Eine Schwierigkeit des Bücherfragebogens ist neben den teils seltsamen Fragen auch mein Wunsch, manche geschätzte Autoren in irgendeiner Kat...

Bücherfragebogen (10): Ein Buch von Deinem Lieblingsautor

Eine Schwierigkeit des Bücherfragebogens ist neben den teils seltsamen Fragen auch mein Wunsch, manche geschätzte Autoren in irgendeiner Kategorie "unterzukriegen" - und einige liebe ich eben, ohne dass sie meinen Lieblingsroman geschrieben hätten, oder mein erstes Buch, oder eines, das viel über mein Leben aussagt.



Folglich bin ich froh, dass ich heute zumindest einen der "muss auch unbedingt genannt werden"-Autoren abhaken kann, und erspare mir zusätzlich hirnzermarternde Überlegungen hinsichtlich der Frage, ob ich den einen oder den anderen Lieblingsautor vielleicht noch ein kleines bisschen toller finde.

Stephen Fry ist ob seiner übergroßen Beliebtheit (ca. eine Milliarde Twitterfreunde) mittlerweile jemand, bei dem man zumindest in seiner englischen Heimat eher nach Gründen sucht, ihn doof zu finden, aber es gelingt nicht so recht: Er ist einfach zu sympathisch, intelligent, witzig, selbstironisch ... immerhin ist er nicht sonderlich attraktiv, sonst wäre der Neidhass wohl tatsächlich nicht aufzuhalten.

Fry ist kein reiner Schriftsteller, hat aber mittlerweile doch einige Romane geschrieben, und dieser hier, Making History (Geschichte machen), ist mein liebster: Ein Student, Michael, arbeitet an seiner Geschichts-Abschlussarbeit über Hitlers Werdegang und entwickelt mit einem Bekannten eine Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern und Hitlers Geburt zu verhindern. Nur leider wird mit diesem Eingriff die Gegenwart keineswegs verbessert: Die vorhandenen antisemitischen Tendenzen werden nun statt von Hitler von einem politisch und wissenschaftlich geschickteren Politiker für seinen Aufschwung genutzt, das Ergebnis ist ein bis in die Gegenwart bestehendes, ganz Europa umfassendes Nazireich, das einen kalten Krieg gegen die USA führt.

Michael erwacht aus unerfindlichen Gründen mit intaktem Gedächtnis über die "echte" Geschichte, ist aber nun Amerikaner und stellt schnell fest, dass er mit der Verhinderung von Hitlers Existenz die Welt schlimmer gemacht hat, nicht besser. Und so muss auch diese Vergangenheit wieder verändert werden... und Michael findet nebenbei heraus, dass er schwul ist, was in den von ihm geschaffenen, extrem konservativen USA verboten ist.

In meinen Augen hat die Geschichte ihre logischen Fehler - kann jemand, der in Geschichte promoviert, tatsächlich so naiv sein, zu glauben, dass es ohne die Existenz Hitlers keinen Faschismus gegeben hätte? - das wird aber wett gemacht durch extrem sympathische Figuren und witzige Ideen, im Grunde ist also das Buch wie Herr Fry: Irgendwie einfach liebenswert.

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