Recycling: God Hates Fags (Supposedly)

U.
Schon seit einigen Jahren irrt der Link zur ultimativen Liste schwul (beziehungsweise heterosexuell) machender Bands nun durchs Netz. Die Seite existiert immer noch und sorgt auch weiterhin für Erheiterung. Damals schrieb ich:



Heute bekam ich diesen Link geschickt – eine Liste von Bands, deren Anhören den Angaben des Autors zufolge schwul machen kann. Oha!

Auf der Liste sind auch Depeche Mode enthalten, die ich mir nun bereits seit meinem 15. Lebensjahr regelmäßig und völlig ahnungslos hinsichtlich ihrer Wirkung anhöre. Weshalb ich nun zweifellos und unrettbar schwul bin. Die Frage ist eigentlich nur noch, ob ich ein schwules Mädchen à la Fettes Brot bin – oder aber einfach ein schwuler Mann, der im Körper einer Frau gefangen ist? Schwierige Frage, die ich aber wohl alleine beantworten muss.

Die Bands, die es auf die Liste geschafft haben, sind eine einigermaßen skurrile Auswahl. Cole Porter war schwul, klar. Elton John ist gar als (really gay) hervorgehoben. Bedeutet George Michael (texan) etwa, dass es einen noch schwuleren, texanischen George gibt? Wie kommt aber der anerkannt homophobe Eminem, pardon, Eminmen auf diese Liste, und was sagt er wohl dazu? Was verbirgt sich hinter dem Begriff „dark gay", außer offenbar Marilyn Manson? Was hat bloß Frank Sinatra hier verloren?! Und kann man bereits gehörte schwule Musik eventuell durch verstärktes Hören von Bands der Positivliste wie der komplett unschwulen Cindy Lauper aufheben? Fragen über Fragen.

Eigentlich klingt das Ganze ja schon so skurril, dass man es für Süd-USA-Realität halten könnte – wenn man die Leugnung der Evolution als haltbare Alternativlehre duldet oder Kleinkinder wegen sexueller Belästigung anzeigt, kann man sicherlich auch darauf kommen, dass Musikhören Homosexualität auslöst (und dass diese dann zu bekämpfen ist).

Wenn man die Seite aber ein wenig ansieht, macht sie weder den Eindruck, dass eine große Gruppe dahinter steht, noch, dass sie besonders erfolgreich ist. Der Seitenautor, Donnie Davies, beschwert sich nämlich, dass sein Song „God hates Fags" bei Youtube entfernt und sein Myspace-Profil gelöscht wurde. Die Schar der Fans scheint also dieses Mal nicht allzu riesig zu sein.

Donnie ist nach eigenen Angaben ein bekehrter Schwuler, der zu Gott (und der „Normalität") gefunden hat, und der nun anderen helfen möchte, denselben Weg zu gehen. Unterstützt fühlt er sich dabei ausgerechnet durch ein Oscar Wilde-Zitat, wodurch der arme Oscar nun sicher im Grab rotiert. Und das Schwulsein sollte man aufgeben, weil es (abgesehen davon, dass Gott dagegen ist) ein schwieriger Weg ist und man dann „Faggot" genannt wird.

Interessanter Ansatz. Dann kann man ja auch Sexismus bekämpfen, indem man Frauen abschafft. Ich muss gleich mal die Emma anrufen.

Armer Donnie. Hoffentlich kann er, falls es ihn gibt und er das ernst meint, irgendwann zu sich stehen und glücklich werden.


Als ich die Seite heute wieder aufrief, entpuppte sie sich als erstaunlich gut gepflegt: Mittlerweile kann man Donnies Video wieder ansehen, und auch Lady Gaga und Justin Bieber haben sich im Popbereich, Vampire Weekend, die Fleet Foxes und Interpol im Indiebereich zu den gefährlichen Bands gesellt. Auch School of Seven Bells wird als "gay twins" erwähnt, und man muss Donnies Eifer loben: Immerhin kennt diese Band ja kaum jemand. Am bizarrsten bleiben die in Klammern gesetzten Zusatzkommentare, etwa bei Kate Bush (kissed a girl) oder Sigur Rós (nudists).

1 Kommentare:

  1. Wie geil ist das denn ^^ Erinnert mich total an Religulous, als Bill Maher diese christliche "Einrichtung" besucht, die Homosexuelle in heteros verwandeln soll. Und wo sie eine Demo zeigen, bei der irgendwelche fanatischen Christen gegen Schwule demonstrieren und die eine Tussi ernsthaft in die Kamera sagt: "I don't hate them. God hates them." Menschen sind echt so dumm.

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