Der Kölner Zoo ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Zwischen den Lebensjahren 4 und 16 war ich, wie man das als Kind und Jugendlic...

Ene Besuch em Zoo: Neulich im Kölner Zoo


Der Kölner Zoo ist ein fester Bestandteil meiner Kindheit. Zwischen den Lebensjahren 4 und 16 war ich, wie man das als Kind und Jugendliche eben so macht, mindestens einmal jährlich dort und habe viele, aber bruchstückhafte Erinnerungen an damals. Als nun die in Köln ansässige Schwester meines Freundes ihren Geburtstag mit einem gemeinsamen Zoobesuch feiern wollte, war ich gespannt, ob ich beim Wiedersehen irgendetwas wieder erkennen würde.


Zunächst galt es, überhaupt in den Zoo hinein zu kommen. Am Sonntagmittag stauten sich vor den gefühlt sechs Kassen gewaltige Schlangen, die sich teils sogar miteinander verzweigten. In der Mitte von alldem hatte sich ein cleverer Ballonverkäufer nieder gelassen, so dass die Kinder der genervt anstehenden Eltern in der Wartezeit ausreichend Gelegenheit hatten, einen der in zahlreichen Formen erhältlichen Ballons auszusuchen und anschließend ihre Eltern zu dessen Kauf zu überreden.


Letztlich bewegten sich die Schlangen der Wartenden schneller als erwartet, und wir durften, nachdem wir stolze 17,50 Euro bezahlt hatten (immer noch weniger als in Antwerpen), den Zoo betreten. Im Eingangsbereich hatte es früher runde oder ovale Kleingehege gegeben, in einem davon hatten die Erdmännchen gewohnt. Diese leben nun immer noch nahe am Eingang, haben aber ein viel größeres Gehege bekommen, was sicherlich besser für sie ist.


Das einzige, was ich sonst noch von früher erkannte, war der Kinderspielplatz, auf dem sich, soweit ich mich erinnern kann, schon immer ein Schiff zum Klettern befunden hatte. Mittlerweile ist dort alles etwas elaborierter, mit viel mehr Gerüsten und Kletterstrecken. Bei unserem Besuch war ein Gitterschlauch, durch den Kinder von einem Gerüstturm zu einem anderen klettern konnten, allerdings so überfüllt, dass man meinen konnte, ein dicht besetztes Kindergehege vor sich zu haben.


Die echten Tiere hatten da häufig mehr Platz. Die Giraffen hatten reichlich Auslauf, auch der Innen- und Außenbereich für die Menschenaffen wirkte äußerst ansehnlich. Hinsichtlich der Größe am beeindruckendsten war die Freifläche der Elefanten, die 20.000 Quadratmeter umfasst und auf der wir beobachten konnten, wie die Elefantenhaufen mit einem Bagger eingesammelt wurden.


Relativ neu ist der "Hippodom", in dem neben den Flusspferden auch Krokodile, ein Chamäleon und einige andere exotische Tiere wohnen. Der Badebereich der Flusspferde wurde extra so gestaltet, dass man als Besucher die Tiere durch eine Scheibe auch unter Wasser sehen könnte, wenn das Wasser nicht eine dunkle Brühe wäre, durch die man nur schematische Umrisse erkennen kann. Warum das so ist, demonstrierte netterweise eines der Flusspferde für uns, indem es an Land erst Kot absetzte und diesen dann mit seinem als Propeller eingesetzten Schwanz meterweit durch die Gegend schleuderte. Nach meinem Informationsstand ist die Stadt Köln wegen des enttäuschenden Wassergeheges gegen die Erbauer des Geheges vor Gericht gegangen.


Auch das Regenwaldhaus, in dem man hauptsächlich exotische Vögel bestaunen kann, ist sehr ansprechend gestaltet. Aber nicht jede Tierart hat ein tolles Gehege: Das Nashorn hatte einen recht kleinen Lebensbereich und sieht sicher immer neidisch zu den Giraffen gegenüber herüber. Auch die Pinguine hatten ein klassisches Zoogehege mit Betonfelsen und etwas Wasser - nicht besonders schön und ganz und gar nicht weitläufig. Und auch der Leopard hatte, anders als die in der Nachbarschaft angesiedelten Löwen und Tiger, einen recht kleinen Glaskasten zum Auf- und Ablaufen - was er auch auf die leicht gestörte Zootier-Art ununterbrochen tat.


Viel Platz fürs Tier, inklusive Rückzugsmöglichkeiten, ist natürlich schön, behindert aber natürlich auch die Sicht für den Besucher. So konnten wir den Roten Panda nur als schlafenden, felligen Klumpen in einer Baumkrone erahnen, den Tiger sahen wir ebenso wie den Löwen und den Schneeleopard von sehr weit weg schlafend und die Waschbären schienen ihren freien Tag zu haben. Wegen Eingewöhnung eines neuen Tieres waren darüber hinaus die Orang Utans für Besucher ganz offiziell nicht zu sprechen.


Dafür bietet der Kölner Zoo mittlerweile einiges an "Show", so nahmen wir an einer Flugschau teil, in der unter anderem ein Weißkopf-Seeadler über die Köpfe der Zuschauer flog und seine Runden drehte. Vorab war allen Zuschauern eingeschärft worden, sich zu ducken, wenn ein Vogel sich näherte, was sich als viel mehr als eine Phrase erwies: Wer sich nicht duckte, lief Gefahr, von den spitzen Krallen gestreift zu werden. Als Raubvogel ist man offenbar daran gewöhnt, dass die anderen ausweichen. Später fütterten dieselben Pfleger auch die Seebären, was sich ebenfalls nicht als reine Fütterung entpuppte, denn die Tiere hatten im Rahmen der Nahrungsaufnahme ebenfalls ein paar Tricks gelernt, hinzu kamen einige informative Erklärungen durch die Pfleger.


So brauchten wir für den Besuch, ohne das im Eintrittsgeld enthaltene Aquarium auch nur zu betreten, vier Stunden. Trotz des großen Besucherandrangs ließ sich der Zoo durchaus genießen. Das einzige, das ich etwas schade fand, war die nicht konsistente Beschriftung der Gehege. Während bei den Elefanten und den Bonobos genau vermerkt war, wie die einzelnen Tiere hießen und aussahen, war beispielsweise bei Löwe und Tiger nicht einmal zu erkennen, wie viele Tiere sich überhaupt im Gehege befanden.


Insgesamt habe ich bei meinem Wiederbesuch des Kölner Zoos nur wenig wieder erkannt, dennoch handelt es sich um einen schönen und besuchenswerten Zoo. Vielleicht schaffe ich es eines Tages auch nochmals ins Aquarium.



Zum Ende des Tages muss es zumindest ein trauriges Kind gegeben haben - oder eines, das seinem Luftballonpferd großzügig die Freiheit schenkte.


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