Neulich bei den Makkabäern: The Maccabees im Frankfurter Zoom

U.
Ich kenne Markus Gardian, der in Frankfurt einen Großteil der Konzerte mit der Zielgruppe „Indie“ bucht, nicht persönlich. Dennoch halte ich ihn für einen netten Menschen, denn im Rahmen seines Konzertnewsletters verlost er regelmäßig Eintrittskarten für die von ihm organisierten Auftritte. Wenn ich zurückdenke, habe ich dank der Verlosung sicherlich schon zehn Bands umsonst gesehen – häufig gibt es für Teilnehmer, die nicht ihr Wunschkonzert gewonnen haben, nämlich sogar Trostpreise in Form von anderen Konzerttickets.

So war es auch dieses Mal: Unseren eigentlichen Wunsch, Hot Chip, teilten wir offenbar mit den meisten Verlosungsteilnehmern, stattdessen gab es immerhin Karten für die Maccabees – die ich persönlich im Vorfeld nicht kannte, weshalb ich schnell vorab bei Simfy noch ihr Gesamtwerk anhörte. Als ich hinterher gegenüber meinem Freund (der die Band kennt und mag) erwähnte, dass die Sängerin die Band ja wohl nach dem ersten Album verlassen habe, war dessen Erheiterung groß. Sängerin? Bei den Maccabees? Eine Googlesuche brachte die Lösung: Das „erste Maccabees Album“ von Simfy stammt in Wirklichkeit von einer anderen Band mit demselben Namen.


Nicht allzu adäquat vorbereitet fand ich mich also wenig später samt Begleitung bei über 30 Grad im ehemaligen Sinkkasten ein. Dieses Lokal hatte ich erst- und letztmalig vor zehn Jahren besucht und für schrecklich befunden, seit seiner Umbenennung in „Zoom“ verströmt es aber zumindest nicht mehr den Nichtcharme der Achtziger Jahre und verfügt, anders als viele andere Frankfurter Clubs, sogar über eine die Temperaturen erträglich machende Lüftung.

Die ansonsten wenig erwähnenswerte Vorband List löste bei mir neue Gedanken zum Thema Älterwerden aus: Nicht nur hatte ich diesen Club zwischenzeitlich ein Jahrzehnt nicht besucht, die Mitglieder dieser Gruppe schienen wieder einmal Brüder zu sein, denn sie sahen sich ziemlich ähnlich. Oder bin ich jetzt schon in dem Alter, in dem alle jungen Leute einander irgendwie ähnlich sehen? Hilfe!

Um 22:10 betraten Orlando Weeks, Hugo White, Felix White, Rupert Jarvis und Sam Doyle mit ihrer Tourneeverstärkung Will Whyte (Synthesizer) die Bühne, die den restlichen Abend größtenteils dunkel gehalten wurde, was das Fotografieren nicht gerade erleichterte, aber mit dem düsteren und getragenen Sound des neuen Albums harmonierte.  Passend wurde das Konzert mit „Child“ und „Feel to Follow“ vom Album „Given to the Wild“ eröffnet.


Das darauf folgende „Wall of Arms“ und insbesondere „No kind words“ zeigten aber, dass das Publikum im durchaus gut gefüllten Club besonders die älteren, schnelleren Lieder schätzte. Im Verhältnis dominierten dennoch die neuen Songs: Vom aktuellen Album wurden sieben, von den ersten beiden nur drei beziehungsweise fünf Lieder gespielt.

Die Band schien Spaß an ihren einzigen Clubauftritt diesen Sommer (in dem man sonst auf vielen Festivals spielt) zu haben, litt aber auch sichtlich unter der Hitze. So erbat man sich nach dem Hauptteil, der mit den zwei Singles: „Love you better“ und „Pelican“ beschlossen wurde, eine Pause.

Die darauf folgende Unterbrechung dauert dann aber doch nicht länger, als man das vor Zugaben gewöhnt ist, nach maximal drei Minuten waren schon alle wieder da, sahen nicht wesentlich trockener aus und spielten noch drei Songs, von denen „Precious Time“ vom Debütalbum die größte Publikumsfreude auslöste. Zusätzlich versuchten sie, für zwei extra aus Russland angereiste Fans unter den anwesenden Konzertbesuchern eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Wie Herr Gardian sind also auch die Maccabees offensichtlich nette Menschen.



Setliste:

Child
Feel To Follow
Wall Of Arms
No Kind Words
Go
William Powres
First Love
X-Ray
Can You Give It?
Heave
Love You Better
Pelican

Forever I’ve Known
Precious Time
Grew Up At Midnight

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