Neulich in der 70s Show: The Veils im Frankfurter Bett

U.
The Veils also. Als mein Freund erwähnte, dass er uns dank seines Plattenblogs Gästelistenplätze fürs Konzert im Frankfurter Bett gesichert hatte, ging ich eigentlich davon aus, dass es sich um eine Band handeln würde, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Erst kurz vor dem Konzert erkannte ich, dass The Veils bereits mehrere Alben veröffentlicht hatten, und soeben las ich auf Wikipedia, dass die Band (allerdings mit verschiedenen Wechseln im Line-up) bereits seit über zehn Jahren existiert und einst von Suedes Bernard Butler produziert wurde. Das aktuelle Album „Time Stays, We Go“ ist tatsächlich das vierte der Band.


Am selben Abend konnte ich auch gleich eine weitere Bildungslücke schließen, denn im Bett war ich seit dem Wegzug des Lokals aus Sachsenhausen, der schon etliche Jahre her ist, bislang nie gewesen und erreicht bei der Anreise per Straßenbahn Tiefen des Gallusviertels, die ich in dreizehn Jahren Frankfurt nie kennen gelernt hatte – in direkter Nachbarschaft befindet sich ein Geflügelzuchtverein.

Das „neue“ Bett entpuppte sich als recht einfache kleine Halle mit Bar und Bühne, das Publikum war etwas gemischter und älter, als ich es sonst bei Frankfurter Konzerten gewöhnt bin. Entweder The Veils haben ein sehr breites Fanspektrum oder die Nachbarschaft schaut hier auch mal rein.


Einige waren sicher auch wegen der Vorband Wyoming da, einem dreiköpfigen Trio aus Deutschland, bei dem ich mir nicht ganz sicher war, ob es die Schulzeit bereits hinter sich hatte und ob die Oberlippenbärte vielleicht nicht doch angeklebt waren. Wyoming sind die Brüder Manuel und Sascha Lukas sowie ihr Schulfreund – aha, also doch! -  David Stieffenhofer aus Lorch am Rhein. Ihre Indiepoplieder gefielen mir aber eigentlich ganz gut, auch wenn der Auftritt für eine Vorband ungewöhnlich lang ausfiel. Wyoming mögen, da die Band erst im März 2012 gegründet wurde, noch nichts veröffentlicht haben, an Songmaterial mangelt es aber offenbar nicht. Für den gespielten Song „Man/Machine“ gibt es ein Video, das man hier sehen kann.


Gegen diese Jungs wirkte die ebenfalls nicht alte Hauptband zunächst richtiggehend reif.  Neben den eigentlichen Mitgliedern der Gruppe an Gitarre, Bass, Keyboards, Schlagzeug und Mikrophon traten auch ein Trompeter und ein Saxophonist mit auf die Bühne. Das Bett hatte während Wyomings Set sommerliche Temperaturen von beachtlicher Höhe erreicht, aber The Veils hatten keine Stylingkompromisse gemacht: Sänger Finn Andrews und Keyboarder Uberto Rapisardi behielten ihre Sakkos an, der Rest seine Westen – dabei müssen sie unheimlich geschwitzt haben, was man bei Andrews, der unter seinem ebenfalls fest installierten Hut regelrecht tropfte, auch gut sehen konnte. Lediglich Bassistin Sophia Burn hatte sich für eine durchsichtige Bluse entschieden und hatte es so etwas kühler.


Das Set begann mit „Train With No Name“, die Reihenfolge der gespielten Songs entsprach dabei der bei der aktuellen Tournee üblichen.  Allzu groß scheinen die bespielten Hallen in den letzten zehn Jahren für die Veils nicht geworden zu sein, denn Finn Andrews, der als einziger mit dem Publikum sprach, war regelrecht begeistert über die große Zahl von Zuschauern. Sonst hatte auch er verbal nicht allzu viel beizusteuern und sagte sogar in einer Kurzpause, als jemand aus dem Publikum „Say something!“ forderte etwas wie „I do that sometimes, but it usually doesn’t turn out well.“ Und so erfuhren wir lediglich, dass er ein gewisses Interesse an der deutschen Sprache hat („Birds“ wurde auf Deutsch angekündigt) und, sehr viel später, dass er gerne einen Wodka hätte (den er auch bekam).


Der Großteil des Sets bestand aus neuen Titeln, die Andrews inbrüstig vortrug. Aufgelockert wurden diese durch einzelne Songs aus den drei Vorgängerplatten, wie etwa „Calliope!“, „Vicious Traditions“ oder „Sit Down By The Fire“.

Ich erwähnte ja, dass das Konzertpublikum etwas ungewöhnlich war. In unserer direkten Umgebung hatten sich drei junge Männer aufgestellt, die wirkten, als würden sie in einem Film über die Siebziger Jahre mitspielen (Schlagjeans über Cowboystiefeln, Leder- oder ärmellose Jeansjacke). Hauptsächlich tranken sie Bier, aber gerade bei den rockigeren Songs der Band wurde auch begeistert die Mähne geschüttelt, die Arme gereckt und abgerockt. Ein ziemlich seltsamer Anblick, offenbar auch von der Bühne aus, denn Finn Andrews reagierte irgendwann auf einen unspezifischen Zwischenruf aus der Rockerecke mit „Sorry, I can’t understand you“ und fragte in die Umgebung „Is what they are saying funny?“, worauf mit allgemeinem heftigem Kopfschütteln reagiert wurde...


Da der Hauptteil des Konzertes dem entsprach, was The Veils auch bei den vorherigen Auftritten präsentiert hatten, konnte man auf den Zugabenteil gespannt sein, denn hier variierte die Band zuletzt, vielleicht je nach Stimmung und Laune, zwischen einem und fünf Songs. Vielleicht lag es an den  beschriebenen Kommunikationsproblemen oder der Hitze, wir bekamen nach Ende des Hauptteils jedenfalls nur zwei Songs als Zugabe, nämlich „The Tide That Left And Never Came Back“, den Andrews allein mit der Akustikgitarre vortrug, und das zur Freude unserer Nachbarn wieder sehr rockige „Jesus For The Jugular“.



Setliste:

Train With No Name
Calliope!
Turn From The Rain
Birds
Not Yet
Vicious Traditions
The Pearl
Sign Of Your Love
Sit Down By The Fire
Out From The Valley & Into The Stars
Through The Deep, Dark Wood
Nux Vomica

The Tide That Left And Never Came Back
Jesus For The Jugular






0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Coprights @ 2016, Blogger Templates Designed By Templateism | Templatelib