Frankfurt Vegetarisch auf Reisen: Warschau Vegetarisch

U.
Im März war ich im Rahmen einer Firmenveranstaltung für einige Tage in Warschau. Damals waren sämtliche Mahlzeiten vorausgeplant und dazu gedacht, den Besuchern einen Eindruck in die polnische Küche zu bieten. An einem Abend war ich in einem Lokal, das sich der Küche der sozialistischen Zeit verschrieben hatte. So gut wie jedes Gericht war mit Fleisch oder Fisch, lediglich eine klare Borscht-Suppe war vegetarisch, und ich bekam separat einen Salat mit Schafskäse, über dessen sozialistische Authentizität ich mir nicht schlüssig wurde. An einem anderen Abend gab es das Nationalgericht, Pirogen, also gefüllte Teigtaschen. Diese gibt es durchaus in fleischlosen Varianten, etwa die "russische" Art mit Käse-Zwiebel-Füllung, außerdem unter anderem mit Spinat- oder Pilzfüllung. Allerdings sind diese von außen und ohne Sprachkenntnisse natürlich schwer zu bestellen.


Obwohl ich in Warschau also durchaus satt geworden war, nahm ich als Eindruck mit nach Hause, dass die lokale Küche nicht sonderlich Vegetarier-geeignet sei. Als sich dann ergab, dass ich im Juli nochmals allein für acht Tage per Dienstreise dorthin sollte, ging ich deshalb zunächst davon aus, dass ich in der Stadt überhaupt nicht allein essen gehen würde, das es ohne Polnischkenntnisse sicherlich schwierig sein würde, etwas Fleischloses zu bestellen. So viel Spaß macht es ja auch ohnehin nicht, allein in ein Restaurant zu gehen.

Als ich in Warschau ankam, begrüßte mich mein Chef, der aus den USA angereist war und für die ersten beiden Tage ebenfalls vor Ort war, bereits mit der Information, er habe uns für diesen und den folgenden Abend bereits Plätze in vegetarischen Lokalen reserviert. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, aber ich ging natürlich interessiert mit.


Lokal Nummer 1 war israelisch und hieß Tel Aviv. Auf der Speisekarte fand sich viel aus dem "Kichererbsen-Umfeld", also Falafel, verschiedene Sorten Hummous, eingelegte Auberginen und andere Gerichte des Nahem Ostens. Wir bestellten eine Mischung aus mehreren kleinen Gerichten mit Brot, die sich schnell als zu kleine Portion erwies, so dass wir nachbestellen mussten. Die angebotenen Speisen schmeckten alle gut, und zumindest aus deutscher Sicht lagen die Preise eher niedrig - die etwas zu kleine geratene Mezze-Portion für zwei Personen lag bei etwa 9 Euro.

Am nächsten Tag besuchten wir ein Restaurant namens Veg Deli, dessen Küche keine besondere regionale Ausrichtung hatte. Dafür wurde eine Vorspeise auf essbarem Moos serviert, und mein Hauptgericht, gebratene Austernpilze, schmeckte exzellent. Mir gefiel es dort so gut, dass ich einige Tage später zurück kehrte und einen Bohnensalat bestellte, der ebenfalls sehr gut war. Hier lagen die portionstechnisch durchaus großzügig bemessenen Hauptgerichte jeweils bei um die 7,50 Euro.


Nach dieser Erfahrung musste ich mein Bild von der polnischen Küche natürlich revidieren. Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen ja auch recht ignorant gewesen. Auch die deutsche traditionelle Küche ist ja durchaus fleischlastig, aber dennoch gibt es in jeder Großstadt vegetarische Lokale. Warum sollte das in der polnischen Hauptstadt anders sein?

Mit neuem Interesse durchforschte ich das Internet und erkannte, dass in Umgebung des Tel Aviv eine ganze Reihe andere vegetarische und vegane Lokale angesiedelt sind: vegane Burritos, vegane Pizza, vegane Burger... alles kein Problem in den Straßen der Gegend. Besonders interessierte mich ein veganer Sushiladen. Vegetarisches Sushi bekommt man auch in Deutschland in jedem Sushiladen, aber meist ist die Sortenauswahl arg eingeschränkt. Also war ich gespannt, was ein Lokal zu bieten hatte, der sich mit Fisch gar nicht erst beschäftigt.


Das Lokal Youmiko war bei meinem ersten Besuch so voll, dass ich keinen Platz fand, beim zweiten Versuch klappte es dann. Zu meiner Erleichterung gab es eine englische Speisekarte, und für keine der Bedienungen schien es mühsam zu sein, mit mir auf Englisch zu kommunizieren. Die Speisekarte lässt zu, dass man sein Sushi individuell aussucht, aber die meisten bestellen sicher wie ich eine bunte Zusammenstellung und überlassen der Küche den Rest.


Zu meiner Gurkenlimonde bekam ich zunächst das übliche Schälchen mit Ingwer und Wasabi, hinterher folgten als erstes zwei Nigiri, die extrem nach Fisch aussahen, aber in Wirklichkeit mit Tomate gemacht waren. Danach folgten Makiröllchen mit Avocado und Mandeln, die um ein Vielfaches interessanter schmeckten als die mir aus Deutschland bekannten. Anschließend servierte man mir größere Uramaki, die unter anderem mit Süßkartoffeln gefüllt waren. Zu jedem "Gang" bekam ich übrigens auf Englisch erklärt, was genau ich da bekam.


Die letzte Portion umfasste ganze sechs Stück, und nachdem ich mich nicht mehr genau erinnern konnte, welche Anzahl Sushiröllchen meine Bestellung umfasst hatte, und außerdem schon gut gesättigt war, bat ich nach ein wenig Abwarten um die Rechnung. Diese bekam ich auch, aber ebenso den Hinweis, dass bei mir noch eine Sushiportion ausstünde. Also aß ich auch noch meinen letzten Gang, vier Futomaki mit Zucchinifüllung. Hunger hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, aber es wäre allzu schade gewesen, diese leckeren Röllchen stehen zu lassen.


Für mein Sushimenü, inklusive Edamame und eine Gurkenlimonade, bezahlte ich umgerechnet 17 Euro. Das ist für Warschauer Verhältnisse durchaus ein gehobener Preis, aber wenn man bedenkt, dass Sushi auch ohne die Zutat Fisch viel Handarbeit erfordert - im Inneren des Lokals konnte ich drei Personen sehen, die an einer Theke unablässig neue Portionen fabrizierten - ging das für mich in Ordnung.

An einem anderen Abend ging ich in das vegane Burger-Lokal Krowarzywa, das in Warschau zwei Filialen hat und offenbar ausgesprochen beliebt ist. Die Restaurants sind innen relativ einfach (um nicht zu sagen: recht hässlich) gestaltet, auf den Freisitzen ist es deutlich schöner. Man bestellte sein Essen an der Theke, bezahlt sofort und bekommt einen Zettel mit einer Nummer überreicht - das Bestellte kann man abholen, wenn die Nummer aufgerufen wird.


Zwar war die große Speisekarte über der Theke ausschließlich auf Polnisch, es gab aber auf Anfrage eine kleine, laminierte Version auf Englisch. Aus dieser wählte ich einen Kichererbsenburger "Cieciorex" für etwa 3,50 Euro und einen Smoothie mit Orange, Banane, Ingwer und Petersilie für etwa 3 Euro. Das war ja einmal wirklich günstig. Bei Krowarzywa gibt es übrigens überraschenderweise keine Pommes Frites und auch sonst keine Beilagen, die man bestellen könnte.

Da ich natürlich nicht wusste, was "48" auf Polnisch heißt, passte ich genau auf, wann die Kunden, die vor mir bestellt hatten, ihre Burger bekamen, und tatsächlich kam meiner als nächstes. Der junge Mann an der Theke ging mit solchen Burgern, die nicht sofort abgeholt wurden, auch selbst auf die Suche nach den Besitzern, insofern hätte mein Essen wohl auf jeden Fall zu mir gefunden.


Mein Kichererbsenburger schmeckte ehrlich gesagt nicht überragend. Neben dem Burgerbratling und den von mir gewählten Saucen (veganer Mayonnaise und schrafer Tomatensauce) enthielt er einen Berg Salat und Gurken. Im Geschmack war das Ganze irgendwie nicht rund, durchaus essbar, aber eben auch nicht wirklich lecker.

Und was war überhaupt mit meinem Smoothie? Ich aß und wartete, und erst, als ich den Burger komplett verzehrt hatte, ging ich nochmals an die Theke und fragte nach. Der Smoothie war tatsächlich vergessen worden und wurde nun unverzüglich nachgeliefert. Ich genoss ihn als Nachtisch auf der Terrasse, war aber auch hier vom Produkt nicht zu 100 Prozent überzeugt. Der Geschmack an sich war in Ordnung, das ganze Getränk aber wohl zu kurz im Mixer gewesen. Für meinen Geschmack war die Flüssigkeit zu "stückig".


Nichtsdestotrotz würde ich es angesichts der grundsätzlichen Beliebtheit des Restaurants und der niedrigen Preise bei einem zukünftigen Warschau-Besuch nochmals mit Krowarzywa versuchen. Auf der Karte stehen ja noch zahlreiche andere Burger, beispielsweise aus Gemüse, Weizeneiweiß oder auch Tofu.


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