Immer wieder dasselbe Wechselbad der Gefühle bei diesen Wohnzimmerkonzerten: Erst die nagende Sorge, dass man einen schlechten Termin...

Alle Neune: The Lake Poets in Montabaur


Immer wieder dasselbe Wechselbad der Gefühle bei diesen Wohnzimmerkonzerten: Erst die nagende Sorge, dass man einen schlechten Termin gewählt hat, so dass man dann allein mit dem Künstler dasitzen könnte. Dann, am Veranstaltungstag selbst, zunächst hektische Vorbereitungen wie kochen, backen, Stühle tragen, putzen. Kaum ist das halbwegs erledigt, fragt man sich, wo eigentlich der Künstler bleibt - und sobald dieser angekommen ist, wird es entweder hektisch, weil man noch schnell den Musiker verköstigt, während schon die ersten Gäste eintreffen. Oder aber, man hat viel Zeit und kann sich wieder Sorgen machen, ob überhaupt Publikum erscheint.

Bei all diesen Gedanken fragt man sich dann wiederholt, warum man sich diesen Stress überhaupt antut - um dann, wenn alles geklappt hat, Publikum wie Künstler anwesend sind und das Konzert beginnt, zu beschließen, dass doch eigentlich alles halb so wild war.


So passierte alles auch am Samstag bei Konzert Nummer 9: Nachdem wir The Lake Poets bereits am Montag in Köln gesehen hatten, wussten wir immerhin, dass man sich grundsätzlich des Auftritts in Montabaur bewusst war. Mündlich hatten wir vereinbart, dass Marty und James gegen 16 Uhr bei uns eintreffen würden. Im Vorab-Plan, den sowohl wir als auch die Band von Booker bekommen hatten, war von 17 Uhr die Rede. Ab 16 Uhr herrschte also leichte Ungeduld, ab 17 Uhr dann Panik, inklusive des Notfallplans "Wir haben das ganze Essen fertig, die Gäste müssen also trotzdem kommen, und wenn sie Bayern gegen Dortmund schauen". Kurz nach 18 Uhr tauchten dann die Musiker auf und diverse Steine fielen von unseren Herzen. Zügig begann der Aufbau und Soundcheck, und wir hatten, da es für das geplante gemeinsame Abendessen nun zu spät war, schlagartig überhaupt nichts mehr zu tun, außer Stuhlreihen aufzustellen.

Immerhin die Gäste kamen pünktlich und zahlreich, so dass der Konzertabend, wenn auch ohne Künstler-Abendessen vorab, wie geplant beginnen konnte. Ganz unerwartet bekamen wir sogar sowohl Blumen als auch einen spektakulären Kuchen mitgebracht.


Marty und sein Mitmusiker James hatten bereits vorab unser Haus und unser Bühnenarrangement ausführlich gelobt, und so kann man hoffen, dass sie mit den musikalischen Verhältnissen tatsächlich zufrieden waren. Marty spielte im Rahmen seines Sets viele Lieder, die wir bereits am Montag gehört hatten, aber auch einige andere. Im Gespräch vorab hatten wir erfahren, dass er über sein existierendes Album hinaus mittlerweile 25 neue Lieder fertig hat und am liebsten als nächstes ein Doppelalbum veröffentlichen würde. Während er die erste Konzerthälfte komplett akustisch darbot, kam in der zweiten dann auch der Verstärker - und später James als Schlagzeuger - zum Einsatz.


Viele der Lied-Erklärungen hatten wir bereits einige Tage vorher gehört, andere aber auch nicht - so erzählte Marty etwa, dass er vom ersten Stock unseres Hauses aus den Sonnenuntergang bewundert hätte - es war ein strahlend sonniger Tag gewesen - um dann mit dem Hinweis "und so ist das Wetter bei mir daheim" auf "Rain" überzuleiten. Zu "Northview" gesellte sich wiederum James zu Marty und spielte dieses Mal vier Lieder lang Schlagzeug. Nachdem wir für "Dead Horses" auch an diesem Abend das Summen hatten einüben müssen (das meinem Eindruck nach beim Wohnzimmerkonzertpublikum besser mitgemacht wurde als in Köln), hörten wir anschließend das mir unbekannte "In The Way", das Marty gemeinsam mit zwei Freunden aus London geschrieben hat, und in dem es um die Erkenntnis von einem der beiden geht, an den eigenen Beziehungsproblemen selbst schuld zu sein.

Marty frühere Freundin und jetzige Frau wurde wieder vielfach erwähnt - verständlich, wenn sie gleich drei Lieder der Setliste ("Your face", "See you tonight" und "How do you love me") inspiriert hat. Am Tag nach dem Konzert bei uns daheim machten sich die Musiker zunächst auf nach Düsseldorf, um dort Martys Frau abzuholen, die den Rest der Tour mitreist. Wie es wohl für sie sein mag, all diese Lieder und Erwähnungen bei weiteren Auftritten zu hören?


Mit "See You Tonight" und der anschließenden Zugabe "How Do You Love Me" endete das Set leider bereits. Da es Samstagabend war, löste die Gästeschar sich im Anschluss erfreulich langsam auf, und nachdem die Band bei uns übernachtete, gab es am nächsten Morgen noch ein ausgiebiges gemeinsames Frühstück.

Auch Wohnzimmerkonzert Nummer 9 machte viel Spaß, und auch, wenn aktuell kein weiteres in Planung ist, hoffe ich, dass dieses Jahr noch mindestens ein weiteres bei uns stattfindet.

Setliste:

Windowsill
Lost in the city
Friends 
Edinburgh 
Rain 
April

Your face
Runaway 
Northview 
Dead Horses
In the way 
See you tonight 

How do you love me 

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