Konfetti statt Seifenblasen: Jens Lekman in Frankfurter Zoom

U.
Gestern war der 1. Dezember, überall öffneten Menschen das erste Türchen ihrer Adventskalender und auch sonst war ein gewisser Geschenkeregen auszumachen: Ich hatte bei Markus Gardian zwei Gästelistenplätze für Jens Lekmans Konzert gewonnen, während mein Freund bereits von der Promo-Agentur auf selbige gesetzt worden war. Für meine zweite Freikarte reiste dann eine Freundin an.


Bei unserer Ankunft beim Umsonst-Konzert des schwedischen Sängers gab es dann ein paar Schwierigkeiten: Meine beiden Gästelistenplätze waren wie immer zuverlässig hinterlegt worden, aber nicht der meines Freundes. Er muss seine Situation aber glaubwürdig dargelegt haben, denn herein durfte er, nachdem eine offenbar entscheidungsbefugte Kollegin gerufen worden war, trotzdem. Dasselbe Schicksal, mit ebenfalls glücklichem Ausgang, ereilte wenig später auch Christoph vom Konzerttagebuch - bei ihm musste dann nicht einmal mehr nachgefragt werden.

Herr Lekman hatten wir vorher bereits 2008 im Mousonturm und letztes Jahr beim Düsseldorfer New Fall-Festival gesehen - vor vier Jahren mit kompletter Band, allesamt mit Schlüsseln um den Hals, 2011 dann allein mit Gitarre und einem Schlagzeuger als einziger Begleitung. Gestern Abend zeigte sich beim Eintritt ins Zoom, dass dieses Mal wieder mit einer Band zu rechnen sein würde, gespannt warteten wir ab, bis (ohne Vorband) schließlich ein Schlagzeuger, ein Keyboarder, eine Geigerin und eine Bassistin die Bühne betraten, allesamt wirkten extrem jung und befolgten den aktuellen Lekman-Dresscode: Keine Schlüssel mehr, dafür schwarzweiße Outfits mit weißen Sneakern. In der ersten Reihe dagegen trugen etliche Damen (auch ich, aber zufällig) schwarzweiß gestreifte Oberteile, was möglicherweise eine Anspielung auf Jens' Outfit im letzten Jahr war.


Los ging der Konzertabend - so ist das bei dieser Tour wohl immer - mit einer Instrumentalversion von "Every little hair knows your name" vom neuen Album. Herr Lekman selbst stieß erst anschließend zu seiner Band und trägt nun, sicher wegen eines Haarausfallproblems, auf der Bühne eine Schirmmütze, die ihm ein wenig Ähnlichkeit mit Michael Stipe verleiht. Die nun folgenden Lieder kündigte Jens oft mit längeren Geschichten an, die wir teils bereits von vergangenen Auftritten kannten, so die lange Rahmenhandlung zu "Waiting for Kirsten", in der Jens Lekman in einem Göteborger Club auf die Ankunft des Filmstars wartete, der aber am Eingang abgewiesen worden war ("there are no VIP lines in Gothenburg - not even if you've made out with Spiderman") oder vor "A Postcard to Nina" der Besuch bei seiner lesbischen Freundin in Berlin, die ihn zwang, vor ihren Eltern so zu tun, als sei er ihr Verlobter. Daneben gab es aber auch mir unbekannte Geschichten, etwa vor "I Know What Love Isn't" die Versuchung, mit einer Freundin in Auckland eine Scheinehe einzugehen, um in Neuseeland bleiben zu dürfen, mit der Feststellung, dass er so ein illegales Arrangement niemals für sich behalten und deshalb auch nicht eingehen könnte.


"The End Of The World Is Bigger Than Love" wurde allen im Publikum gewidmet, denen schon einmal das Herz gebrochen wurde, das darauf folgende "Some Dandruff On Your Shoulder" dagegen denen, die schon einmal ein Herz brechen mussten - zu diesem Thema gebe es nämlich viel zu wenig Lieder. "Golden Key" ist ein Lied, das es nicht aufs aktuelle Album geschafft hat, angeblich aber aufs nächste kommt - auf das wir ebenfalls angeblich auch nicht wieder fünf Jahre warten müssen. Der Song wurde naheliegenderweise einem Herrn im Publikum gewidmet, die einen Schlüssel um den Hals trug. Danach kam ohne Pause direkt "The Opposite Of Hallelujah", während dem Jens plötzlich eine sehr kleine Menge Konfetti ins Publikum warf. Am Ende kam auch wieder das traditionelle Luftglockenspiel bei den letzten Noten des Songs.

Vor dem allein mit Akustik-Gitarre vorgetragenen "I Want A Pair Of Cowboy Boots" erfuhren wir, dass Jens Lekman zwei Jahre lang jede Nacht dasselbe geträumt hat (dabei hatte er den Traum schon beim ersten Mal verstanden), aber vielleicht (und hoffentlich) war das nur im Songtext so. Es folgten mit der Frage, ob wir Lust zu tanzen hätten, vier schnelle Lieder mit Elektrobeat, von denen "Sipping On The Sweet Nectar" das Hauptset abschloss.


Bei der ersten Zugabe  - "I Saw Her At The Anti War Demonstration" und "A Postcard To Nina" - spielte die Band noch mit und wurde nun auch namentlich vorgestellt, alle Mitglieder lächelten - wie auch häufig während des Konzertes - glückselig. Die bereits erwähnten Einleitung zu "A Postcard To Nina" fand bereits zu instrumenteller Untermalung statt, und Jens schilderte seine Angst vor Ninas Vater, indem er behauptete, dass er nach und nach die Instrumente auf seiner CD nicht mehr hören konnte und ließ die anwesenden Musiker entsprechend nach und nach per Handzeichen verstummen.

Für eine zweite Zugabe kehrte Jens dann allein zurück, als allerletztes Lied spielte er schließlich "Every Little Hair Knows Your Name", das damit das Konzert einrahmte. Ähnlich wie schon beim Düsseldorfer Konzert im letzten Jahr erklärte er, dass er auf der Bühne keine weiteren Zugaben mehr geben werde, wenn man einen bestimmten Song vermisst habe, werde er diesen aber gerne privat vorsingen - sofern man ihn nach dem Konzert finden könne.

Gegenüber dem Auftritt in Düsseldorf gewannen dieses Mal die Lieder durch die Anwesenheit einer Band, die zudem sichtlichen Spaß bei ihrer Sache hatte. Mit 85 Minuten war dieses Konzert gefühlt doppelt so lang wie das in Düsseldorf und ließ uns trotz fehlendem Seifenblasen-Abschluss deutlich positiver gestimmt zurück - auch wenn wir Jens Lekman hinterher nicht mehr auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt finden konnten.



Setliste

Every Little Hair Knows Your Name (Intro)
A Higher Power
I Know What Love Isn’t
The End Of The World Is Bigger Than Love
Some Dandruff On Your Shoulder
Golden Key
The Opposite Of Hallelujah
Waiting For Kirsten
Black Cab
I Want A Pair Of Cowboy Boots
The World Moves On
Maple Leaves
Into Eternity
Sipping On The Sweet Nectar

I Saw Her At The Anti War Demonstration
A Postcard To Nina

And I Remember Every Kiss
Every Little Hair Knows Your Name

3 Kommentare:

  1. Schöne Fotos und den Bericht hab ich auch sehr gern gelesen!

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  2. Dankeschön!
    Übrigens bestätigte das Maifeld Derby soeben The Notwist (und Sophie Hunger)!

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  3. Ja das Lineup wird wirklich toll!!

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