Sendeschluss: Dschinghis Khan - Moskau


Gut, dass mein Jugendidol Dave Gahan hier nicht mitliest (falls doch: Hi Dave!). Denn wenn er das täte, wäre für ihn die Erkenntnis, dass er diese Woche mit seiner Goldfrapp-Kollaboration für den Sendeschluss eingeplant war, dann aber durch Dschinghis Khan(!!) verdrängt wurde, sicherlich schmerzlich. Keine Sorge, Dave, nächste Woche geht es hier normal und geschmackssicherer weiter!

Von der Dschinghis Khan-Sache erfuhr ich durch meine Phantasiefreundin Anja Rützel, die letzte Woche entsetzt twitterte:


Dschinghis Khan als Neuauflage mit Jay Khan (bekannt als ehemaliger Boyband-Sänger und aus dem Dschungelcamp, wobei ich ihn deshalb gerne mit Mark Terenzi verwechsele) als Frontmann. Das kam dann doch überraschend. Natürlich musste ich gleich googlen, was es denn damit auf sich hatte - eine Band, die stilistisch doch sehr fest in die 70er Jahre gehört, wiederzubeleben, weil ein B-Promi namentlich zufällig dazu passt, erschien doch etwas... beliebig.

Wenn man ein wenig nachforscht, ergibt sich, dass die neue "Moskau"-Version - natürlich - ein Song zur bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft ist. Als Sänger fungiert hierbei nicht nur Jay Khan, er ist für die deutsch- und die englischsprachige Variante zuständig. Es gibt aber zusätzlich noch eine russische Version mit Alexander Malinin und dessen Tochter Ustinya sowie eine spanische mit dem mexikanischen Tenor Jorge Jiménez und Marifer Medrano. Und für die, die sich nicht entscheiden können, wird auch noch ein viersprachiges Medley angeboten.


Das Ganze klingt zunächst durchaus aufwändig, doch schaut man die Videos dann tatsächlich an, wird schnell klar, das hier wirklich an allem gespart wurde: Den Text hat offensichtlich jemand Unispiriertes in fünf Minuten umgedichtet (Was reimt sich denn nur auf Kasatschok? Ach, nimm "round the clock", das passt!). Dazu Computeranimationen, die vermutlich mit dem entsprechenden Bildbearbeitungsprogramm als Beispiele ausgeliefert wurden (und das 2005) und einige seltsame Bilder der Nationalmannschaft, denen man anmerkt, dass man sonst eben keine hatte. Neben Jay Khan und den beiden verbleibenden Originalmitgliedern von Dschinghis Khan, Edina Pop und Henriette Strobl (die recht verloren wirken), sieht man auch Tänzer in zusammengeschusterten Outfits, die offensichtlich aus der Kostümkiste vom Speicher stammen, und kickende Kinder... letztere waren halt einfach zu besorgen.


Man kann sich sicherlich streiten, ob Dschinghis Khan und auch Ralph Siegel ein schützenswertes Vermächtnis haben, das man zerstören kann - wenn man "Ja" dazu sagt, ist diese Billig-Resterampenversion, um einen schnellen Euro zu verdienen, sicherlich extrem ärgerlich. Frau Rützel hat ihre Wut bereits in einen tollen Artikel auf Spiegel Online umgesetzt, ich selbst bin hier emotional weniger involviert (obwohl auch ich das orange Dschinghis Khan-Album als Kind auswendig konnte). Aber auch für sich genommen ist diese geldgierige Ramsch-Lieblosigkeit, nun, erschütternd.

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