Das neue Spielzeug im Alltagstest

U.
Mittlerweile sind einige Wochen ins Land gegangen, und meine kürzlich enthusiastisch vorgestellten tollen neuen Spielzeuge im Bereich des Laufsports mussten einige Tests erdulden. Jetzt möchte ich darüber berichten, wie sie sich im Langezeitgebrauch so machen.

Technik
Der iPod Nano, der gemeinsam mit seinem Aufsteckempfänger meine Laufschritte misst, ist brav und zuverlässig. Allerdings muss man alle Läufe manuell beenden, und das ist manchmal gar nicht so einfach: Bereits häufiger musste ich nach dem Laufen die Menütaste bis zu zehnmal drücken (!), bis ich in das Menü gelangen konnte, das den Lauf abschließt und speichert. Einmal habe ich es gar nicht geschafft, und der gesamte 8-Kilometer-Lauf (auch noch mein erster!) war vom iPod verschwunden und ließ sich auch nicht wiederbeschaffen.

Die Genauigkeit des eigentlichen Sensors ist ganz ok. Die Option, ihn mit einem eigenen Lauf über eine festgelegte Strecke zu kalibrieren, habe ich bislang nicht genutzt, zumal das nur begrenzt viel bringt: Da der Sensor ja nur ein besserer Schrittzähler ist, kann er zwangsläufig nur bei einer Standardgeschwindigkeit genau sein. Wer schneller läuft, macht größere Schritte, und schon stimmt das Ergebnis nicht mehr.

Dass dem so ist, zeigte sich bei meinem bislang einzigen Versuch, ein Intervalltraining zu absolvieren: Am Ende war ich mit meinen Kräften am Ende, hatte aber angeblich kaum Strecke zurück gelegt.

Motivationseffekt
Ich hatte die ganzen Sachen ja gekauft, um mich zu motivieren, und ich muss zugeben, dass das ganz gut klappt. Wenn man sich selbst ein bestimmtes Kilometerziel setzt und es auch noch hier im Blog und somit in der "Öffentlichkeit" meiner drei bis fünf Leser angezeigt wird, dann will man es verdammt nochmal auch schaffen. Tatsächlich war ich nach dem einen "verlorenen" Lauf so besorgt über die Möglichkeit, dass ich mein Laufziel verfehlen könnte, dass ich einmal häufiger gelaufen bin als sonst.

Innovation
Allerdings war ich nicht nur über meinen verlorenen Lauf enttäuscht, sondern vor allem über die nikeplus.com-Website. Man sollte doch meinen, dass in Zeiten des Web 2.0 jede, aber auch jede Firma damit begonnen hätte, ihre Kunden und Interessenten mit einer Community an sich zu binden. Doch bei Nike beschloss man offenbar, nicht mit der Masse zu gehen, dachte sich "Nee, ich nehm' lieber ne Kuh", und bietet den Nutzern, die sich ja beinahe zwangsläufig auf der Seite registrieren müssen, damit die Läufe gespeichert werden können, einen mehr als rudimentären Service.


Ein Lauf auf der Nikeplus-Website: Allzu informativ ist das nicht.

Die Website bietet die folgenden Optionen: Man kann ein Profil anlegen, das aber kaum jemand sehen kann, man kann sich selbst Ziele setzen und man kann Wettbewerbe (z.B. "Wer läuft als erstes im September 60 km?") sowohl veranstalten als auch an ihnen teilnehmen. Das war's. Es gibt zwar ein Forum, doch dieses dient ausschließlich zum technischen Support. Kommunikation mit anderen Nutzern ist folglich praktisch unmöglich, lediglich Wettbewerbsteilnehmer können im Rahmen des Wettbewerbs Kommentare im Stil von „Hey ho, let’s go!“ posten.

Wie einfach wäre es gewesen, eine Art Lauf-Last.fm zu gründen, in dem die Nutzer ausführliche Profile anlegen, miteinander kommunizieren, bloggen, Freundschaften schließen und Playlists vergleichen können (schließlich haben ja zwangsläufig alle einen iPod). Man hätte Interessengruppen gründen können, was nach besserer Kenntnis des Teilnehmerfeldes auch zu interessanteren Wettbewerben (z.B. Köln gegen Düsseldorf) geführt hätte; man hätte sich für Laufveranstaltungen anmelden und auch darüber austauschen können, und auch Kommunikation über lokale Laufstrecken wäre leicht möglich gewesen.
Derselbe Lauf bei Runnerplus: Etwas mehr Informationen - erstaunlicherweise auch darüber, wann der iPod kontrolliert wurde

Was auch immer Nike dazu bewogen hat, all das nicht anzubieten: Andere haben die Lücke ebenfalls erkannt und versucht, Alternativen zu gestalten: Auf runnerplus und runometer kann man nach Eingabe der Zugangsdaten für die Nikeplus-Website seine dort hinterlegten Laufdaten importieren lassen und, man glaubt es kaum, auch mit anderen Nutzern Kontakt aufnehmen; außerdem ist es möglich, Laufdaten mit selbst auf Karten angelegten Strecken zu verknüpfen. Die bei runnerplus dargestellten Laufstatistiken beruhen zwar selbstverständlich auf denselben Daten wie die auf der Nike-Originalseite, bieten aber etwas mehr Informationen. Dennoch: Begeistert haben mich auch die Alternativseiten nicht, und sie scheinen auch nicht wahnsinnig viele Nutzer zu haben.

Fazit
Bei den Käufen ging es im wesentlichen um Motivation, und dieses Ziel habe ich ja auch (bislang) erreicht, folglich bereue ich nichts. Es gibt technische Macken, die mir aber bislang den Spaß nicht verdorben haben. Wieso aber Nike auf all die tollen Kundenbindungsoptionen, die man durch die Produktkooperation mit Apple erreeichen hätte können, verzichtet hat, wird aber wohl ein Geheimnis der Firma bleiben.

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