insgesamt gefiel mir inhaltlich das Buch besser, weil die Figuren und ihre Konflikte lebensnaher dargestellt werden - was aber nichts daran ändert, dass die Serie in meinen Augen ebenfalls sehenswert ist und ästhetisch extrem gut gemacht ist.

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