I want to ride my bicycle: Sechs Wochen mit Call A Bike

Vor nicht allzulanger Zeit erzählte ich von der Mietfahrradlandschaft in Frankfurt und den diversen Anbietern, die sich mittlerweile in diesem Markt tummeln. Seit meinem ersten Bericht gab es übrigens einige neue Entwicklungen: BYKE hat seine Zeitintervalle, die nach wie vor 50 Cent kosten, mittlerweile auf 20 Minuten gekürzt, und oBike ist pleite gegangen und lässt seine 30.000 Fahrräder in Europa einfach da, wo sie eben stehen...

Den Mietradservice der Deutschen Bahn, genannt Call a Bike, erwähnte ich dabei nur kurz, denn erstens gefiel es mir nicht sonderlich, dass man die Räder nur an fest definierten Stationen abstellen darf - je nachdem, wo man gerne hinmöchte, ist die nächstgelegene Station gegebenenfalls nicht sehr nahe, davon abgesehen muss man sie erst einmal finden. Wer sein Rad nach Fahrtende außerhalb einer Station abstellt, bezahlt in Frankfurt 5 Euro "Strafe". Zweitens kostet bei Call a Bike im Standardtarif jede angefangene halbe Stunde einen Euro - nicht exorbitant teuer, aber immerhin verlangt die Konkurrenz von BYKE deutlich weniger - und das ohne die Umstände mit den Stationen.

Dann las ich aber, dass die Frankfurter Call a Bike-Räder sechs Wochen lang umsonst zur Verfügung standen - gut, nicht ganz umsonst, aber die erste halbe Stunde jeder Nutzung war kostenlos, ebenfalls entfiel die sonst vorhandene Anmeldegebühr für Neukunden. Grund hierfür war die Sperrung des Frankfurter S-Bahn-Tunnels für die gesamte Dauer der hessischen Sommerferien: Die Bahn wollte den genervten Frankfurtern eine Alternative bieten, wenn sie durch die Innenstadt mussten.


"Kostenlos" ist natürlich ein Preis, den ich gerne annehme, und so meldete ich mich sofort an. Das Leihsystem bei Call a Bike ist etwas wneiger modern als bei den bunten Konkurrenten. Während man bei jenen nur einfach via Handy-App  den Code des Fahrrads scannen muss, das man sich ausgesucht hat, und dann sofort losfahren kann, muss man bei Call a Bike zunächst die Nummer des gewählten Rades in die App eingeben und erhält dann eine PIN, die man in den Touchscreen, den jedes Fahrrad besitzt, eingeben muss. Dann kann die Fahrt losgehen.

Die Nutzung von Call a Bike hat aber durchaus auch ihre Vorteile: Die Fahrräder fahren sich um einiges bequemer und "gedämpfter" als die Billigräder der Konkurrenz und verfügen über eine ordentliche Gangschaltung. Außerdem gibt es anders als bei den Billiganbietern die Möglichkeit, seine Fahrt zu unterbrechen, um beispielsweise kurz ein Geschäft zu betreten. Man kann das Rad dann abschließen, aber es kann von niemand anderem benutzt werden - und die Mietzeit läuft während der Pause natürlich weiter.

Die Sache mit den festen Stationen - die übrigens nicht in jeder Stadt so gehandhabt wird - hat allerdings wirklich ihre Tücken. Vor jeder Fahrt überlegte ich mir, wo ich mein Rad bei Fahrtende abstellen könnte, und prüfte per Internet oder App, welche Station meinem Ziel am nächsten lag - und dann galt es, selbige Station auch zu finden. Zudem werden die Räder vom Anbieter offensichtlich nicht immer richtig geortet: Eines Nachmittags stellte ich ein Fahrrad an einer Station ab - übrigens der, die am nächsten an meinem Arbeitsplatz liegt und die ich deshalb mit Abstand am häufigsten benutzt habe - und dennoch sah ich später in der App, die einem sämtliche Entleihvorgänge auflisten kann, dass ich das Rad angeblich falsch abgestellt hatte - 5 Euro Strafgebühr.

Quasi dasselbe aber anders herum passierte mir aber auch: Bei einem Mittagstermin im Apple Store stellte ich "mein Rad" in der Meinung, die Station gefunden zu haben, neben zwei anderen Call a Bike Rädern ab - nur, um, als ich es bereits abgegeben hatte, zu entdecken, dass die eigentliche Station gute 150 Meter entfernt war. Dennoch fiel dieses Mal keine Gebühr an.

Nach diversen Diskussions-E-Mails mit Call a Bike wurde mir die falsch erhobene Gebühr letztlich erstattet. Dennoch würde ich mich in Zukunft nicht mehr darauf verlassen, dass der Standort des Fahrrads immer korrekt erfasst wird - und ich hätte auch nicht ständig Lust, mich mit Callcentern um 5 Euro zu streiten.

Am Montag begann in Hessen das neue Schuljahr, die S-Bahnen fahren wieder und die Call a Bike-Fahrräder kehren zu ihrem regulären Preisschema zurück. Ich denke im Moment, dass ich zukünftig hauptsächlich wieder die Konkurrenzräder nutzen werde - selbst, wenn diese hinsichtlich Fahrkomfort weniger komfortabel sind.


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