Weniger vorbereitet bin ich wohl selten zu einem Konzert gegangen. Mein Freund hatte im Vorfeld einige Maler erwähnt, dass er diese Band ...

Ms. John Soda im Kölner Gebäude 9


Weniger vorbereitet bin ich wohl selten zu einem Konzert gegangen. Mein Freund hatte im Vorfeld einige Maler erwähnt, dass er diese Band mit dem seltsamen Namen wirklich sehr gerne live sehen würde, also erklärte ich mich am Donnerstag bereit, nach dem Büro nach Köln zu fahren. Erst als wir nach der halben Strecke zusammen im Auto saßen, erinnerte mich mein Freund daran, dass es sich bei der Band mit dem seltsamen Namen um eine Art Abkömmling von The Notwist handelte (Micha Acher ist Mitglied beider Bands), ähnlich wie Lali Puna (die ich bereits einmal gesehen hatte). Die Lieder, die er mir noch schnell im Auto vorspielte, bestätigten diese Vergleiche.


Leider werden wir, was die Konzertanfangszeiten im Gebäude 9 betrifft, mit der Zeit nicht unbedingt klüger. Bereits bei den beiden ersten besuchen in diesem Jahr hatte sich die offiziell bekannt gegebene Anfangszeit als reine Phantasie heraus gestellt, und die meisten Gäste schienen das auch zu wissen, wenn der kleine Vorraum mit der Bar, in dem man warten muss, bevor man in den eigentlichen Konzertraum darf, füllte sich jedes Mal erst, als das Konzert eigentlich längst hätte laufen sollen.

So also auch dieses Mal, statt um 20.30 ging es eine halbe Stunde später los, was mich normalerweise angesichts des am nächsten Morgen folgenden Arbeitstags geärgert hätte - da Ms. John Soda keine Vorband hatten, blieb ich aber relativ entspannt.


Erst hinterher las ich bei Wikipedia, dass Ms. John Soda offiziell zwei Bandmitglieder hat, nämlich Stefanie Böhm, die allein die Texte schreibt, und eben Micha Acher, der gemeinsam mit ihr für die musikalische Umsetzung sorgt. In Köln trat man aber zu viert auf, mit einem Keyboarder und einem höchst gut gelaunten Schlagzeuger, der den Großteil des Konzertes entweder lächelte oder lachte. Ob sie ebenfalls ins Notwist-Universum gehören, kann ich aber nicht sagen. Laut Facebook heißen sie Thomas Geltinger und Cico Beck. Verraten wurde uns das aber nicht, so, wie an diesem Abend auf der Bühne generell wenig gesprochen wurde.

Die Sängerin Stefanie Böhm überraschte mich beim Hereinkommen dadurch, dass sie eine riesige Handtasche dabei hatte und erst einmal hinter einem Lautsprecher ablegte (was bei mir auch die Frage aufwarf, was denn andere Sängerinnen so mit ihren Wertsachen machen, während sie auf der Bühne stehen). Eröffnet wurde das Set mit "A Nod on Hold", bei dem Stefanie ein "Soundkästchen", dessen korrekten Namen ich nicht kenne, bediente, obwohl sie in ihrer anderen Band Couch eigentlich Keyboarderin ist. Beim zweiten Song "Go Check" griff sie zu unserer Überraschung zu einem weiteren Bass, so dass sie und Micha Acher den Abend über gemeinsam Bass spielten und Knöpfchen drehten.


Musikalisch erinnerte Ms. John Soda durchaus an The Notwist und Lali Puna. Wie bei den beiden anderen Bands ist der Sound elektronisch-schön, während die Singstimme, nun ja, nicht von einem geborenen Sänger / einer geborenen Sängerin stammt, aber irgendwie ist das so im Ordnung. Welches Piepsen und Knarzen von welchem Musiker kommt, ließ sich dadurch, das meistens alle außer dem Schlagzeuger an etwas drehten, häufig gar nicht zuordnen.

Die Band hat soeben mit "Loom" nach neun Jahren Pause ein neues Album veröffentlicht, und Köln stellte das zweite Konzert der aktuellen Deutschlandtournee dar. Gewisse Unsicherheiten konnte man den Musikern angesichts dieser Debüt-Situation anmerken, aber sie schienen auch Spaß zu haben - ebenso das Publikum, auch wenn der Raum bei weitem nicht voll war. Insgesamt bestand der Hauptteil aus 14 Titeln aus ihren drei veröffentlichten Alben. Ältere Titel wie "Hiding / Fading" oder "No One" wurden in deutlich längeren Versionen dargeboten beziehungsweise waren live wesentlich rockiger als auf Platte.


Da Stefanie beim Abgang ihre Handtasche zurückgelassen hatte, war ich mir sicher, dass wir noch eine Zugabe erhalten sollten. Tatsächlich ließ man sich noch zu zwei Songs überreden. Dann war wirklich Schluss, auch wenn der Zugabenindikator "Handtasche" am Ende zunächst auf der Bühne vergessen wurde.

Mein Freund war bei der Rückfahrt sehr glücklich, die Band endlich einmal live gesehen zu haben, für mich als Ms. John Soda-Neuling war das Konzert zumindest eine gelungene Einführung.


Setliste:

A nod on hold
Go Check
Hands
Millions
Scan the ways
Hi fool
Hero whales
The Light
Solid ground
Oh Seven
Hiding / Fading
No One

Sirens
In my arms

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