Nightmare After Christmas: The World of Tim Burton in Brühl

U.
Mein Freund bekam zu Weihnachten Karten für die aktuell in Brühl gastierende Ausstellung "The World of Tim Burton" geschenkt. Das fanden wir beide ganz prima, denn wir hatten uns zwar ursprünglich dafür interessiert, dann aber prompt alles wieder vergessen. Nachdem die Ausstellung bereits in Prag, Tokio und Osaka gezeigt wurde, endet ihr Besuch in Brühl am 3. Januar. Viel Zeit bleibt also nicht mehr, um die Werke des Regisseurs in Deutschland zu besichtigen.


Dennoch hatten wir nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet. Als wir am 29. Dezember Brühl erreichten, erkannte man das Max-Ernst-Museum mühelos an der mehrere hundert Meter langen Menschenschlange, die geduldig auf Einlass wartete. Viele der Wartenden waren zweifelsfrei als Tim Burton-Fans zu erkennen, sie trugen Haarspangen oder Taschen, die von Jack Skellington aus The Nightmare before Christmas geziert wurden, oder auch von den Figuren aus Corpse Bride. Im Kleidungsstil dominierte schwarz und geringelt zu bunten Haaren. Hier waren wir zweifellos richtig (wenn auch nicht passend gekleidet), aber wie lange würden wir wohl auf den Einlass warten müssen? Mit dem Motto "versuchen kann man es ja mal" gingen wir an der Schlange vorbei zum Einlass, in der Hoffnung, dass Besucher, die wie wir bereits Tickets hatten, vielleicht gar nicht anstehen mussten. Zu unserer großen Freude war das tatsächlich der Fall, wir durften sofort in die Ausstellung.


Ganz leer war es selbstverständlich innerhalb des Gebäudes auch nicht. Für die beiden Hauptbereiche der Ausstellung musste man sich ebenfalls wegen Überfüllung erst einmal anstellen, aber das ging erfreulicherweise relativ schnell - und ich halte es auch für richtig, wenn man die Zahl der Menschen, die sich vor Bildern und Skulpturen drängeln, einschränkt, sonst hat ja niemand etwas von den Exponaten.

In Teil 1 konnte man zunächst drei riesige Skulpturen und dann Zeichnungen und Comics sehen, die Burton bereits als Schüler angefertigt hatte. Unter anderem durfte er als Sieger eines Wettbewerbs einer Anti-Müll-Kampagne die Müllfahrzeuge seiner Heimatstatt Burbank in Kalifornien mit einem von ihm designten Schild ausstatten. Auch sonst wurde schnell klar, dass Burton bereits als Kind zum einen sehr produktiv war und zum anderen der ihn auszeichnende, leicht makabre Zeichenstil mit einem großen Herz für Außenseiter bereits weitgehend vorhanden war.


Im größeren Ausstellungsbereich wurden dann Werke von Burton gezeigt, die er größtenteils schuf, als er bereits in Lohn und Brot stand (zunächst bei Disney, wo seine Beiträge zu Filmen wie Taran und der Zauberkessel allerdings meist im Endprodukt keine Berücksichtigung fanden). Am interessantesten waren hier natürlich Entwürfe und Modelle von Figuren, die man bereits aus Filmen kannte, etwa den Marsmenschen aus Mars Attacks, den Oompa Loompas aus Charlie und die Schokoladenfabrik oder dem Bogeyman aus The Nightmare before Christmas. Eine ganze Reihe Skulpturen stand dabei unter Glasglocken, die wiederum an die Aliens aus Mars Attacks erinnerten. Auch Skizzen des "Pinguins" aus dem zweiten Batman-Film gab es zu sehen - und vieles, vieles mehr. Vielfach kamen schon die ersten Entwürfe der Figuren dem letztlichen Endergebnis sehr nahe.


Weitere Bilder und Dioramen zeigten ein weiteres Mal, dass Burton eher zu viele als zu wenig Ideen hat. Besonders beeindruckend fand ich in diesem Zusammenhang einen recht großen Rahmen mit vollgekritzelten Papierservietten. Schön auch Skizzen mit kleinen Gedichten, die man sich ebenfalls leicht als Kurzfilme vorstellen könnte, etwa eines darüber, wie es sein müsste, eine Freundin mit vielen Augen zu haben (interessant, aber sie würde alles fluten, wenn sie weint). Dann gab es noch eine "Dunkelkammer", in der einige Zeichnungen mit Schwarzlicht bestrahlt und andere mit Hilfe von Taschenlampen erkundet werden konnten.


Zuletzt reihten wir uns ein weiteres Mal in eine Schlange ein: In einem winzigen "Kinosaal" wurde Burtons Frühwerk Hansel and Gretel von 1982 gezeigt. Burton durfte den Kurzfilm für den damals neu gegründeten Disney Channel produzieren, dort fand man ihn aber so gruselig und verstörend, dass er nach einmaliger Ausstrahlung an Halloween im Archiv verschwand. So richtig konnte auch ich mich nicht für das Werk begeistern, auch wenn es sicherlich sehr originell ist. Wer mag, findet eine vollständige Version auf Youtube.


Insgesamt eine sehr unterhaltsame, interessante und abwechslungsreiche Ausstellung, bei der ich froh bin, sie nicht verpasst zu haben.


In der Ausstellung darf übrigens nicht fotografiert werden, weshalb die hier verwendeten Bilder (außer den ersten beiden) Screenshots aus dem Video von der Ausstellungseröffnung sind.



1 Kommentare:

  1. Cool, danke für den Bericht - ich hatte auch überlegt, hinzufahren, aber es ist doch ein wenig weit von hier aus und nicht wirklich in der Nähe von irgendwas oder irgendwem, das oder den ich besuchen wollte. Ein fantastisches neues Jahr wünsche ich dir! Nina

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