Neulich im Blitzlicht: Dillon im Kölner Gloria


Manchmal ist es schon praktisch, diesen Blog zu haben. So konnte ich eben meinen Bericht vom Dillon-Konzert in der Frankfurter Alten Oper nachlesen. Zwar hatte ich noch gut im Gedächtnis, dass man von Dillon so gut wie nichts sehen konnte, aber bezüglich der Songauswahl oder anderer Ereignisse hätte ich wenig sagen können.

Letztlich ließ uns das Frankfurter Konzert, obwohl es durchaus schöne Momente hatte, nicht mit dem dringenden Wunsch zurück, die Künstlerin nochmals live zu sehen. Das änderte sich aber für meinen Freund mit Dillons letztjährigem Album "Kind", das ihm so gut gefiel, dass er sich zu Weihnachten Tickets für den Auftritt der Sängerin im Kölner Gloria wünschte.


Auf Facebook hatte man vorab lesen können, dass das Konzert ohne Support sei und pünktlich um 8 Uhr beginnen würde. Ganz war dem dann nicht so, erst gegen halb neun betrat Dillon die Bühne - im engen Rollkragen, in den sie immer wieder ihre Haare stopfte, einer weiten weißen Hose und mörderische hohen Plexiglasschuhen. Mit dabei waren zwei junge Männer als Begleitmusiker, die vorgestellt wurden - möglicherweise waren ihre Namen Flo und Samir. Sie spielten Laptop/Keyboard sowie elektrische Drums, ein weiteres Keyboard stand Dillon selbst zur Verfügung. Sie verbrachte aber längst nicht, wie das anscheinend damals in Frankfurt der Fall war, das ganze Konzert dahinter. Hinterm Keyboard befand sich auch relativ versteckt ein Tulpenstrauß in einer Vase, der das minimalistische Bühnenbild komplettierte.

Bezüglich der Sicht auf Dillon wurde man im Vergleich zu Frankfurt geradezu verwöhnt. Ihr erstes Lied "Kind", bei dem die Stimme ihres Duettpartners Dirk von Lowtzow eingespielt wurde, sang sie in der Mitte der Bühne, allerdings seitlich zum Publikum, und tanzte auch ein wenig. Gut, Dillon wurde das ganze Konzert lang nicht direkt beleuchtet, so dass es eher schwierig war, Fotos zu machen, und die Nebenmaschine lief auch immer wieder. Aber man konnte doch durchaus sehen, was auf der Bühne vor sich ging. Auch die dem Publikum abgewandte Haltung gab die Künstlerin schnell auf.


Dillon, so steht es in jedem Bericht, kam im Alter von vier Jahren mit ihrer Mutter von Brasilien nach Deutschland, wohnte zunächst in Köln und lebt mittlerweile in Berlin. Besagte Mutter ist wohl in Köln geblieben, denn eines der ersten Lieder auf der Setliste wurde mit den Worten "Hallo Mama" und einem geflüsterten " I Love You" ihr gewidmet.

Viel gesprochen wurde ansonsten nicht, wir kamen aber immerhin wieder, wie auch damals in Frankfurt, in den Genuss der Publikumsanimation, bei "Tip Tapping" mitzusingen. Lustig war dabei sowohl, dass Dillon den Beleuchter anwies, ein bisschen Licht zu machen, und sofort hinzufügte "aber nicht ZU viel!" Die Kölner Sänger wies sie dann an, etwas leiser zu singen (erlebt man sonst ja ausschließlich umgekehrt) und hielt das Lied dann auch recht kurz - vielleicht überzeugte unser Chor einfach nicht.

Übrigens wurde ein Publikumsmitglied auch sehr energisch angewiesen, seine Blitzaufnahmen zu unterlassen, aber dafür habe ich volles Verständnis - auch wenn man es nicht zwingend dunkel haben möchte, ist es nervig und unhöflich, ohne Erlaubnis angeblitzt zu werden. Nervig fand ich dann allerdings auch das Strobo-Licht, dem das Publikum bei mindestens drei Songs intensivst ausgesetzt wurde.


"Tip Tapping" hatte übrigens nicht auf der für uns sichtbaren Setliste gestanden, wurde also offensichtlich spontan eingefügt. Später, im Zugabenteil, wurde diese noch ein zweites Mal geändert. Das reguläre Set endete, wie auch das aktuelle Album, mit "2. Kind", bei dessen Ende Dillon mit auf die Lippen gelegtem Finger verhinderte, dass das Publikum zu früh applaudierte.

Im Zugabenteil wurde, wie auch in Frankfurt, das Cover "Wicked Games" gespielt, das sich offenkundig seit vielen Jahren in der Setliste hält. Gut, "Thirteen Thirtyfive" ist, obwohl es vermutlich viele mit Dillon verbinden, ebenfalls ein Cover. Jens Lekman spielte seine Komposition auch beim letzten Auftritt in Köln. Bei "Wicked Games" ermahnte Dillon ihre Musiker, dass das Tempo zu schnell für sie sei, der Song wurde dann aber einfach langsamer weiter gespielt, kein Neuanfang nötig.  Anschließend begann "Lullaby", was Dillon zunächst verwirrte - es war zweite Song, der eigentlich nicht auf der Setliste stand. Sie brach zunächst ab, sagte dann entschlossen "Also gut, "Lullaby" und etwas unsicher "Das ist doch jetzt "Lullaby", oder?" - und sang den Song. Ihre hohen Schuhe zog sie hierfür aus, wie ich annahm, weil sie vermutlich mittlerweile ganz schön weh taten. Dem war aber wohl nicht so, denn nach dem Lied schlüpfte sie mit den Worten "So, das Wiegenlied ist vorbei" wieder hinein.


Nach "Forward" und "Abrupt Clarity" endete dieses annähernd normale Konzert. Gerade zum Ende hin hatte Dillon beinahe ausgelassen zu ihren Lieder getanzt. Vielleicht gewöhnt sie sich ja langsam an die Liveauftritte?

Setliste:

Kind
Stem & Leaf
Shades Fade
From One to Six Hundred Kilometers
Matter of Time
You Cover Me
Thirteen Thirtyfive
Tip Tapping
Evergreen
Regular Move
This Silence Kills
The Unknown
Lightning
Killing Time
Contact Us
2. Kind

Wicked Games (The Weeknd Cover)
Lullaby
Forward
Abrupt Clarity

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