Gesehen: Oktober 2017


Als Sky-Kundin werde ich bereits seit vielen Wochen mit Werbung für die neue Eigenproduktion Babylon Berlin beschossen. Tom Tykwer! Diverse bekannte Schauspieler! 5000 Komparsen! Jede Folge kostet 2,5 Millionen Euro! Drogen! Nazis! Kommunisten! Wilde Partys!

Am 13. Oktober lief die auf zwei Staffeln ausgelegte Serie dann an, und ich kenne mittlerweile sieben Folgen (die erste Staffel hat acht). Einerseits war ich gespannt gewesen auf die aufwändige Produktion und auch die gegen Ende der Weimarer Republik spielende Handlung, andererseits aber auch skeptisch: Gut umgesetzte historische Geschichten kennt man eben eher aus anderen Ländern, in Deutschland konnte ich mir das nur schwer vorstellen.

Tatsächlich wird Babylon Berlin aber den von Sky selbst verliehenen Vorschusslorbeeren gerecht: Die Handlung ist einerseits spannend (auch wenn die riesige Anzahl agierender Figuren anfangs verwirrt), andererseits wird der historische Zusammenhang interessant, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger dargestellt. Tatsächlich denkt man als Zuschauer des öfteren "Krass, das alles ist extrem kurz vor der Nazizeit", aber es wird auch nicht oberlehrerhaft erzählt, wie das (zumindest laut meinen Phantasiefreunden vom "Kleinen Fernsehballett") offenbar bei der ebenfalls historischen Serie Charité der Fall war, wo jeder historische Zusammenhang quasi mit dem Hammer in den Zuschauer eingeklopft wurde, auf dass dieser auch ja nichts übersah. Und, auch das sollte man erwähnen, die teure Produktion versetzt den Zuschauer überzeugend ins Berlin der späten 20er Jahre.



Soll ich noch etwas zur Handlung erzählen? Gideon Rath ist Polizist und kommt in geheimer Mission nach Berlin, eigentlich soll er nämlich einen Sexfilm, mit dem der Kölner Bürgermeister erpresst wird, finden und verschwinden lassen. Vor Ort wird der junge Mann, der wegen eines Kriegstraumas heimlich Drogen nimmt, aber mit einer anderen mysteriösen Geschichte konfrontiert, die sich um einen Güterzug aus Russland und einen verschwundenen Kommunisten dreht. Zu seiner Helferin wird dabei Charlotte Ritter, die im Polizeipräsidium eigentlich nur Gelegenheitsarbeiten verrichtet, sich aber zur Kriminalistin berufen fühlt.

Nebenbei lernt man diverse Personen kennen, die allesamt Interesse an dem geheimnisvollen Güterzug haben, wobei der Übergang zwischen den "Guten" und den "Bösen" bislang erfreulich unscharf bleibt.

Nicht-Sky-Abonnenten reagierten zum Teil enttäuscht darauf, dass die Serie erst mit erheblicher Verspätung in der ARD laufen wird - dabei hatte diese mit finanziert. Das ist aber auch nicht anders als bei von öffentlichen Sendern mitfinanzierten Kinofilmen - auch diese kann man auch als Gebührenzahler zunächst für Geld im Kino sehen und erst später dann im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

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