Lange Zeit habe ich die Briten beneidet. Sie können nämlich bereits seit Jahren mit völliger Selbstverständlichkeit ihren Wocheneinkauf im I...

Neulich beim Online-Lebensmitteleinkauf

Lange Zeit habe ich die Briten beneidet. Sie können nämlich bereits seit Jahren mit völliger Selbstverständlichkeit ihren Wocheneinkauf im Internet bestellen. Er wird dann zu einem vereinbarten Termin nach Hause geliefert. Mir war völlig unverständlich, warum dieser einfache Service in Deutschland nicht angeboten wird. Amazon hatte vor einer Weile einen Versuch gestartet, der sich beim Ansehen des Angebotes als ziemlicher Mist entpuppte: Die allermeisten Produkte konnten nämlich nur per Post verschickt werden, was bei gekühlter Ware ja nicht sonderlich praktisch ist. Und wenn man nicht darauf achtete, alles beim selben Verkäufer zu bestellen, waren dazu auch die Lieferkosten exorbitant hoch.


Um so erfreuter war ich, als ich vor etwa einem Monat las, dass Rewe ein Pilotprojekt zum Online-Essenseinkauf startet - in Frankfurt! Man kann auf der Website eine Einkaufsliste anlegen, alles in einen virtuellen Warenkorb legen und anschließend in einem Wochenplan einen Liefertermin wählen. Die Waren werden zu den Supermarktpreisen nach Hause geliefert, bezahlt wird per Kontoabbuchung. Die Lieferung kostet beim ersten Mal nichts, anschließend 5 Euro. Waren, die nicht gefallen, kann man dem Lieferanten sofort wieder mitgeben, ebenso Leergut.

Das klang für mich alles sehr gut und musste ausprobiert werden. Leider folgte beim Stöbern im Online-Angebot dann die erste Enttäuschung: Rewe Online hat zwar viel, aber bei weitem nicht alles, was ich möchte. So gehören zum Online-Angebot weder die (in Rewe-Filialen erhältlichen) Fertiggerichte von Veggie Life noch die von Garden Gourmet, nicht einmal Räuchertofu kann ich finden. Bei Brot gibt es nur abgepackte Ware, nicht die frischen Selbstbedienungsbrötchen aus den Filialen. Komischerweise werden gefüllte Lebkuchenherzen (jaja, ich bin eine von denen, die das Zeug so früh kauft) von Bahlsen angeboten, aber nicht die von mir bevorzugte Rewe-Eigenmarke. Bei Frischwaren wie Salat oder Obst fühlte ich mich bei einer unbesehenen Bestellung zudem nicht ganz wohl - natürlich kann man einen hässlichen Salat bei Erhalt ablehnen, aber dann hat man eben vorerst keinen.

Und dann ist das Einkaufserlebnis am Computer einfach grundsätzlich anders. Vieles sieht man ja im Supermarkt und denkt sich beispielsweise "Oh, Chilis, ich könnte am Wochenende Penne Arrabiata machen!" - das fällt beim virtuellen Einkauf natürlich völlig weg, und so fiel es mir fast ein bisschen schwer, mir zu überlegen, was ich nun eigentlich kaufen wollte.

Nach etwas Nachdenken gelang es mir aber, eine Liste von Waren im Wert von 40 Euro zusammen zu stellen, als Liefertermin wählte ich Samstag zwischen 11 und 13 Uhr. Am Freitagabend erhielt ich eine Erinnerungsmail, in der auch stand, dass der Fahrer mich anrufen und mir den genauen Lieferzeitpunkt mitteilen werde. Das klang doch sehr gut.



Stimmte aber leider nicht. Von 11 bis 13 Uhr hielt ich mich zunehmend ungeduldig in meiner Wohnung auf und traute mich kaum, mir die Haare zu föhnen, geschweige denn in den Keller oder zum Altglascontainer zu gehen. Als 13 Uhr vorbei war, rief ich ärgerlich die Rewe-Hotline an (die vom Festnetz aus zwar ganz günstig, für Menschen ohne Festnetzanschluss aber exorbitant teuer ist) und verharrte fünf Minuten in der Warteschleife, in der mir dauernd derselbe, nervige Werbejingle vorgespielt wurde, aber sonst nichts passierte. Als ich entnervt auflegte, hatte ich einen Handy-Anruf verpasst. Ich rief zurück, und tatsächlich: "Mein" Fahrer kündigte an, er würde in zehn Minuten bei mir sein.

Immerhin das traf zu. Gegen 20 nach 1 kam ein mit Tüten in einer Kiste bepackter junger Mann die Treppe herauf und überreichte mir meine Einkäufe. Der Übergabeprozess entpuppte sich dabei als relativ kompliziert: Zunächst bekam ich die Waren, dann wurde mir erklärt, dass zwei meiner achtzehn bestellten Artikel nicht vorrätig gewesen wären und für diese möglichst ähnlicher Ersatz mitgebracht worden sei. Nur eines der beiden Ersatzprodukte (statt der Lieblingseissorte eine andere) sagte mir zu, das andere (Fruchtaromajoghurt statt Fruchtjoghurt) lehnte ich ab. So musste mein Einkaufsbon neu berechnet werden, dann übergab ich mein Leergut, was wiederum erfasst werden musste. Und am Ende quittierte ich den Endpreis meines Einkaufs.

Nach halb zwei konnte ich meine Einkäufe dann endlich wegräumen und bin mir jetzt unschlüssig, wie gut mir der lang ersehnte Online-Essenseinkauf nun gefällt. Sicherlich, der Lieferant hatte letztlich keine gewaltige Verspätung, aber da ich mir die Sache mit dem Anruf anders vorgestellt hatte, war ich dennoch etwas enttäuscht und dann wegen anderer unerledigter Aufgaben auch in ziemlicher Eile. Gut war, dass mir sperrige Sachen wie Wasser und Bier bequem ins Haus getragen wurden, weniger gut ist, dass ich manche Sachen gar nicht erst bestellen konnte.

Ich bin gespannt, ob sich im deutschen Markt hinsichtlich Lebensmittellieferungen nun endlich etwas tut. In diesem Artikel zweifeln Experten daran, dass sich solche Konzepte hierzulande durchsetzen können, aber so richtig glaube ich ihnen nicht. So viel anders als die Engländer sind die Deutschen in meinen Augen nicht.

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