Neulich in Hamburgs lautester Sauna: The Magic Numbers im Logo

U.

Am Samstagabend stand unser drittes und letztes Konzert in Hamburg an. Für The Magic Numbers standen wir wiederum auf der Gästeliste, wurden aber am Einlass aufgefordert, pro Person 5 Euro für einen guten Zweck zu spenden. Diese Regel gibt es in Hamburg anscheinend öfter, und sie gefiel uns gut: Wenn weder Band noch Club am Besucher Geld verdienen, kann zumindest eine karitative Einrichtung ein wenig vom Umsonsteintritt profitieren.


Das Logo ist ein kleiner Club, der bereits seit 1976 besteht und den Spitznamen "Hamburgs lauteste Sauna" hat. Im Vergleich zum Molotow wirkte er dennoch beinahe geräumig. Als mit einiger Verspätung - wir waren eigentlich recht knapp angekommen, warteten dann aber sicher noch eine halbe Stunde - die Vorband die Bühne betrat, dachten wir zunächst, es handele sich um die auf der Club-Website angekündigte Folkband Goldheart Assembly. Die Musik, die ein wenig düster war und an etwas zwischen Johnny Cash und Nick Cave - mit zusätzlichen Posauneneinlagen - erinnerte, passte aber nicht ganz zu dem, was wir vorab im Internet gelesen hatten, und der Sänger, der es schließlich wissen musste, erklärte nach dem ersten Song, die Band hieße Bannerman.


Die Gruppe war auch modisch auffällig, während der Sänger eine Frisur im Stil von Lyle Lovett und eine Cowboykrawatte trug, hatte eines der Bandmitglieder einen beeindruckenden Vokuhila. Das Quartett stand scheinbar noch ganz am Anfang seiner Karriere - am Merchandisestand gab es selbstgebrannte CDs mit handgemalten Covern, die man nach eigenem Bekunden erst am Vorabend produziert hatte - aber im Netz fand ich Informationen, laut denen es bereits zwei Alben gibt und ein weiteres geplant ist. The Magic Numbers, die während des Sets komplett im Publikum standen, sind offenkundig Fans, und auch uns sowie dem restlichen Publikum gefiel der Auftritt gut.

Setliste:

Walk With Me
Making a Still
Return To The Wild
Allein, nicht allein
To Die In Love

Nach Bannermans Auftritt stellte sich für uns natürlich die Frage, ob die Band Ergänzung zur oder Ersatz für die eigentliche Vorgruppe gewesen war. Als sich The Magic Numbers (und auch Bannerman) wiederum im Zuschauerraum einfanden, konnte man diese Frage als beantwortet betrachten. Tatsächlich betraten nun zwei junge Männer die Bühne, die beide schwarz gekleidet waren und Gitarren trugen. Im Internet hatten wir zwar gelesen, die Band sei ein Quartett, aber auch hier galt: Sie mussten ja schließlich wissen, wer sie waren.


Tatsächlich ist Goldheart Assembly auch in der aktuellen Konstellation normalerweise zumindest ein Trio, denn nach einigen ihrer akustischen, an Simon & Garfunkel erinnernden Lieder erklärte John Herbert, der Schlagzeuger habe für diese Tournee keine Zeit gehabt, weshalb James Dale nun die Percussion selbst mit dem Fuß stampfen müsse. Was allerdings so gut funktioniere, dass man nun überlege, auf den Schlagzeuger ganz zu verzichten und so jede Menge Geld zu sparen.

Das Set der beiden jungen Männer war sehr launig und gespickt mit gespielten Streitgesprächen (gibt es ein deutsches Wort für "Banter"?), die für das Publikum äußerst unterhaltsam waren. Ein Zuspätkommer wurde von der Bühne aus während des Songs freundlich begrüßt, einem Niesenden erst "bless you" und dann, nach kurzem Nachdenken, "Gesundheit" gewünscht. Man beklagte sich gespielt, dass Bannerman bislang das bessere Set geboten hätten, aber nun werde man den eigenen größten Hit "King of Rome" spielen. "Kennt ihn zufällig jemand? Da hat jemand ja gerufen! Hoffentlich war das niemand von The Magic Numbers, die hören uns jeden Abend!"


Nachdem das Duo Hamburg mit den frühen Auftritten der Beatles verbindet und diese in dieser Zeit wiederum viele Cover gespielt haben, ehrten sie die Band aus Liverpool, indem sie ein Beatles-Cover coverten: "Baby it's you". Kurz danach wurde das Duo darauf aufmerksam gemacht, dass es nur noch zehn Minuten für den restlichen Auftritt hätte, was die beiden in "das sind zwei Lieder und ein bisschen Reden" übersetzten. Als die zehn Minuten wenige Sekunden später zu elf verlängert wurden, strahlten beide: "Zwei Lieder und MEHR Reden!"

Beim vorletzten Lied namens "Tula", das angeblich zu schlecht fürs aktuelle Album gewesen war, sah John Herbert meinen fotografierenden Freund und riet "I wouldn't film this if I were you!"


Den letzen Song gab James Dale allein zum besten, nachdem John Herbert ihn gespielt dafür kritisiert hatte - er habe das vertraglich vereinbart und bestehe darauf, die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu erhalten. Dale reagierte gespielt entsetzt und entgegnete, dass er Herbert Abend für Abend bitten würde, die Bühne nicht zu verlassen, da es auch durchaus Dinge gebe, die er tun könnte - er sei aber einfach sehr faul. So kritisiert blieb Herbert dann doch auf der Bühne, spielte ein bisschen mit einem Glockenspiel der Hauptband und machte vereinzelte, passende Geräusche am Schlagzeug.

Man merkt es schon, hier war viel Charme im Spiel, von dem das gesamte Publikum, inklusive uns, vereinnahmt wurde. Selten habe ich eine unterhaltsamere halbe Konzertstunde erlebt.


Mittlerweile war es bereits kurz vor 10, nun erklommen die Magic Numbers die Bühne. Die vom Publikum aus sichtbare Setliste enthielt 14 Titel plus vier Zugaben, das sah nach einem verdammt langen Set aus. Als ich meinen Freund fragte, ob die Songs denn vielleicht besonders kurz seien, lachte der nur. Also wohl eher das Gegenteil. Sie eröffneten mit "Wake Up" und "You Know" vom neuen Album "Alias" - beide dauerten über 6 Minuten. Jeweils.

Man merkt also schon, The Magic Numbers sind eine weitere dieser Bands, die ich im Vorfeld nicht wirklich gut kannte. Die beiden Geschwisterpaare aus dem Londoner Stadtteil Ealing boten aber, wie bereits ihre Vorbands, ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Set, das wiederum von den beiden anderen Bands im Publikum gehört wurde.


Im gleichnamigen dritten Lied soll das Publikum "Roy Orbison" bei dessen Namensnennung in der zweiten Strophe jubeln - das funktioniert erst im zweiten Anlauf zur Zufriedenheit von Romeo Stodart. Danach kam eine umjubelte Triplette vom Debütalbum: "Forever Lost", bei dem Angela Gannon zum ersten Mal zur Melodika griff und größere Gesangsparts übernahm, "I See You, You See Me" und "Love's A Game". Zu "I See You, You See Me" erfuhren wir, dass ein Zuschauer der Band beim Glastonbury Festival dieses Lied genutzt habe, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen - erfolgreich. Nach zwei Titeln des Albums "The Runaway" übernahm wiederum Angela Gannon den Gesang auf "Black Rose".


Das anschließende "Shot In The Dark" lieferte lange Instrumentalparts, die Romeo und seine Schwester Michele gemeinsam an Gitarre und Bass vor dem Schlagzeug gemeinsam zelebrierten, dann schlug die Stunde der beiden Damen, die Romeo aus dem Bühnenzentrum verdrängten und zum Mikrofon griffen. Zunächst trug Angela "Thought I Wasn't Ready" vor, das vor allem von Bannerman-Mitgliedern direkt vor der Bühne lauthals mitgesungen und abgefeiert wurde und sich aufgrund dieser Begeisterung neben den offensichtlichen Hits zu einem Highlight des Abends entwickelte. Das von Michele zur akustischen Gitarre vorgetragene "Once In A While" konnte da nicht mithalten. Vor ihrem ersten Solosong "Why Did You Call"hatte sich Michele bei einer gewissen Kerstin dafür entschuldigt, sie mit Wein vollgeschüttet zu haben, ansonsten wurde nun wenig gesprochen, dafür gerieten die Instrumentalteile der Lieder immer länger.


Das Hauptset beschlossen The Magic Numbers temporeich mit "Take A Chance", das viele Percussion Instrumente zum Einsatz kommen ließ und direkt in "Enough" überging, und "Love Me Like You".

Im Zugabenteil wurde dann wieder etwas mehr gesprochen. Zunächst spielten The Magic Numbers das Skeeter Davis-Cover "The End of The World" (anstelle des auf der Setliste vermerkten "Try") Dazu erfuhren wir, dass die Band den Song einst in ihrer Garderobe gespielt hatte, und zwar in der Hoffnung, damit Neil Young anzulocken, der sich nebenan aufhielt und den sie gerne kennen lernen wollten. Der Plan ging auf.


Anschließend baten sie Bannerman erneut auf die nun mit 8 Personen gut gefüllte Bühne, und deren Sänger durfte "The Night Before" von Lee Hazlewood vortragen. Alle hatten offensichtlich so viel Spaß, dass man den Eindruck hatte, sie würden am liebsten gemeinsam noch die ganze Nacht weiter musizieren. Die beiden Jungs von Goldheart Assembly taten uns zunächst leid, da sie nicht mit auf die Bühne durften, doch bei Neil Youngs "Harvest Moon" konnten auch sie noch einmal mit den Stodart- und Gannon-Geschwistern musizieren. Der Schlagzeuger Sean Gannon hatte hier mit einem Mundharmonika-Solo ebenfalls noch einen kurzen Auftritt im Rampenlicht.


Das mittlerweile zweistündige Konzert beendeten The Magic Numbers traditionell mit "Mornings Eleven".


Setliste:

Wake Up
You Know
Roy Orbison
Forever Lost
Love's A Game
I See You, You See Me
Why Did You Call?
The Pulse
Black Rose
Shot In The Dark
Thought I Wasn't Ready
Once In A While
Take A Chance / Enough
Love Me Like You

The End Of The World (Skeeta Davis Cover)
The Night Before (Lee Hazlewood Cover)
Harvest Moon (Neil Young Cover)
Mornings Eleven

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