Liebe U., M. walking on the Water begrüßten mich in den letzten 26 Jahren schon mit „Hallo Mainz!“, „Hallo Köln!“ (zweimal) und „Hallo ...

Ohne U. bei M. in W.: M. walking on the Water im Wiesbadener Kesselhaus


Liebe U.,

M. walking on the Water begrüßten mich in den letzten 26 Jahren schon mit „Hallo Mainz!“, „Hallo Köln!“ (zweimal) und „Hallo Weinheim!“. Gestern bekam ich erstmals ein „Hallo Wiesbaden!“ zu hören, was gut passte, da ich mich auch zum ersten Mal im Kesselhaus befand. Der im Wasserturm befindliche Konzertraum hat im Frühjahr die Nachfolge der Räucherkammer angetreten und dürfte nicht nur schöner sondern auch etwas größer geraten sein. Die bescheidene Beleuchtung ist geblieben, jedoch wird die Bühne nicht mehr von störenden Säulen unterteilt.

Gestern Abend hatten sich rund 100 Personen dort eingefunden, um die Krefelder Band auf einem ihrer zu seltenen Konzerte zu sehen. Für dich, liebe U., und den ein oder anderen Zuschauer mehr, wäre noch Platz gewesen. Krankheitsbedingt bleibt das Konzert in Weinheim vor viereinhalb Jahren jedoch vorerst dein einziges Konzerterlebnis mit M. walking on the Water.

Die Bühne war wie gewohnt mit vier auf Stäben befestigten, hin und her schwingenden Glühlampen dekoriert, die an diesem Abend im Dauereinsatz waren. Im Vergleich zu unserem letzten Konzert fehlte jedoch die Lampenkette, und der Dresscode der fünf Herren hatte sich geändert: anstatt auf weiße Kleidung war die Wahl auf florale Hemdmuster gefallen. Nur Axel Ruhland hatte sich dem widersetzt, dafür aber seine Geige mit Schmetterlingen geschmückt.


Das Quartett eröffnete das Konzert mit dem instrumentalen „Melitaah“ und hielt sich bis auf eine Ausnahme an die ausliegende Setliste. Insgesamt wurden in 110 Minuten 21 Lieder gespielt, also 3 weniger als zuletzt. Auch die Auswahl der Songs hatte sich deutlich verändert, denn vom letzten Album „Flowers For The Departed“ wurden nur noch 3 Songs berücksichtigt und das vorletzte, „File“, komplett ignoriert. Also mehr alte Songs!

An zweiter Stelle hätte eigentlich „Holy Night Of Rosemary“ kommen sollen, jedoch wurde von Mike Pelzer, der an diesem Abend den Großteil der Songs sang und zwischen Akkordeon, Keyboard und Gitarre wechselte, „Adventures And Narrations“ angestimmt. Erst beim sechsten Song, „Lovesong For You“, übernahm Markus Maria Jansen, der auch für die Kommunikation mit dem Publikum verantwortlich war, den Gesang. Anschließend kokettierte er mit der trägen Veröffentlichungspolitik der Band und überlegte laut, von wann denn das letzte Album sei: „Von 2008? Oder 2009?“ Die Antwort auf diese Frage (2011) führte zu der Aussage „Für unsere Verhältnisse eigentlich gar nicht so lange her.“ Damit fand bis zu diesem Moment schon fast mehr Kommunikation statt als vor einigen Jahren während des gesamten Konzertes. Leider ging das auf diese Ansage folgende „Love Is On Your Side“ ziemlich in die Hose, was Jansen mit „Das hätten wir beim Soundcheck mal spielen sollen“ kommentierte.
Man hatte zunächst den Eindruck, dass sich die Band beim ersten Konzert ihrer kurzen Wintertournee erst noch ein wenig warm- und einspielen musste.


Zur Mitte des Sets folgte mit Visages „Fade To Grey“ die einzige Coverversion des Abends, die M. walking on the Water vor vielen Jahren bereits eingespielt, aber nun erst zum Gedenken an den verstorbenen Steve Strange veröffentlicht haben. In Ermangelung einer Französin sang für diese Aufnahme die Kellnerin aus der Bandstammkneipe den französischen Text ein, beim Konzert schlüpfte Mike Pelzer Dank Textblatt in deren Rolle („Mike macht die Französin“). Wie beim vorherigen „Bury Me Upright“ erhielt die Band viel Applaus, was sich bei den folgenden Songs noch deutlich steigern sollte. „Misery“, „Linda Lee“ und „Soldier Of Love“ sorgten für tanzendes, „Anymore“ und das nachgeholte „Holy Night Of Rosemary“ für lautstark mitsingendes Publikum.


Zu „Pink Pinks“ erzählte Markus Maria Jansen, dass es sich hierbei um den zweiten Song handele, den M. walking on the Water jemals aufgenommen hätten (nämlich1986) und verausgabte sich Mike Pelzer an der Mundharmonika. Mit „Party In The Cemetery“, einem weiteren Song von ihrem Debütalbum, beschlossen sie den Hauptteil, aber nicht ohne die Tradition Martell Beigang (Schlagzeug), Konrad Mathieu (Bass) und Axel Ruhland (Geige) jeweils ein Solo zu ermöglichen.  Als sich die beiden Sänger danach im Finale des wieder aufgenommen Songs mit ihren Instrumenten am Boden wälzten, verabschiedete sich der etwas beschwerlich auf die Beine kommende Jansen mit den Worten: „Ich bin zu alt für diesen Quatsch.“


Glücklicherweise bezog er dies nicht auf die Zugaben, denn das Quintett bescherte uns zunächst mit einer tollen Version von „Pluto“, das trotz starker Konkurrenz vielleicht mein Lieblingslied der Band ist. Zu Recht erhielten sie dafür danach die Zurufe „Sehr, sehr geil“ und „Danke!“. Daher konnte man der Band auch verzeihen, dass an Zugaben im Vergleich zu früheren Auftritten etwas gespart wurde: Nach „Poison“ stimmten sie abschließend „Dead President’s Waltz“ an, das sie akustisch im Publikum vortrugen, Akkordeon-Verspieler, Text-Hänger („Weiß jemand noch eine Strophe?“) und kaum hörbare, entstöpselte E-Geige („Ist das leise!“) inklusive.

Ein nicht perfekter Auftritt, der etwas Anlaufzeit benötigte, aber dennoch wenige Wünsche offen ließ. Und beim nächsten Mal bist du wieder dabei, U.!



Setliste:

Melitaah
Adventures And Narrations
Wooden Lady
Sing Sally
Magical Forest
Lovesong For You
Love Is On Your Side
The Rain Will Fall
Bury Me Upright
Fade To Grey (Visage Cover)
Misery
Holy Night Of Rosemary
Linda Lee
Anymore
Pink Pinks
Necessary
Soldier Of Love
Party In The Cemetery

Pluto

Poison
Dead President’s Waltz

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